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Medizin

Cannabinoid Nabilon lindert nichtmotorische Symptome bei Parkinson

Donnerstag, 15. Oktober 2020

/H_Ko, stock.adobe.com

Innsbruck – Das synthetische Cannabinoid Nabilon, das zur kurzzeitigen Behandlung der zytostatikainduzierten Übelkeit zugelassen ist, hat in einer Pilotstudie die nichtmoto­rischen Symptome von Patienten mit Morbus Parkinson gelindert, wie aus einer Publikation in den Annals of Neurology (2020; DOI: 10.1002/ana.25864) hervorgeht.

Patienten mit Morbus Parkinson leiden nicht nur unter den zunehmenden Störungen der Bewegungen, die sich aus der degenerativen Erkrankungen in den Basalganglien ergeben. Die Erkrankung geht auch mit zahlreichen nichtmotorischen Symptomen (NMS) einher.

Dazu gehören Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems (wie orthostatische Hypotonie und Obstipation), Riechstörungen, Veränderungen der Stimmungslage, ein Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit, Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen sowie Störungen des Schlaf-/ Wachzustands wie Schlaflosigkeit, Tagesmüdigkeit oder Störungen des Traumschlafs (REM-Schlafverhaltensstörungen).

Die NMS können die Lebensqualität der Patienten bereits im Frühstadium der Erkrankung deutlich verschlechtern. Die Symptome sind oft nur schwer zu behandeln, weshalb viele Patienten eine Selbstmedikation mit Cannabis betreiben.

In einer US-Umfrage unter Ärzten, die auf die Behandlung des Morbus Parkinson spezialisiert sind, gaben 95 % der Neurologen an, von ihren Patienten schon einmal um ein Rezept für medizinisches Cannabis gebeten worden zu sein (Movement Disorders Clinical Practice, 2017; DOI: 10.1002/mdc3.12359).

Ob die Droge tatsächlich in der Lage ist, die Symptome zu lindern, wurde jedoch bisher kaum untersucht, was auch daran liegt, dass Cannabis (in weiten Teilen der Welt) eine illegale Droge ist und deshalb nicht ohne weiteres in Studien erprobt werden kann. Mit Nabilon ist seit 2017 jedoch ein vollsynthetisches Analogon von Tetrahydrocannabinol zugelassen, der wichtigsten psychoaktiven Substanz in der Cannabis-Droge.

Ein Team um Klaus Seppi von der Universität Innsbruck hat die Wirksamkeit von Nabilon auf die NMS beim Morbus Parkinson getestet. Die Erkrankung war bei den im Mittel 65 Jahre alten Patienten seit 7,9 Jahren bekannt. Sie litten mit einem MDS-UPDRS-I (misst kognitive Funktion, Verhalten und Stimmung) von 12,90 Punkten unter deutlichen NMS.

Die Studie begann mit einer Open-Label-Phase, in der alle Patienten mit Nabilon behandelt wurden, um eine effektive Dosis zu ermitteln. Dabei schieden 5 Patienten aus, weil sie nicht auf die Behandlung ansprachen, 3 weitere Patienten vertrugen das Mittel nicht.

Am Ende konnten in einer zweiten Phase 38 Patienten auf eine 4-wöchige Behandlung mit Nabilon oder Placebo randomisiert werden. Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung des MDS-UPDRS-I, der zwischen 0 und 52 Punkte annehmen kann, wobei höhere Werte eine Zunahme der Symptome anzeigen.

Wie Seppi berichtet, kam es in der Placebogruppe zu einer Zunahme um 2,63 Punkten gegenüber einer Zunahme um 1,00 Punkte in der Nabilongruppe. Die Differenz von 1,63 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,09 bis 3,18 Punkten signifikant.

In der Nabilongruppe konnten 63,16 % ihren Status quo halten gegenüber 26,32 % in der Placebogruppe. Zu einer leichten Verschlechterung kam es in der Nabilongruppe bei 31,58 % und in der Placebogruppe bei 53,63 %. Eine deutliche Verschlechterung trat in der Nabilongruppe bei 5,26 % und in der Placebogruppe bei 21,05 % auf.

Die Behandlung hatte demnach die NMS abgeschwächt, das Fortschreiten der Erkran­kung jedoch nicht aufgehalten (was beim Morbus Parkinson derzeit mit keinem Medika­ment möglich ist). Die Behandlung erwies sich als sicher. Schwere Komplikationen sind laut Seppi nicht aufgetreten. Die häufigsten Nebenwirkungen von Nabilon waren Müdig­keit, Schwindel, Mundtrockenheit und Schläfrigkeit.

Die Studie liefert einen ersten Hinweis für die Wirkung von Nabilon auf die NMS beim Morbus Parkinson. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl und der Beschränkung auf 1 Behandlungzentrum ist die Evidenz der Ergebnisse jedoch begrenzt. © rme/aerzteblatt.de

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