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Medizin

SARS-CoV-2: Antikörper schützen Hamster vor einer Infektion

Donnerstag, 24. September 2020

/Siarhei, stock.adobe.com

Berlin – Ein deutsches Forscherteam hat im Blut von COVID-19-Patienten 40 Antikörper entdeckt, die SARS-CoV-2 neutralisieren können. Einer der Antikörper hat laut einem Bericht in Cell (2020: DOI: 10.1016/j.cell.2020.09.049) Hamster vor einer Infektion geschützt, andere könnten körpereigene Zellen angreifen und dadurch schwere Neben­wirkungen hervorrufen.

Antikörper sind eine wichtige Waffe des Immunsystems, um gezielt gegen Krankheits­erreger vorzugehen. Die Medizin macht sich dies zunutze, indem sie durch Impfungen die Bildung von Antikörpern anregt (aktive Immunisierung). Bei einer passiven Immuni­sierung wird das Immunsystem durch die Gabe von Antikörperpräparaten unterstützt, die sich heute in Bakterien- oder Zellkulturen in ausreichender Menge herstellen lassen.

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In vielen Forschungslabors wird derzeit nach geeigneten Antikörpern gesucht, die bei COVID-19 eingesetzt werden könnten, entweder um die Patienten vor einer Infektion zu schützen oder um den Verlauf einer Erkrankung abzuschwächen. Die genetischen „Druckvorlagen“ dieser Antikörper befinden sich im Blut von Patienten, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 überstanden haben. Sie sind allerdings nicht so einfach zu finden, da das Immunsystem eine Vielzahl von unterschiedlichen Antikörpern bildet.

Ein Team um Harald Prüß, Forschungsgruppenleiter am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen und Neurologe an der Berliner Charité hat im Blut von 10 COVID-19-Patienten insgesamt die Gene von 432 Antikörpern identifiziert und damit in Zellkulturen Antikörper hergestellt. Davon erkannten 122 das Spikeprotein von SARS-CoV-2, und 40 waren in der Lage, Zellen vor einer Infektion zu schützen.

Nicht alle diese Antikörper eignen sich zur Prävention oder zur Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen. 4 Antikörper setzten sich bei Experimenten an Gewebeproben von Mäusen auf der Oberfläche verschiedener Zellen fest. Der Antikörper CV07-200 erkannte in Hirnschnitten die Hippocampus-Formation, den Riechkolben, die Großhirnrinde und die Basalganglien.

CV07-222 fand Bindungsstellen im Hirngewebe und an glatten Muskelzellen. CV07-255 und CV07-270 reagierten mit Zellen von Lunge, Herz, Niere und Dickdarm. All dies könnte nach einer Behandlung mit den Präparaten schwere Autoimmunreaktionen auslösen, bei denen das Immunsystem irrtümlicherweise körpereigene Zellen angreift.

Das Forscherteam wählte deshalb für die weiteren Experimente den Antikörper CV07-209 aus, der in den Zellkulturen keine Reaktion gezeigt hatte. Hamster wurden entweder vor (prophylaktisch) oder nach einer Infektion (therapeutisch) mit CV07-209 behandelt. Beide Behandlungen verhinderten einen Gewichtsverlust, zu dem es bei den Hamstern normaler­weise nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 kommt.

Die spätere Untersuchung der Lungen ergab, dass beide Behandlungen erfolgreich waren. Nach der prophylaktischen Gabe waren kaum Zeichen einer Lungenentzündung zu erkennen, nach der therapeutischen Gabe waren die Krankheitszeichen deutlich abgeschwächt.

CV07-209 wäre nach den Ergebnissen der Studie ein Kandidat für ein Antikörperpräparat. Ob es zur weiteren klinischen Entwicklung kommt, bleibt abzuwarten. Andere Forscher­teams haben hier einen Vorsprung.

Der US-Konzern Lilly hat in der letzten Woche erste Ergebnisse einer klinischen Studie (BLAZE-1) bekannt gegeben, in der derzeit 2 Antikörper in 71 US-Zentren an 800 Patienten mit COVID-19 erprobt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Andre B.
am Samstag, 26. September 2020, 22:38

Über die dominante Rolle der T-Zellen im Kampf des Immunsystems gegen Sars-CoV-2

Diese neue Studie des schwedischen "Karolinska-Instituts", wurde kürzlich im "British Medical Journal" veröffentlicht und gibt neue Einblicke bezüglich der tatsächlichen Bedeutung von T-Zellen, als maßgeblicher Faktor beim vermitteln einer Immunität gegenüber Sars-CoV-2.

Kurzzusammenfassung:

Bis zu 50 Prozent der Menschen verfügen SARS-CoV-2 gegen sogenannte reaktive T-Zellen, die den Erreger aus früheren Jahren bereits kennen und im Falle einer Covid-19 Infektion die Immunabwehr anwerfen. Doch diese Zahl stammt nicht von heute — sie ist das Ergebnis von Untersuchungen an Blutproben, die bereits 2015 entnommen wurden. Damit scheint festzustehen, dass die T-Zellen, die als sogenannte Gedächtniszellen des Immunsystems fungieren, schon damals Kontakt zum Erreger hatten. Damit müsse in Sachen Covid-19 umgedacht werden, schreibt Mitherausgeber Prof. Peter Doshi. Zudem müsse man auch die Bedeutung der Antikörper neu bewerten.

Denn bislang gingen die meisten Mediziner davon aus, daß eine Herdenimmunisierung der Bevölkerung noch lange nicht erreicht ist. Grund dieser Annahme war die gerade in Covid-19 Hotspots geringe Zahl der Menschen mit Antikörpern gegen den Erreger. Doch Doshi zufolge könnten Antikörper weitaus weniger mit der Abwehr zu tun haben, als angenommen. Um die Zusammenhänge zu verstehen, müsse man die Gesamtheit der Immunabwehr betrachten.

«Eine Exposition führt nicht unbedingt zu einer Infektion, eine Infektion führt nicht unbedingt zu einer Krankheit, und eine Krankheit produziert nicht unbedingt nachweisbare Antikörper», schreibt Doshi. Innerhalb des Körpers seien die Rollen der verschiedenen Komponenten des Immunsystems komplex und miteinander verbunden.

«B-Zellen produzieren Antikörper, aber B-Zellen werden von T-Zellen reguliert, und während T-Zellen und Antikörper beide auf Viren im Körper reagieren, tun T-Zellen dies bei infizierten Zellen — während Antikörper dazu beitragen, eine Infektion von Zellen zu verhindern».

Vereinfacht ausgedrückt sind fehlende Antikörper gegen SARS-CoV-2 noch lange kein Grund, eine Immunisierung auszuschliessen.

>>> (https://www.bmj.com/content/370/bmj.m3563.full?ijkey=fb7IwiBWN21zMIF&keytype=ref)
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