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Medizin

Ösophaguskarzinome: Pembrolizumab plus Chemotherapie neuer Standard für die Erstlinie

Dienstag, 29. September 2020

Ösophaguskarzinom /Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Lugano/Köln – Patienten mit nicht operablen, lokal fortgeschrittenen oder metastasier­ten Ösophaguskarzinomen sollten künftig in der Erstlinienbehandlung zusätzlich zur Chemotherapie Pembrolizumab erhalten. Die Kombination mit dem Checkpointinhibitor in der Erstlinie ist neuer Standard bei nicht resezierbaren Ösophagustumoren. Diese Empfehlung basiert auf den Daten der Phase-3-Studie KEYNOTE-590 (Annals of Oncology, Volume 31 Supplement 4, September 2020), die bei der virtuellen Jahrestagung der European Society for Me­dical Oncology (ESMO) präsentiert wurden.

Das Gesamtüberleben verbesserte sich über alle Subgruppen hinweg durch Hinzufügen von Pembrolizumab um median 2,6 Monate im Vergleich zur Chemotherapie alleine.

„Die Vorteile beim medianen Gesamtüberleben und beim progressionsfreien Überleben sind klinisch relevant, so dass eine platinbasierte Chemotherapie künftig mit Pembrolizu­mab kombiniert werden sollte“, kommentierte Andrès Cervantes, Professor an der Univer­sität Valencia, in einer Presidential Session.

Prognose bei Ösophaguskarzinomen nach wie vor ungünstig

Für die Therapieempfehlungen sind Ausdehnung (TNM-Klassifikation) und Histologie des Tumors (Plattenepithel-/Adenokarzinom) wesentliche Kriterien. Trotz vieler Fortschritte in der multimodalen Therapie ist die Prognose des Ösophaguskarzinoms mit einem Fünf-Jahres-Überleben von 15–25 % weiterhin sehr ungünstig (Dtsch Arztebl 2015; 112(39): [6]; DOI: 10.3238/PersOnko.2015.09.25.02.)

An der prospektiv randomisierten, placebokotrollierten und doppelblinden KEYNOTE-590-Studie haben 749 Patienten mit nicht resezierbaren, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Ösophaguskarzinomen teilgenommen, darunter circa 12 % mit Tumoren am ösophagogastralen Übergang (Adenokarzinome Siewert-Typ I). 73 % der Malignome waren Plattenepithelkarzinome und 27 % Adenokarzinome. 51 % der Tumoren hatten eine vergleichsweise hohe PD-L1-Expression (Combined Positive Score [CPS] ≥ 10).

Alle Teilnehmer erhielten eine Chemotherapie aus 5-FU 800 mg/m² an den Tagen 1-5 alle 3 Wochen für maximal 35 Zyklen plus Cisplatin 80 mg/m² i.v. alle 3 Wochen für maximal 6 Zyklen. Die Patienten wurden 1 : 1 randomisiert in eine Gruppe, die zusätzlich zur Chemotherapie Pembrolizumab 200 mg i.v. alle 3 Wochen für maximal 35 Zyklen bekam, und eine zweite Gruppe mit Placebo. Die dualen primären Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (PFS) und das Gesamtüberleben (OS).

Mit Pembrolizumabtherapie median 12,4 Monate überlebt

Das Gesamtüberleben betrug median 9,8 Monate in der Placebogruppe und median 12,4 Monate bei der Kombination mit Pembrolizumab, die Hazard Ratio (HR) für ein Versterben lag im Verumarm bei 0,73 gegenüber Placebo (p < 0,0001), berichtete Ken Kato, Professor am National Cancer Center Hospital in Tokio (Kato K, et al.: Pembrolizumab plus chemo­therapy versus chemotherapy as first-line therapy in patients with advanced esophageal cancer: The phase 3 KEYNOTE-590 study. Abstract LBA8_PR).

In der Population mit CPS ≥ 10 lag das mediane OS bei 13,5 Monaten in der Verumgruppe und bei 9,4 Monaten unter Placebo, eine ebenfalls hoch signifikante Differenz von medi­an 4,1 Monaten (HR für Tod: 0,62). Noch ausgeprägter war der Unterschied im Gesamt­überleben in der Subgruppe der Patienten mit Plattenepithelkarzinom plus CPS ≥ 10: Es betrug median 13,9 Monate im Verumarm und 8,8 Monate unter Placebo (Δ 5,1 Monate; HR: 0,57; jeweils p < 0,0001).

Bei Patienten mit Adenokarzinomen lag das mediane OS bei 11,6 Monaten unter Che­motherapie plus Checkpoinhibitor und 9,9 Monaten unter Chemotherapie alleine (HR: 0,74). Auch beim progressionsfreien Überleben fanden sich deutliche Unterschiede mit einer Rate von 6 % vs. 16 % zu Monat 18 (Gesamtgruppe; p < 0,0001). Die Toxizität sei durch Pembrolizumab erhöht worden, aber insgesamt akzeptabel gewesen, so der Tenor beim Kongress.

„Es haben alle Patienten von Pembrolizumab zusätzlich zur platinbasierten Chemothe­rapie in der Erstlinie profitiert, deshalb sollte die Kombination Standard werden“, kom­mentierte Cervantes.

„Am größten aber war der Vorteil Für Patienten mit Plattenepithelkarzinomen und CPS ≥ 10.“ Für die Adenokarzinome des Ösophagus, deren Anteil in der Studie deutlich geringer war als der der Plattenepithelkarzinome, seien mehr Daten wünschenswert. © nsi/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #662080
strahlengegenkrebs
am Donnerstag, 10. Juni 2021, 21:25

Lokal fortgeschrittenes Ösophaguskarzinom: Standardtherapie?

Schön, dass Pembro zusammen mit Cisplatin besser hilft als Cisplatinhaltige Chemotherapie alleine. Leider ist das nicht die Standardtherapie bei Patienten mit nicht hämatogen met. ÖsCa. Dies ist eine Radiochemotherapie evtl. in Kombination mit Brachytherapie. Also hätte die Studie diese Patienten nicht einschließen dürfen oder die Autoren mit Sponsoren hätten die Radiochemotherapie mit Pembro kombinieren müssen. Der günstige Effekt hätte sich sehr wahrscheinlich auch dort gezeigt. Dürfen nun Strahlentherapeuten die Radiochemotherapie mit Pembro kombinieren? Diese publizierte Forschung geht an solchen Fragestellungen vorbei und schafft hier kaum zu gebrauchende Fakten. So werden nun möglicherweise potenziell kurativ behandelbare Ösophaguskarzinompatienten auf eine palliative Immunchemotherapieschiene gesetzt, weil es ja hier „so tolle neue Daten“ gibt. Pembro/Radiochemo vs. Radiochemo wäre die ethisch vertretbare Studie für lokal fortgeschrittene ÖsCa gewesen!
Avatar #662080
strahlengegenkrebs
am Donnerstag, 10. Juni 2021, 21:25

Lokal fortgeschrittenes Ösophaguskarzinom: Standardtherapie?

Schön, dass Pembro zusammen mit Cisplatin besser hilft als Cisplatinhaltige Chemotherapie alleine. Leider ist das nicht die Standardtherapie bei Patienten mit nicht hämatogen met. ÖsCa. Dies ist eine Radiochemotherapie evtl. in Kombination mit Brachytherapie. Also hätte die Studie diese Patienten nicht einschließen dürfen oder die Autoren mit Sponsoren hätten die Radiochemotherapie mit Pembro kombinieren müssen. Der günstige Effekt hätte sich sehr wahrscheinlich auch dort gezeigt. Dürfen nun Strahlentherapeuten die Radiochemotherapie mit Pembro kombinieren? Diese publizierte Forschung geht an solchen Fragestellungen vorbei und schafft hier kaum zu gebrauchende Fakten. So werden nun möglicherweise potenziell kurativ behandelbare Ösophaguskarzinompatienten auf eine palliative Immunchemotherapieschiene gesetzt, weil es ja hier „so tolle neue Daten“ gibt. Pembro/Radiochemo vs. Radiochemo wäre die ethisch vertretbare Studie für lokal fortgeschrittene ÖsCa gewesen!
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