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Ärzteschaft

BDL warnt vor Kehrseite der Coronaselbsttests

Dienstag, 29. September 2020

/Kunstzeug, stock.adobe.com

Berlin – Nach der Ankündigung der Bundesregierung, die nationale Teststrategie zum 15. Oktober anzupassen und dabei die Nutzung von Antigentests einzubeziehen, warnt der BDL davor, die neuen Corona-Antigentests als Selbsttests für Laien anzubieten.

Nach Auffassung des Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) vermischen sich in der Diskussion ehrlich gemeinte Lösungsab­sichten mit kommerziellen Anbieterinteressen. „Eine Ressourcenverschwendung wie bei der kurzzeitigen Einführung der unkontrollierten Testung von Reiserückkehrern aus Nicht­risikogebieten darf sich nicht wiederholen“, mahnte der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski. Selbsttests seien „keine sinnvolle Ergänzung der nationalen Teststrategie“.

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Der BDL betonte, es mache keinen Sinn, mit der Option eines Testes für jedermann das genaue PCR-Testverfahren zugunsten der weniger sensitiven und unspezifischeren Anti­genbestimmung zu verlassen. Wegen der enormen Konsequenzen der einzelnen Befunde sei die Coronadiagnostik nach dem Infektionsschutzgesetz ausschließlich Ärzten vorbe­hal­ten, so die Labormediziner.

Der BDL hofft stattdessen auf Impulse aus der Politik zur Stärkung der Rolle der nieder­ge­lassenen Haus- und Fachärzteschaft bei der Anordnung medizinisch induzierter Co­ro­natests. „Die Bekämpfung der Pandemie muss in der Verantwortung der Ärzte bleiben und darf nicht aus populistischen Gründen in die Hände von Laien gegeben werden.“

Bobrowski erinnert daran, dass der Nachweis des Virus auch beim Antigentest aus einem Rachenabstrich erfolgen muss. Um eine Kontamination der Umgebung und das damit ver­bundene erhöhte Infektionsrisiko zu vermeiden, gelten für medizinische Labore sehr ho­he Sicherheitsvorgaben.

Die Probenvorbereitung des Antigentestes im medizinischen Labor unterliege wie bei der PCR der Risikostufe S3, das heißt, die Überführung der Abstrichprobe in das Testmedium muss unter einer Sicherheitswerkbank Klasse 2 (Laminar air flow Bank) im Labor erfolgen.

Vor allem dürfe der Abstrich in den Testzentren und die Bearbeitung der Proben im Labor nur von medizinischem Personal durchgeführt werden. Da diese Bedingungen beim Test durch Laien nicht gegeben seien, könne eine solche Teststrategie sogar zu zusätzlichen Infektionen der unmittelbar beteiligten Personen führen.

Der BDL spricht sich dafür aus, die Zahl der Testungen weiterhin auf das medizi­nisch not­wendige Maß zu begrenzen. Zudem sollte die Werbung für die Corona-Warn-App massiv verstärkt werden, da derzeit nur ein Bruchteil der Testergebnisse an die App übermittelt werden.

Die Digitalisierung des Gesamtprozesses von der Abstrichentnahme bis hin zur Übermitt­lung des Befundes an den Patienten und das zuständige Gesundheitsamt müsse zügig vorangetrieben werden.

Die Politik müsse zudem dafür sorgen, dass den Laboren für einen weiteren vorsorglichen Ausbau ihrer Testkapazitäten ausreichend Testmaterialien und finanzielle Mittel zur Ein­stellung zusätzlicher qualifizierter Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden. © EB/aerzteblatt.de

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