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Medizin

Prostatakarzinom: AKT-Inhibitor Ipatasertib erzielt Wirkung in Phase-3-Studie

Dienstag, 29. September 2020

/heitipaves, stock.adobe.com

London – Der Kinasehemmer Ipatasertib, der den PI3K/AKT-Signalweg blockiert, hat in einer Phase-3-Studie in einer Kombination mit dem Antiandrogen Abirateron bei Patien­ten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom die Zeit bis zur erneuten radiologischen Progression verlängert.

Eine signifikante Wirkung wurde allerdings nur bei Patienten mit verminderter PTEN-Aktivität beobachtet. Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem virtuellen Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) vorgestellt.

Der PI3K/AKT-Signalweg ist an der Regulierung des Zellzyklus beteiligt. Eine vermehrte Aktivierung führt zur Zellteilung und damit unter Umständen zu einem Krebswachstum. Der PI3K/AKT-Signalweg ist deshalb ein möglicher Angriffspunkt für Kinasehemmer.

PI3K-Inhibitoren wie Idelalisib werden bereits erfolgreich zur Behandlung bestimmter Leukämien eingesetzt. Ipatasertib könnte der erste Inhibitor der Proteinkinase B (AKT) sein.

Zu den möglichen Einsatzgebieten von AKT-Inhibitoren gehört das Prostatakarzinom. Bei diesem Tumor ist die vermehrte Aktivierung von PI3K/AKT häufig auf eine Störung im Tu­morsuppressor PTEN zurückzuführen, die beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom bei 40 bis 50 % der Patienten beobachtet wird. Der PTEN-Verlust ist häufig mit einem be­sonders aggressiven Wachstum verbunden.

Der Hersteller hat Ipatasertib in einer Phase-3-Studie („IPATential 150“) an 1.101 Patien­ten mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom erprobt, bei denen eine Behandlung mit einem Antiandrogen vorgesehen war. Bei 521 Patienten war das PTEN-Gen vermindert aktiv.

Alle Patienten wurden mit dem Antiandrogen Abirateron und mit Prednison behandelt. Die Hälfte der Patienten erhielt zusätzlich Ipatasertib. Endpunkt war das radiologische progressionsfreie Überleben.

Wie Johann de Bono von Institute of Cancer Research in London berichtet, erzielte Ipata­se­rtib bei den Patienten, bei denen immunhistochemisch kein PTEN im Tumor nachge­wie­sen wurde, eine signifikante Wirkung. Die Dauer bis zur erneuten radiologischen Tu­morprogression wurde von 16,5 auf 18,5 Monate verlängert. Die Hazard Ratio von 0,77 war mit einen 95-%-Konfidenzintervall von 0,61 bis 0,98 signifikant.

Der Unterschied war größer, wenn der Nachweis von PTEN durch eine Gensequenzierung („next-generation sequencing“) statt durch eine immunhistochemische Anfärbung im Prä­parat erfolgte. Bei den Patienten mit fehlendem PTEN vergingen 19,1 Monate bis zur ra­diologischen Progression, wenn sie zusätzlich mit Ipatasertib behandelt wurden, gegen­über 14,2 Monaten bei den Patienten, die ausschließlich Abirateron plus Prednison erhal­­ten hatten.

In einer Intension-to-Treat-Analyse, die alle Teilnehmer der Studie umfasst, wurde kein signifikanter Vorteil im progressionsfreien Überleben gefunden. Daten zum Gesamt­über­leben lagen nach einer medianen Beobachtungszeit von 19 Monaten noch nicht vor.

Das Prostatakarzinom gehört bekanntlich zu den langsam wachsenden Krebsen, bei de­nen die Patienten auch im fortgeschrittenen Stadium noch eine gewisse Lebenserwar­tung haben.

Die Verträglichkeit von Ipatasertib könnte für viele Patienten ein Thema sein. Die Rate von Nebenwirkungen 3. oder 4. Grades stieg von 39 %auf 70,1 %. Insgesamt 21 % gegen­über 5 % brachen die Behandlung wegen der Nebenwirkungen vorzeitig ab. © rme/aerzteblatt.de

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