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Politik

WHO ruft Berlin zu schärferen Maßnahmen gegen das Rauchen auf

Montag, 28. September 2020

/picture alliance, KEYSTONE

Genf – Deutschland hat im Kampf gegen das Rauchen nach Überzeugung der Weltge­sund­heitsorganisation (WHO) immer noch Nachholbedarf. Die WHO lobt die neuen Maß­nahmen gegen Tabakwerbung zwar, sie könnten aber noch weiter gehen, sagte der WHO-Direktor für Gesund­heits­förder­ung, Rüdiger Krech.

In Deutschland darf ab 1. Januar 2021 im Kino nicht mehr für Rauchwaren geworben wer­den, wenn ein Film für unter 18-Jährige freigegeben ist. Ab 2022 ist Reklame für her­kömm­liche Tabakprodukte auf Plakatwänden verboten. Ab 2023 darf dort auch nicht mehr für Tabakerhitzer und ab 2024 für E-Zigaretten geworben werden.

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„Dass das Werbeverbot im Kino nur für Filme gilt, die für unter 18-Jährige zugelassen ist, ist bedauerlich“, sagte Krech. Andere Länder hätten Werbung für Tabakprodukte in Kinos ganz untersagt. „Wir hätten uns auch gewünscht, dass das Verbot von Werbung auf Pla­kat­wänden früher in Kraft tritt.“ Zudem fehle ein völliges Verbot für Werbung rund um Verkaufsstellen wie Kioske oder Tankstellen.

„Deutschland war in Europa bislang unter den Schlusslichtern, was Tabakeinschrän­kun­gen angeht“, sagte Krech. Jetzt sei es im Mittelfeld. In den gut 50 Ländern der WHO-Euro­paregion ist Deutschland nach einer WHO-Analyse unter nur einem Dutzend Ländern, das die Verteilung von Gratisrauchwaren nicht vollständig verboten hat.

Mit 16 weiteren Ländern hat Deutschland Sponsorverträge durch die Tabakindustrie noch nicht vollständig untersagt. Deutschland sei zudem unter den 22 Ländern, die Tabakauto­maten noch nicht abgeschafft haben.

Die Coronavirus-Pandemie habe eine große Chance im Anti-Tabak-Kampf eröffnet, sagte Krech: Gestützt auf jüngste Umfragen seien nach WHO-Analysen deutlich mehr Tabaknut­zer um ihre Gesundheit besorgt und wollten ernsthafter mit dem Rauchen aufhören. Be­hörden müssten sie mit Angeboten zur Entwöhnung unterstützen. „Da kann man auch in Deutschland noch viel tun“, sagte Krech.

In Deutschland rauchen nach dem Bundesdrogenbericht 2019 etwa 27 Prozent der Männ­er und 21 Prozent der Frauen. Nach Schätzungen sterben jedes Jahr 121.000 Menschen an Folgen von Tabakkonsum. © dpa/aerzteblatt.de

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