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Politik

Coronakrise: Viele Obdachlose auf psychiatrischen Akutstationen

Montag, 28. September 2020

/dpa

Berlin – Soziale Isolation und Armut aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona­pan­demie können einen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben, verbunden mit einem Anstieg von Depression und auch der Suizidraten.

Einen Einblick in die Folgen für die psychische Gesundheit, besonders sozial schwacher Menschen während der Pandemie, gab heute Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psy­chiatrie und Psychotherapie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, bei einem virtu­ellen Podiumsgespräch der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

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„Der Einfluss der aktuellen Krise auf die Suizidraten ist bislang noch nicht sicher erfasst“, betonte Heinz. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit legten jedoch nahe, „dass mit er­höhten Suizidraten gerechnet werden müsse, insbesondere falls sich die negativen wirt­schaftlichen Folgen der Pandemie auch in Deutschland weiter verschärfen sollten. Der Einfluss von Wirtschaftskrisen auf die Suizidalität sei gut belegt und habe gezeigt, dass wirtschaftliche Not Menschen in den Suizid treiben kann.

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), dessen Präsident Andreas Heinz ist, bedarf es daher eines um­fassenden psychosozialen Krisenmanagements. Dazu gehörten Informations- und Aufklä­rungsangebote sowie Präventions- und Interventionsansätze zur Reduktion von psycho­sozialen Folgen sowie die psychiatrisch-psychotherapeutische Beratung und Behandlung suizidaler und suizidgefährdeter Menschen.

Auch Patienten, die an COVID-19 erkrankt waren, leiden Psychiater Heinz zufolge an den Folgen ihrer Erkrankung für die psychische Gesundheit. So berichteten einige von einem eingeschränkten Geruchssinn, in dessen Folge ihnen das Essen nicht mehr schmecke. „Pa­tienten zeigten sich sehr besorgt, ob sie sich erholen oder nicht“, sagte Heinz.

Eine während der Coronapandemie besonders vulnerable Gruppe, nämlich obdachlose Menschen, sei zurzeit verstärkt auf den Akutstationen der psychiatrischen Kliniken zu fin­den, berichtete der Klinikdirektor weiter. „In Berlin, wo besonders viele obdachlose Men­schen leben, sehen wir einen Anstieg von 10 bis 30 Prozent; in Berlin-Mitte sogar um 30 Prozent“, sagte er.

Obdachlos würden Menschen nicht nur aufgrund steigender Mieten und Gentrifizierung. Auch Menschen aus europäischen Nachbarländern, in denen sie nicht von sozialen Netze aufgefangen werden, kämen nach Deutschland und landeten hier oftmals auf der Straße.

Besonders schwierig sei für obdachlose Menschen mit psychischen Erkrankungen auch gewesen, dass während des Lockdowns viele Tagekliniken geschlossen waren, berichtete Heinz weiter.

Menschen, die eine Wohnung haben, hätten während dieser Zeit Videokonferenzen nut­zen können, um in Kontakt mit dem Hilfesystem zu bleiben; Obdachlose konnten höchs­tens anrufen. „Wir finden es deshalb wichtig, dass es eine Möglichkeit gibt, Therapien auch über das Telefon anbieten zu können, besonders um arme und sozial benachteiligte Menschen erreichen zu können“, forderte Heinz.

Inzwischen sei in den psychiatrischen Kliniken alles weitgehend wieder normalisiert. Mit der Ausnahme, dass aufgrund der Coronaschutzmaßnahmen, Patienten nicht im Mehr­bett­zimmer aufgenommen werden könnten, sondern Einzelzimmer brauchten. „Dafür sind die Kliniken nicht eingerichtet, hier wird es wahrscheinlich finanzielle Engpässe am Jah­resende geben, vermutet der Klinikdirektor. © PB/aerzteblatt.de

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Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 21. Januar 2021, 21:14

Eine Frage den Standpunktes

Selbst der risikofreudigste Modelleur würde an der Beantwortung Ihrer Frage scheitern, denn so viele unbekannte oder mit nur sehr niedrigem Evidenzgrad versehene Variablen würden so einen Versuch schon im Ansatz unmöglich bzw. absolut unglaubwürdig machen. Ansonsten ist die Beantwortung dieser Frage natürlich ebenfalls von Ihrem jetzigen eigenen Standpunkt und dem des dazu Befragten abhängig.

In wie weit eine Maske trotz Ihrer Fähigkeit Übertragungen über weitere Entfernungen zu "verringern" am Ende zur wirksamen Eindämmung des Infektsiongeschehens überhaupt beitragen kann und ob ein sanktionierter Maskenzwang dazu im Verhältniss steht, dem werde ich mich im Rahmen eines Kommentars bezüglich der Metastudie von u.a. Prof. Emil Reisinger noch intensiver widmen. Vorweg möchte ich aber gleich Entwarnung geben und ankündigen, das ich auf das Posten der 465 Studien von PubMed und den 437 Studien von Embase,, die mir inzwischen dazu bekannt sind,verzichten werde.

Mit freundlichen Grüßen
André B.
Avatar #852784
Seppelviktor
am Donnerstag, 21. Januar 2021, 18:11

Alltagsmasken

Wir wissen seit langem dass die FFP2 Masken eine weit höhere Sicherheit bieten als die hellblau, weißen Masken bieten. Wer kann mir sagen wieviele Todesfälle weniger es gegeben hätte und wieviele Milliarden Euro unsere Nachkommen hätten weniger bezahlen müssen wenn die FFP2 Masken von Beginn an die Bürger ausgegeben worden wären.
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