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Medizin

ED-SCLC: Mit Immuntherapie hat ein Teil der Patienten bisher nicht gekannte Überlebenschancen

Donnerstag, 24. September 2020

Kleinzelliges Lungenkarzinom von Frau, 76 Jahre alt, Mikroaufnahme, Vergrößerung 252:1 /picture-alliance, OKAPIA KG Germany, Gladden W. Willis

Lugano/Köln – Nach dem nicht-kleinzelligen ist auch beim kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC) Bewegung in die Therapielandschaft gekommen. Immuntherapeutika, die die Aggressivität von T-Lymphozyten erhöhen, haben die Überlebenschancen der Patienten zuletzt deutlich erhöht.

2 von ihnen, die PD-L1-Antikörper Atezolizumab und Durvalumab, sind auch bereits zur Erstlinientherapie des fortgeschrittenen SCLC zugelassen. Beim virtuellen Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) wurden neue Daten zu diesen Substanzen sowie zum PD-1-Inhibitor Pembrolizumab vorgestellt.

Etwa jeder sechste maligne Lungentumor ist ein kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC; [Blum T, Barlag H. 2016. Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e.V. : Versorgungs­situation beim Lungenkarzinom in Deutschland), ein Tumor mit neuroendokriner Histologie, der durch ein rasches Wachstum mit frühzeitiger Metastasierung gekennzeichnet ist; die meisten Patienten sind Raucher (American Cancer Society – Small Cell Lung Cancer Causes, Risk Factors, and Prevention).

Aufgrund der aggressiven Biologie metastasiert das SCLC früh und wird wegen der meist unspezifischen Symptomatik nur in etwa 1/3 der Fälle Patient im lokalisierten Stadium diagnostiziert (limited disease, LD-SCLC), wo noch eine Behandlung mit kurativer Inten­tion möglich ist.

Die Mehrzahl der Erkrankungen ist bei Diagnose bereits fortgeschritten (extensive disease, ED-SCLC). Sie sind zwar initial empfindlich gegenüber Chemotherapien, aber das hält meist nicht lange an: Unter einer Standard-Chemotherapie beträgt das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) beim ED-SCLC 5,5 Monate, das mediane Gesamtüber­leben (OS) weniger 10 Monate und die 5-Jahres-Überlebensrate lediglich 5–10 % (NIH, National Cancer Institute – Small Cell Lung Cancer Treatment (PDQ®)).

Neuer Schwung ist in die Behandlung des SCLC erst in jüngerer Zeit durch die Einführung der Immuncheckpoint-Inhibitoren gekommen. Hier konkurrieren momentan mehrere Substanzen in klinischen Studien um eine künftige Rolle in der Therapie vor allem des ED-SCLC. Beim ESMO-Kongress wurden Daten aus 3 aktuellen Studien vorgestellt:

In der Phase-III-Studie IMpower133 hatte der PD-L1-Inhibitor Atezolizumab, zusätzlich zu einer Carboplatin/Etoposid-Chemotherapie gegeben, das progressionsfreie und das Gesamt­überleben von nicht vorbehandelten Patienten mit ED-SCLC gegenüber der alleinigen Chemotherapie signifikant verlängert (NEJM, 2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1809064).

S. Liu, Washington D.C., stellte beim Kongress eine separate Analyse der Langzeit-Überlebenden vor, d.h. der Patienten, die mindestens 18 Monate nach Randomisierung noch am Leben waren (Liu S et al. ESMO 2020, Abstract #1781MO):

Nach median 22,9 Monaten Nachbeobachtung gab es im Atezolizumab-Arm deutlich mehr Langzeit-Überlebende mit 33,5 % versus 20,4 % im Chemotherapie-Arm. Eine Reihe von Variablen, darunter Alter, Geschlecht, ECOG-Performancestatus, die Serum-Laktat­dehydrogenase und das Vorliegen von Hirnmetastasen bei Diagnose, zeigen einen gewissen Zusammen mit dem Langzeitüberleben, sind aber insgesamt nicht geeignet, eine Stratifizierung der Patienten für oder gegen eine Behandlung mit Atezolizumab vorzunehmen. Die Tumormutationslast spielte ebenfalls keine Rolle.

Als Late-Breaking Abstract stellte B. Besse, Villejuif, exploratorische Analysen der randomisierten Phase-II-Studie REACTION vor, in der im experimentellen Arm der PD-1-Antikörper Pembrolizumab ab dem dritten Zyklus mit einer Chemotherapie aus Platin und Etoposid kombiniert worden war (Besse B et al. ESMO 2020, Abstract #LBA85).

Alle Patienten mussten nach den ersten beiden Chemotherapie-Zyklen ein objektivier­bares Ansprechen gezeigt haben. Erstaunlicherweise zeigte sich beim progressionsfreien Überleben kein Unterschied zwischen beiden Armen, während die Patienten im Pembroli­zumab-Arm mit median 12,3 Monaten ein signifikant längeres Gesamtüberleben zeigten als diejenigen im Kontrollarm mit 10,4 Monaten (Hazard Ratio 0,73; p = 0,097 bei einem Signifikanzniveau von 10 %.

In der Phase-III-Studie CASPIAN schließlich hatte der PD-L1-Inhibitor Durvalumab in Kombination mit Etoposid und Platin und in einem Arm zusätzlich mit dem CTLA-4-Antikörper Tremelimumab das Gesamtüberleben signifikant verlängert (HR 0,73; p = 0,0047; (The Lancet, 2019; DOI: 10.1016/S0140-6736(19)32222-6).

In der Analyse, die J. Goldman, Los Angeles, beim Kongress vorstellte [Goldman J et al. ESMO 2020, Abstract #LBA86], zeigte sich unter anderem, dass die Patienten, die nach 12 Monaten am Leben und progressionsfrei waren, nach 2 Jahren noch zu mehr als 80 % überlebt hatten – eine bislang noch nie gesehen Rate, und das, obwohl einige dieser Patienten schlechte Prognosefaktoren wie Hirn- oder Lebermetastasen zu Beginn der Therapie aufgewiesen hatten.

Die Kombination aus Chemotherapie und neuen Immun-Onkologika stellt zweifellos einen neuen Therapiestandard in der Erstlinien-Behandlung des ED-SCLC dar, die die Prognose von Patienten mit diesem schwierig zu therapierenden Tumor deutlich verbessert. © jfg/aerzteblatt.de

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