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Ausland

„Berliner Patient“: Von HIV geheilt, an Krebs gestorben

Mittwoch, 30. September 2020

Timothy Ray Brown /picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Manuel Valdes

Paris – Der weltweit erste Mensch, der nach einer HIV-Infektion geheilt werden konnte, ist an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Das teilte die International Aids Society (AIS) heute mit.

Timothy Ray Brown hatte Medizingeschichte geschrieben, als er nach einer beispiellosen Behandlung 2008 für geheilt erklärt wurde. Das HI-Virus, das die Immunschwäche­krank­heit Aids auslösen kann, war seither nicht mehr in Browns Körper nachweisbar.

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Der US-Bürger Brown studierte 1995 in Berlin, als bei ihm eine HIV-Infektion festgestellt wurde. 2006 wurde bei ihm zudem Leukämie diagnostiziert. In Berlin wurde er dann mit Stammzellen eines Spenders behandelt, der aufgrund einer seltenen Gen-Mutation gegen das HI-Virus immun war.

2008 wurde Brown für geheilt erklärt und als „Berliner Patient“ weltberühmt. Seit 2011 lebte er wieder in den USA. Vor einigen Monaten war der Blutkrebs bei ihm zurückge­kehrt, Brown wurde in seinem Haus im kalifornischen Palm Springs palliativmedizinisch betreut.

HIV-Patient symptomfrei nach Knochenmark­transplantation

London – Der „Berliner Patient“ Timothy Ray Brown galt bisher als weltweiter Einzelfall, der von einer HIV-Infektion geheilt werden konnte. Einer Studie in Nature zufolge könnte es nun einen zweiten Fall in London geben (2019; doi: 10.1038/s41586-019-1027-4). Der britische HIV-Patient befindet sich seit 18 Monaten ohne eine HIV-Therapie in Remission. Er weist keinerlei Symptome der Infektion auf [...]

Im vergangenen Jahr wurde ein zweiter Patient, der ebenso wie Brown neben seiner HIV-Infektion an Blutkrebs litt, für geheilt erklärt. Auch ihm, dem „Londoner Patienten“, wur­den zur Behandlung Stammzellen von Knochenmarkspendern mit einer seltenen geneti­schen Veränderung transplantiert.

Die designierte AIS-Präsidentin Sharon Lewin würdigte Brown in einer Reaktion auf seinen Tod als „Vorkämpfer und Verfechter“ eines HIV-Heilmittels.

Es sei die Hoffnung der Wissenschaftsgemeinde, „dass wir sein Andenken eines Tages mit einer sicheren, kostengünstigen und weithin zugänglichen Strategie zum Zurückdrängen und Heilen von HIV durch Gen-Manipulation oder Techniken zur Stärkung des Immunsys­tems ehren können“. © afp/aerzteblatt.de

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