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Medizin

Neuer Immun­checkpoint-Inhibitor beim metastasierten NSCLC in den Startlöchern

Donnerstag, 24. September 2020

/freshidea - stock.adobe.c

Lugano/Köln – Das metastasierte nicht-kleinzellige Lungenkarzinom wird heute vor allem mit 2 Strategien therapiert: Sofern es entsprechende Treibermutationen aufweist, kommen niedermolekulare Inhibitoren der betreffenden mutierten Proteine zum Einsatz, gibt es keine behandelbaren Mutationen, werden Immuncheckpoint-Inhibitoren – derzeit vor allem gegen die PD-1/PD-L1-Achse gerichtet – gegeben.

Zu den bisher im metastasierten Stadium des NSCLC zugelassenen 3 PD-1- bzw. PD-L1-Inhibitoren dürfte sich bald ein vierter gesellen – der PD-1-Antikörper Cemiplimab, für den beim virtuellen ESMO-Kongress erste Phase-III-Daten präsentiert wurden [Sezer A et al. ESMO 2020, Abstract #LBA52].

Die Immuntherapie insgesamt und auch des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms diversifiziert sich immer mehr. Haben die ersten auf den Markt drängenden Substanzen noch in sehr fortgeschrittenen Therapielinien angefangen und sich langsam in die Erstlinie und teilweise auch bereits in die Adjuvanz vorgearbeitet, beginnen manche Substanzen bereits sehr viel weiter vorne.

Cemiplimab ist ein Inhibitor des PD-1-Immuncheckpoint-Rezeptors, der in einer Phase-I-Studie bei einer Reihe verschiedener Malignome in Kombination mit hypofraktionierter Radiotherapie und mit einer Cyclophosphamid-Chemotherapie vielversprechende frühe Ergebnisse liefern konnte (Clinical Cancer Research, 2020; DOI: 10.1158/1078-0432.CCR-19-2609).

Zunächst wurde der Antikörper als erste systemische Therapie überhaupt auf der Basis von Phase-II-Daten zur Therapie des metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem kutanen Plattenepithelkarzinoms zugelassen, für das eine kurative Operation oder Strahlentherapie keine Option mehr ist (NEJM, 2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1805131). In der Phase-III-Studie EMPOWER-Lung 1 wurde der Antikörper nun beim neu diagnostizierten NSCLC mit einer PD-L1-Expression auf mindestens 50 % der Zellen randomisiert gegen eine Platin-haltige Chemotherapie getestet (NCT03088540).

Insgesamt 710 Patienten mit einer solchen Diagnose (Stadien IIIB, IIIC oder IV) wurden im Verhältnis 1:1 auf Cemiplimab (350 mg alle 3 Wochen) oder eine Chemotherapie nach Wahl der behandelnden Ärzte randomisiert, wie Ahmet Sezer, Adana, Türkei, beim ESMO-Kongress berichtete. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben, und Sezer präsentierte die Daten einer präspezifizierten Interimsanalyse, die nach der Hälfte der erwarteten Todesfälle durchgeführt wurde.

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13,1 Monaten war Cemiplimab mit einer medianen Überlebensdauer von 22,1 Monaten versus 14,3 Monate im Kontrollarm signifikant überlegen; mit einer Hazard Ratio von 0,68 (p = 0,002) war das Mortalitätsrisiko im Verumarm um rund 1/3 niedriger.

Auch beim progressionsfreien Überleben war Cemiplimab trotz eines verschwindend geringen Unterschieds bei den Medianwerten (6,2 vs. 5,6 Monate) signifikant überlegen (HR 0,59; p < 0,0001); das beruhte vor allem auf einer späten Trennung der Kurven, wobei sich bei der Cemiplimab-Kurve ebenso wie beim Gesamtüberleben eventuell eine Plateaubildung andeutet.

In der Subpopulation mit einer PD-L1-Expression von ≥ 50 % war der Medianwert des Gesamtüberlebens noch gar nicht erreicht gegenüber 14,2 Monaten im Chemotehrapie-Arm (HR 0,57; p = 0,0002). Hier fiel der Unterschied beim progressionsfreien Überleben auch bezüglich der Medianwerte deutlicher aus (8,2 vs. 5,7 Monate; HR 0,54; p < 0,0001).

Der Vorteil beim Gesamtüberleben ist umso beeindruckender, als in der Studie ein Cross-over vom Chemotherapie-Arm in den Cemiplimab-Arm für Patienten erlaubt war, deren Erkrankung progredient war. Diese Option wurde von fast 3/4 der Patienten in Anspruch genommen (73,9 %).

Die Überlegenheit des Antikörpers erstreckt sich auch auf das Ansprechen (36,5 % vs. 20,6 %), die Dauer des Ansprechens (median 21,0 vs. 6,0 Monate) und die Häufigkeit von Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher, die hier seltener auftraten (37,2 % vs. 48,5 %).

Auch der globale Gesundheitszustand sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurden unter Cemiplimab bereits früh im Verlauf der Therapie verbessert.

Cemiplimab, so Sezer, dürfte damit als eine neue Behandlungsoption für Patienten mit neu diagnostiziertem metastasiertem NSCLC mit einer PD-L1-Expression von ≥ 50 % in Frage kommen, insbesondere da der eindrucksvolle Überlebensvorteil trotz der hohen Cross-over-Rate zustande kam. © jfg/aerzteblatt.de

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