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Medizin

Nierenzellkarzinom: Liquid-Biopsie liefert Einblick in die Genetik eines Tumors

Dienstag, 29. September 2020

/Thomas, stock.adobe.com

Duarte/Kalifornien – Eine Liquid-Biopsie, bei der gezielt Gene aus der zirkulierenden frei­en DNA (cfDNA) von Krebszellen im Blut sequenziert werden, könnte in Zukunft die gene­tischen Untersuchungen von Biopsien wenn nicht ersetzen, so doch ergänzen.

Was derzeit möglich ist, haben US-Forscher bei 847 Patienten mit Nierenzellkarzinom untersucht. Die Ergebnisse wurden auf dem virtuellen Kongress der European Society of Medical Oncology (ESMO) vorgestellt.

Beim Tumorwachstum kommt es immer wieder zum Zerfall von einzelnen Krebszellen, deren DNA danach kurzzeitig im Blut zirkuliert. Eine Sequenzierung dieser Gene liefert Aufschlüsse über das aktuelle genetische Make-Up des Tumors, das sich im Verlauf einer Krebserkrankung verändern kann.

Mit einer Liquid-Biopsie könnte überprüft werden, ob die eingesetzten Medikamente noch wirksam sind, oder ob die Behandlung verändert werden muss. Bisher ist die Liquid-Biopsie noch nicht Bestandteil der klinischen Onkologie.

Es gibt allerdings bereits Anbieter von Tests, die die cfDNA auf Mutationen in krebsrele­van­ten Genen untersuchen. Ein Team um Zeynep Zengin vom City of Hope Comprehensive Cancer Center Duarte/Kalifornien hat einen kommerziell erhältlichen Test, der 73 bis 74 Gene sequenziert, bei Patienten mit Nierenzellkarzinom eingesetzt.

Bei den 600 männlichen und 247 weiblichen Patienten wurde bei 78,8 % der Patienten wenigstens eine genomische Veränderung in einem der Gene nachgewiesen. Am häufigs­ten waren die Gene TP53 (37 %), VHL (22 %) und EGFR (6 %) mutiert.

Bei ungefähr 6 % der Patienten wurden Abweichungen in Genen wie PTEN, PIK3CA und NF1 gefunden, die zu Störungen in der DNA-Reparatur führen können, die an vielen Krebserkrankungen beteiligt sind und zunehmend zu einem Angriffspunkt der Krebsthe­rapie werden.

Bei 46 Patienten konnten die Forscher auch Gewebeproben untersuchen. Auch hier wur­den genomische Veränderungen gefunden. Am häufigsten waren Mutationen in den Ge­nen VHL (63,8 %), PBRM1 (44,7 %) und SETD2 (31,9 %). Die Gene PBRM1 und SETD2 ge­hörten nicht zum Panel des ctDNA-Assays.

Insgesamt 154 Veränderungen befanden sich in Genen, die sowohl in der Liquid-Biopsie als auch in der Gewebe-Biopsie untersucht wurden. Von diesen 154 Veränderungen wur­den 41 nur in der Liquid-Biopsie und 92 nur in der Gewebebiopsie gefunden.

Insgesamt 21 genomische Veränderungen wurden in beiden Plattformen identifiziert. Bei diesen Genen betrug die Übereinstimmung zwischen ctDNA und Gewebe-DNA laut Zen­gin 96,2 %. Dass es in anderen Bereichen Unterschiede gibt, führte Zengin darauf zurück, dass die Liquid-Biopsie im Mittel 15 Monate nach der Gewebe-Biopsie durchgeführt wur­de.

In dieser Zeit könnte sich das genetische Make-Up des Tumors deutlich verändert haben. Dies zeigte sich auch bei 39 Patienten, bei denen mehrmals Liquid-Biopsien durchgeführt wurden. Die Analyse ergab, dass es vor allem im Bereich von EGFR und PTEN im Verlauf der Zeit häufiger zu Mutationen gekommen war.

Eine Perspektive besteht darin, bei Krebspatienten, die eine gezielte Therapie erhalten, durch eine regelmäßige Liquid-Biopsie zu überprüfen, ob die Behandlung noch Aussicht auf Erfolg hat oder ob sich der Tumor durch Mutationen dem Angriff der Medikamente entzogen hat.

Dies wäre auch durch regelmäßige Gewebe-Biopsien möglich. Diese sind jedoch relativ aufwändig, zumal viele Metastasen schwer erreichbar sind, weshalb dieses Staging sich nicht durchgesetzt hat. Eine Liquid-Biopsie wäre weniger invasiv und sie könnte im Prin­zip einen Überblick über das genetische Make-Up aller Metastasen liefern, während die Gewebe-Biopsie auf einzelne Metastasen beschränkt bleiben müsste. © rme/aerzteblatt.de

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