NewsMedizinStudie: Kaffee könnte Leben bei metastasiertem Darmkrebs verlängern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Kaffee könnte Leben bei metastasiertem Darmkrebs verlängern

Montag, 19. Oktober 2020

/Luis, stock.adobe.com

Phoenix/Arizona – Kaffee könnte das Fortschreiten einer Darmkrebserkrankung hinaus­zögern. Darauf deuten die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie an Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom hin, die jetzt in JAMA Oncology (2020; DOI: 10.1001/jamaoncol.2020.3938) publiziert wurde. Die Zahl der täglichen Becher Kaffee war dort mit einem längeren Intervall bis zum Therapieversagen und dem unvermeidlichen Tod der Patienten assoziiert.

Die Extrakte der gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen, die ein Großteil der Mensch­heit täglich zu sich nimmt, enthalten tausende von Substanzen, deren Auswir­kungen auf den Körper erst ansatzweise untersucht sind. Neben dem Koffein, das für die anregende Wirkung verantwortlich ist, enthält Kaffe eine Reihe von Substanzen, denen antioxidative, antientzündliche und antiangiogenetische Effekte zugeschrieben werden, die sich günstig auf die Gesundheit auswirken könnten.

Tatsächlich war Kaffeekonsum in epidemiologischen Studien wiederholt mit einem geringeren Erkrankungs- und Sterberisiko an Endometrium- und Leberkrebs verbunden. Kaffeetrinker leiden seltener unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Leber­erkrankungen und einem Typ-2-Diabetes.

Auch der Einfluss auf den Darmkrebs ist bereits untersucht worden. In 2 früheren Studien war herausgekommmen, dass Kaffeetrinker einen Darmkrebs bis zum Stadium III häufiger überleben (wenn er zusätzlich zur medizinischen Therapie erfolgt). Christopher Mackintosh von der Alix School of Medicine der Mayo Clinic in Phoenix/ Arizona hat jetzt den Einfluss von Kaffee bei Patienten im Stadium IV der Erkrankung untersucht, in dem aufgrund von Metastasen keine Heilung mehr möglich ist.

Grundlage der Untersuchung waren die Daten der Studie 80405 der SWOG-Organisation, die im Auftrag des US-National Cancer Institute Therapiestudien durchführt. In der Studie 80405 war untersucht worden, ob eine Biologikabehandlung mit Cetuximab und/oder Bevacizumab die Ergebnisse einer Standard-Chemotherapie mit dem FOLFIRI- oder mFOLFOX6-Schema verbessern kann – was nicht der Fall war.

Mackintosh hat jetzt untersucht, ob der Kaffeekonsum, der bei allen Teilnehmern erfragt wurde, einen Einfluss auf das Fortschreiten der Krebserkrankungen haben könnte. Hierfür lieferten die Daten tatsächlich Hinweise. Kaffeetrinker erlitten später einen Rückfall und ihre Überlebenszeit war länger als bei den Nicht-Kaffeetrinkern.

Jeder einzelne Becher am Tag war mit einem um 5 % verminderten Risiko auf eine Tumorprogression verbunden. Die Hazard Ratio von 0,95 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,91 bis 1,00 knapp signifikant. Das Sterberisiko sank mit jedem Becher Kaffee um 7 % (Hazard Ratio 0,93; 0,89 bis 0,98).

Der Effekt war dosisabhängig: Patienten, die mindestens 4 Becher Kaffee pro Tag konsumierten, hatten ein um 22 % vermindertes Risiko auf eine Krankheitsprogression (Hazard Ratio 0,78; 0,59 bis 1,05) und ein um 36 % vermindertes Sterberisiko (Hazard Ratio 0,64: 0,46 bis 0,87).

Das bedeutet natürlich nicht, dass Kaffeetrinker eine Chance hatten, den in diesem Stadium immer tödlichen Krebs zu überleben. Die mediane Überlebenszeit war jedoch mit 39 Monaten signifikant länger als bei den Nichtkaffeetrinkern, die nach median 31 Monaten starben.

