NewsÄrzteschaftGOÄ: Hygienepauschale bis Jahresende verlängert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

GOÄ: Hygienepauschale bis Jahresende verlängert

Montag, 28. September 2020

/picture alliance

Berlin – Ärzte können die Hygienepauschale über die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) bis zum Jahresende 2020 abrechnen. Darauf haben sich Bundes­ärzte­kammer (BÄK), der Ver­band der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) und die Beihilfekostenträger verstän­digt.

Ursprünglich sollte die Abrechnungsempfehlung, die zunächst bis zum 30. Juni 2020 be­fris­tet war, nach der Verlängerung bis zum 30. September 2020 auslaufen. Die Vergütung wurde allerdings im Vergleich zur Abrechnung bis Ende Juni mehr als halbiert.

Anzeige

Während die Ärzte in der ambulanten Versor­gung bisher für jeden unmittelbaren Arzt-Pa­tienten-Kontakt noch einen Betrag in Höhe von 14,75 Euro für erhöhten Hygieneaufwand abrechnen konnten, sind vom 1. Oktober an nun noch bis zum Jahresende 6,41 Euro vor­ge­sehen.

Wie die BÄK mitteilte, sei die Abrechnungsempfehlung für die Erfüllung aufwändiger Hy­gienemaßnahmen im Zusammenhang mit der Coronapandemie nach Nummer 245 GOÄ analog im „Rahmen einer Kompromisslösung zum 1-fachen Satz in Höhe von 6,41 Euro ver­längert worden“.

Hintergrund seien unter anderem die Entwicklung des aktuellen Infektionsgeschehens und vergleichbare Regelungen, wie etwa im Rahmen von Behandlungen im Durch­gangs­arzt­ver­fahren. Dort gebe es etwa eine COVID-19-Pauschale der Unfallversicherungsträger für Durchgangsärzte: 4 Euro pro Behandlungstag.

Kritik kommt vom Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) und vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

„Wir werden sicherlich nicht die Hälfte an Desinfektionsmittel und Schutzkleidung an­wen­den, ohne unsere Pa­tien­ten zu gefährden“, erklärte Jörg-A. Rüggeberg, Vizepräsident des BDC. Die Kranken­kass­en seien zu Beginn der Pandemie durch den Gesetzgeber ver­pflichtet worden, an­hand eines umfangreichen Rettungsschirms, die Kliniken und Arzt­praxen vor den finan­­ziellen Folgen der Pandemie abzusichern.

„Dagegen mussten die privaten Versicherer erst mühsam überzeugt werden, dass auch sie eine solidarische Verpflichtung zu Sicherung der Krankenversorgung haben“, moniert Rügge­berg. Kliniken und Arztpraxen seien damit diejenigen, die den Schutz der Patienten auf eigene Kosten übernehmen. Es zeige sich, „dass in einer Krise einige solidarisch agieren, andere eher nicht“.

BVKJ-Präsident Fischbach kritisierte insbesondere die Haltung der PKV in den Verhand­lun­gen: „Die Kompromisslösung – 1,0facher Satz in Höhe von 6,41, Euro je Arzt-Patien­ten-Kontakt – ist eine Provokation, denn sie bedeutet, dass wir jetzt weniger als die Hälfte des bisherigen Hygienezuschlags bekommen.“

Man biete unverändert die gleichen Leistungen, bleibe aber bei jedem Kontakt mit einem Privatpatienten auf einem Teil der Hygienekosten sitzen. Der BVKJ fordert die PKV auf, sich wie die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rungen an der Finanzierung des Gesundheits­wesens in schwierigen Zweiten zu beteiligen. © may/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 29. September 2020, 16:42

Warum zahlt die PKV überhaupt einen Zuschlag?

Die Absenkung von 2,3-fach auf 1-fach hat nur einen einzigen Grund: Einsparpotenzial heben. Noch billiger wird es für die PKV nur noch, wenn sie den Zuschlag einfach komplett streicht. Was nicht ist, kann ja noch kommen.

Die BÄK verfügt über eine unvergleichliche ökonomische Expertise. Sie weiß doch, dass es für die PKV noch günstiger wird, wenn man die Analogziffer komplett streicht. Da sich der induzierte Hygieneaufwand in den Praxen ab dem 1.10.2020 NICHT reduziert, es also aus Sicht der Praxen völlig unangemessen ist, den Faktor zu reduzieren, macht die BÄK derzeit einen Bombenjob.

Nicht für die Ärzte. Für die PKV!
LNS

Nachrichten zum Thema

12. Oktober 2020
Sydney – Auf glatten Oberflächen wie von Handydisplays und Bankautomaten kann das Coronavirus SARS-CoV-2 unter bestimmten Laborbedingungen bis zu 28 Tage überleben. Das schreibt zumindest die
Studie: Coronavirus kann unter Laborbedingungen bis zu 28 Tage auf Oberflächen überleben
9. Oktober 2020
Nürnberg – Hände nass machen, rundherum für mindestens 20 Sekunden einseifen, gründlich abwaschen, sorgfältig abtrocknen. Dieses Ritual steht derzeit besonders im Fokus. Während Händewaschen früher
Nicht nur wegen Corona: Händewaschen nicht vergessen
6. Oktober 2020
Dresden – Die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer (SLÄK) hat die große Bedeutung von Hygienemaßnahmen und Infektionsschutz im Praxisalltag erneut unterstrichen. Anlass sind vermehrte Rückmeldungen von
Sächsische Ärztekammer weist auf Bedeutung von Hygiene hin
28. September 2020
Berlin – Einmalhandschuhe für Pflege- und Rettungskräfte haben sich in der Coronakrise massiv verteuert und sind mitunter nur noch schwer zu beschaffen. Darauf hat der Bundesverband Medizintechnologie
Coronakrise sorgt für Preisanstieg bei Einmalhandschuhen
17. September 2020
Berlin – Angesichts der wieder kühler werdenden Temperaturen hat das Bundesarbeitsministerium (BMAS) zu regelmäßigem Lüften in Büros, Gewerberäumen und Geschäften aufgerufen. Die „AHA-Regel“ für
Arbeitsministerium ruft zu regelmäßigem Lüften als Coronaschutz auf
16. September 2020
Bad Homburg – Wegen der Coronapandemie sind Desinfektionsmittel im laufenden Jahr stärker gefragt denn je. Doch bei den Werbeaussagen zu ihren Produkten nehmen es einige Hersteller nicht allzu genau,
Wettbewerbszentrale gegen falsche Werbung für Desinfektionsmittel
14. September 2020
Ulm – In Innenräumen besteht bekanntlich die Gefahr, sich durch Aerosole mit SARS-CoV-2 anzustecken. Wissenschaftler des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER