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Medizin

Prostatakarzinom: Radiotherapie nach Operation kann häufig warten

Freitag, 2. Oktober 2020

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

London – Gleich drei randomisierte Studien haben in den vergangenen Jahren das opti­male Timing für die Strahlentherapie nach einer radikalen Prostatektomie untersucht.

Die Ergebnisse, die jetzt im Lancet (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31553-1) und in Lancet Oncology (2020; DOI: 10.1016/S1470-2045(20)30454-X und 30456-3) publiziert wurden, sprechen nach den Ergebnissen einer prospektiv geplanten Meta-Analyse (2020; DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31952-8) für eine abwartende Haltung, bei der die Radio­therapie erst nach einem Wiederanstieg des PSA-Werts erfolgen sollte.

Die Prognose eines lokalisierten Prostatakarzinoms ist relativ gut. Eine radikale Prosta­tek­tomie bietet eine gute Heilungschance, solange die Randschnitte bei der Operation frei von Tumorzellen sind.

Bei einem positiven Randschnitt, einem Stadium pT3 oder einem Gleason-Score von 8-10 wird dagegen zu einer anschließenden Bestrahlung geraten. Offen war bisher, ob die Ra­diotherapie adjuvant, das heißt im Anschluss an die Operation erfolgen sollte oder ob mit einer „Salvage“-Bestrahlung gewartet werden kann, bis es zu einem erneuten Anstieg des PSA-Werts gekommen ist.

Diese Frage war in den vergangenen Jahren Gegenstand von drei randomisierten klini­schen Studien. An der „RADICALS-RT“-Studie hatten 1.396 Patienten aus Dänemark, Groß­britannien, Irland und Kanada teilgenommen. Die französische „GETUG-AFU 17“-Studie hatte 424 und die australisch-neuseeländische „RAVES“-Studie 333 Teilnehmer.

In allen drei Studien wurden die Patienten auf eine adjuvante oder eine „Salvage“-Be­strah­lung randomisiert. Die Patienteneigenschaften waren ähnlich und die meisten Pa­tienten hatten einen Gleason-Score von mindestens 7.

Die 2.153 Patienten der Studie wurden zu gleichen Teilen auf eine adjuvante Strahlen­the­rapie und auf eine „Salvage"-Strahlentherapie randomisiert, die bei einer medianen Beobachtungszeit von mittlerweile 60 Monaten 421 von 1.078 Patienten (39,1 %) er­halten haben.

Die Einschlusskriterien und das Timing und die Dosis der Strahlentherapie unterschieden sich nur geringfügig, so dass bereits im Vorfeld die Meta-Analyse ARTISTIC geplant wur­de, deren Ergebnisse Claire Vale vom University College Hospital, London, und Mitarbei­ter zeitgleich mit der Publikation der drei Studien vorstellt.

Bislang ist es bei 270 Patienten zu einem erneuten Fortschreiten des Tumors gekommen. Zwischen beiden Gruppen gab es in diesem Endpunkt keine Unterschiede.

Vale ermittelt eine Hazard Ratio für die adjuvante Strahlentherapie im Vergleich zur „Sal­vage“-Strahlentherapie von 0,95 (mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,75 bis 1,21).

Der Unterschied im ereignisfreien 5-Jahres-Überleben betrug nur 1 %punkt: Nach der ad­juvanten Strahlentherapie waren nach 5 Jahren noch 89 % ohne Hinweis auf ein (bio­che­misches) Rezidiv. In der Gruppe mit einer abwartenden Haltung und eventueller age-Strahlentherapie waren es 88 %.

Vale spricht sich deshalb für eine abwartende Haltung mit einer „Salvage“-Strahlen­the­rapie bei einem erneuten Anstieg des PSA-Werts aus. Dies hat den Vorteil, dass zwei Dritteln der Patienten in den ersten 5 Jahren die Nebenwirkungen der Strahlentherapie erspart bleiben, die in einer Harninkontinenz und einer erektilen Dysfunktion bestehen können. © rme/aerzteblatt.de

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