Eine Verlängerung des Gesamtüberlebens um 8 Monate wäre in einer Therapiestudie ein großer Erfolg. Das entsprechende Medikament hätte gute Chancen, von den Arzneimittel­behörden eine Zulassung zu erhalten. Dies wird beim Kaffee nicht der Fall sein. Die Lebensverlängerung ist keine sicher nachgewiesene Wirkung.

In einer Beobachtungsstudie lässt sich keine Kausalität herstellen. Es ist sogar möglich, dass ein schneller fortschreitender Krebs den Patienten den Appetit auf die tägliche Tasse Kaffee verdorben hat. In diesem Fall läge eine reversible Kausalität vor. Die Forscher versuchen dies auszuschließen, indem sie nur Tumorprogressionen und Todesfälle berücksichtigten, die 180 Tage oder später nach Therapiebeginn aufgetreten sind.

Um die Wirkung von Kaffee klinisch zu beweisen, müssten in einer Studie Patienten vor dem Beginn der Behandlung auf den Konsum von Kaffee oder einem Placebo-Getränk randomisiert werden.

Dies ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch nur schwer umzusetzen, da sich ein Beikonsum nicht kontrollieren lässt. Die Situation würde sich verändern, wenn es gelänge, die für die vermutete krebspräventive Wirkung verantwortlichen Substanzen zu isolieren und zu einem Medikament zu formulieren. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #830245
Hortensie
am Dienstag, 20. Oktober 2020, 10:27

Kaffee hilft auch bei Lebererkrankungen

Kaffee enthält einige Substanzen, die sich auch bei Lebererkrankungen positiv auswirken sollen.
Wen dies interessiert, bitte googeln...
LNS

Nachrichten zum Thema

24. November 2020
Berlin – Auch bei Kindern, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, ist die Versorgung mit Hauptnährstoffen sowie den meisten Vitaminen und Nährstoffen ausreichend. Das ist eines der Ergebnisse der
Ernährungsbericht: Keine Nachteile für vegan und vegetarisch lebende Kinder
24. November 2020
Berlin – Im Zuge der Pandemie hat das Onlineangebot von Nahrungsergänzungsmitteln, die vermeintlich gegen COVID-19 und andere schwerwiegende Erkrankungen helfen sollen, zugenommen. Das berichtete der
Bundesamt warnt vor Wundermitteln gegen Corona
19. November 2020
London – Körpergröße und Body-Mass-Index (BMI) von Jugendlichen schwanken international sehr stark. Nach einer Studie im Lancet (2020; DOI: 396: 1511-1524) werden Teenager in reicheren Ländern bis zu
Mangelernährung: Schulkinder in vielen Ländern zu klein und zu dick
17. November 2020
Boston – Die Begleitung durch einen Population Health Manager hat adipösen Patienten in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.18977) geholfen,
Adipositas: Population Health Management macht Online-Diäten effektiver
12. November 2020
Dallas – Eine zuckerreiche Diät stimuliert die Vermehrung von Darmbakterien, die die Schleimschicht im Dickdarm zerstören und damit eine Entzündung fördern, die dem Morbus Crohn und der Colitis
Wie Süßgetränke die Entwicklung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa fördern
5. November 2020
Berlin – Bundesernährungsministerin Julia Klöckner setzt auf eine breite Verwendung des neuen Logos Nutri-Score für Lebensmittel. Die Kennzeichnung biete für Verbraucher leicht verständliche und
Klöckner setzt auf breite Nutzung des Nutri-Scores
5. November 2020
München – „Große Defizite in der Ernährungstherapie kranker Kinder in Deutschland“ beklagt die Stiftung Kindergesundheit. „Die Ausstattung der Kinderkliniken mit Ernährungsfachkräften entspricht nicht
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER