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Medizin

COVID-19: Anstieg der kardiovaskulären Todesfälle im Lockdown

Dienstag, 29. September 2020

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Leeds – Die Vermeidung von Arztbesuchen und Kranken­haus­auf­enthalten, aber auch Komplikationen von COVID-19 haben während des Lockdowns in der ersten Welle der Pandemie zu einem Anstieg von kardiovaskulären Todesfällen geführt, wie britische Kardiologen jetzt in Heart (2020; DOI: 10.1136/heartjnl-2020-317912) ermittelt haben.

Den ersten Todesfall an COVID-19 hatte es in England am 2. März gegeben. Zunächst hatte die Regierung zurückhaltend reagiert. Ende des Monats wurde die Bevölkerung dann aber aufgefordert, die Wohnungen nach Möglichkeit nicht zu verlassen.

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„Stay at home, Protect the NHS, Save lives“, lauteten damals die Botschaften, die viele Menschen dazu bewogen, Arztbesuche aufzuschieben und bei akuten Krisen nicht den Notarzt zu alarmieren aus Angst, sich im Krankenhaus mit SARS-CoV-2 anzustecken.

Zu den Folgen gehörte ein zeitweiliger Rückgang der Klinikbehandlungen wegen akuter koronarer Syndrome (sprich Herzinfarkte) um 40 %, wovon vor allem die leichteren Fälle (Nicht-ST-Senkungsmyokardinfarkte, NSTEMI) betroffen waren (Lancet 2020; 396: 381-89). Auch die Zahl der perkutanen koronaren Interventionen (PCI) ging deutlich zurück. In anderen Ländern wurden ähnliche Erfahrungen gemacht.

Dass der Verzicht auf eine lebensrettende Behandlung Folgen hat, zeigt sich jetzt in einer Analyse der Todesfälle. Ein Team um Chris Gale von der Universität Leeds kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass es in den vier Monaten nach dem 2. März in England und Wales zu 2.085 mehr Todesfällen kam als im gleichen Zeitraum der Jahre davor, was einem Anstieg um 8 % entspricht.

Zwar waren die meisten Todesfälle auf COVID-19 (1.480) zurückzuführen. Die übrigen hätten jedoch häufig durch eine rechtzeitige medizinische Behandlung vermieden wer­den können. Dies zeigt sich laut Gale auch darin, dass die kardiovaskulären Todesfälle, die sich zuhause ereigneten, insgesamt um 35 % zugenommen haben gegenüber einem Anstieg von nur 2 % bei den COVID-19 bedingten kardiovaskulären Todesfällen.

In den Pflegeheimen und Hospizen ist es zu einem Anstieg um 32 % bei allen kardiovas­ku­lären Todesfällen gekommen gegenüber einer Zunahme um 5 % bei den durch COVID-­19 ausgelösten kardiovaskulären Todesfällen. In den Krankenhäusern ist es lediglich zu einem Anstieg der COVID-19-bedingten kardiovaskulären Todesfälle gekommen.

In den Pflegeheimen und Hospizen starben die meisten Patienten an Schlaganfällen (plus 39 %) und Herzversagen (plus 25 %). In der häuslichen Umgebung standen Herzinfarkte (plus 41 %) und Herzversagen (plus 25 %) im Vordergrund.

In den Kliniken traten diese 3 Todesarten seltener auf als in den Vorjahren. Hier gab es jedoch einen Anstieg von tödlichen Lungenembolien (plus 13 %) und kardiogenen Schockereignissen (plus 15 %), die vermutlich auf Komplikationen von COVID-19 zurückzuführen waren. © rme/aerzteblatt.de

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Dr.Felsch
am Mittwoch, 30. September 2020, 09:23

Ist es ethisch zulässig?

Ist es ethisch zulässig, Koronarpatienten zu opfern, um Infizierte zu retten?
LNS

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