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Politik

Coronakrise sorgt für Preisanstieg bei Einmalhandschuhen

Montag, 28. September 2020

/dpa

Berlin – Einmalhandschuhe für Pflege- und Rettungskräfte haben sich in der Coronakrise massiv verteuert und sind mitunter nur noch schwer zu beschaffen. Darauf hat der Bun­desverband Medizintechnologie (BVMed) hingewiesen.

„Einzelne Händler haben uns mitgeteilt, dass die Versorgungslage und Preisentwicklung bei Einmalhandschuhen dramatisch sei“, sagte BVMed-Sprecher Manfred Beeres. Die Be­zugskosten stiegen zurzeit „sehr stark an“. Der Verband rechnet demnach mit Preisen, die teilweise 500 Prozent höher liegen – je nach Handschuhtyp – im Vergleich zu Normal­preisen.

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Während der ersten Infektionswelle sei die Nachfrage noch gering gewesen, fast flächen­deckend habe sie befriedigt werden können. „Dies hat sich durch die enorme Nachfrage des Weltmarktes nun radikal geändert“, teilte der Verband mit. Vor der Krise habe eine Packung Nitril-Handschuhe mit 100 Stück zwischen 6 und 8 Euro gekostet.

Mittlerweile seien die Preise 3 bis 4 Euro höher als noch vor vier Wochen, mitunter seien auch Pakete für 18 Euro zu bekommen. Einen Mangel sieht der Verband aktuell aber nicht. „Wenn alle vernünftig bestellen, wird es funktionieren“, sagte Beeres. Spekulatio­nen, die die Preise zusätzlich in die Höhe trieben, müssten gestoppt werden.

„Vor allem China und die USA bestellen derzeit massenhaft Handschuhe in den Ur­sprungs­ländern“, sagte der Geschäftsführer der Zentralvereinigung medizin-technischer Fachhändler, Hersteller, Dienstleister und Berater (ZMT), Uwe Behrens.

Die Nachfrage liege deutlich höher als die Produktionskapazitäten. Zudem hätten Aus­fälle zu einer weiteren Verknappung geführt. Auch der Rohstoff für die Artikel, wie etwa Latex aus Rohkautschuk, sei natürlich begrenzt.

Einmalhandschuhe werden ausschließlich in Asien produziert. Rund 90 Prozent der Pro­duktion stammen aus Malaysia, China und Thailand, der Rest kommt nach ZMT-Angaben aus Vietnam und Indonesien.

Laut BVMed hätten die meisten Fabriken ihre Kapazitäten auch für das erste Halbjahr 2021 bereits verkauft, sodass im zweiten Halbjahr 2020 Handschuhe nur mit hohen Kos­ten beschafft werden könnten. Während der Medizintechnologieverband für Anfang 2021 eine Beruhigung durch zusätzliche Fabriken erwartet, geht die ZMT frühestens von einer Normalisierung 2022 aus.

Wohlfahrtsverbände und Rettungsorganisationen meldeten, dass es zuletzt deutlich schwerer geworden sei, qualitativ hochwertiges Schutzmaterial zu passenden Preisen zu beschaffen.

Das betreffe neben Handschuhen auch Kittel, Schutzanzüge und Brillen, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mitteilte. „Unserer Erfahrung nach sind Handschuhe aktuell noch verfügbar – es ist jedoch mit deutlich längeren Lieferzeiten zu rechnen, als man es aus Nicht-Pandemie-Zeiten kennt“, sagte DRK-Sprecher Dieter Schütz.

Auch die Hilfsorganisation stellte zuletzt Preissteigerungen von bis zu 20 Euro pro Pa­ckung fest. Der DRK-Landesverband in Baden-Württemberg rief seine Kreisverbände kürz­lich auf, Bestände zu prüfen, wie zunächst der Spiegel berichtete. Grund war, dass ein Händler dem DRK von einem sich abzeichnenden Lieferengpass berichtete, wie ein DRK-Sprecher in Stuttgart sagte.

Der Paritätische Gesamtverband meldete, dass zwar das anfängliche Problem fehlender Mund-Nasen-Masken weitgehend in den Griff bekommen sei, aber: „Nun erhalten wir Problemanzeigen aus der Praxis, dass andere Hygieneausstattung – wie beispielsweise Einweghandschuhe – knapp wird oder doch zumindest zunehmend schwieriger zu be­kommen ist“, sagte die Abteilungsleiterin für Pflege, Teilhabe, Gesundheit, Lisa Marcella Schmidt. Gerade in der Pflege sei diese Ausstattung für den Infektionsschutz von Pflege­bedürftigen und Personal aber zentral.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) teilte mit, dass keine „belastbaren Erkennt­nisse“ über die Versorgung mit Einmalhandschuhen vorlägen. Aus den Ländern kämen „sehr heterogene Rückmeldungen“. Seit Beginn der Pandemie gebe es immer wieder Mel­dungen über knappe Vorräte an Einmalhandschuhen. Gleichzeitig werde den Ländern von Händlern nach wie vor Einmalhandschuhe zum Kauf angeboten.

Noch könnten die Länder auf die zu Pandemiebeginn beschafften Handschuhe zurück­grei­fen. „Sollte sich tatsächlich ein Versorgungsengpass abzeichnen, ist zu entscheiden, ob Einmalhandschuhe im Rahmen einer Ausschreibung oder Notfallbeschaffung von Sei­ten der Länder gekauft werden“, heißt es vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium. Noch gebe es dazu aber kein Ersuchen. © dpa/aerzteblatt.de

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