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Medizin

SARS-CoV-2: Impfstoff erzeugt in Phase-1-Studie auch bei älteren Patienten neutralisierende Antikörper

Mittwoch, 30. September 2020

/picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Taimy Alvarez

Atlanta –Der Impfstoff mRNA-1273, der als einer der ersten klinisch an jüngeren Erwachsenen getestet wurde, hat sich in einer Phase-1-Studie auch bei älteren Menschen als sicher erwiesen und laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2028436) eine vergleichbare Immunantwort erzielt wie bei den jüngeren Probanden.

Infektionen mit SARS-CoV-2 sind vor allem für ältere Menschen (mit Begleiterkrankungen) gefährlich. Senioren dürften deshalb zu den ersten Zielgruppen für eine Impfung zählen. Neue Impfstoffe werden aus Sicherheitsgründen jedoch grundsätzlich zunächst an jüngeren Menschen erprobt. Es ist deshalb unklar, ob eine SARS-CoV-2-Vakzine auch bei älteren Menschen eine Schutzwirkung erzielen würde.

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Das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases hat jetzt erstmals einen Impfstoff gezielt an älteren Menschen untersuchen lassen. Zum Einsatz kam die Vakzine mRNA-1273 des Herstellers Moderna. Der Firma aus Cambridge/Massachusetts war es im Frühjahr in Rekordzeit gelungen, in der Gensequenz von SARS-CoV-2 eine geeignete Stelle für eine RNA-Vakzine zu identifizieren. Der Impfstoff besteht aus einer Boten-RNA.

Sie wird nach einer intramuskulären Injektion von menschlichen Zellen aufgenommen. Dort werden dann die Virusproteine hergestellt, gegen die das Immunsystem Antikörper bildet und T-Zellen aktiviert.

Bereits Mitte März stand genügend Impfstoff für eine Phase-1-Studie zur Verfügung. Erste Ergebnisse wurden Mitte Mai vorgestellt. Sie zeigten, dass mRNA-1273 offenbar keine ernsthaften Komplikationen auslöst und die Bildung von Antikörpern anregt, die in Laborexperimenten die Infektion von Zellen durch SARS-CoV-2 verhindern konnten. Der Impfstoff wird derzeit in einer Phase 3-Studie untersucht.

In der aktuellen Studie wurden seit dem 16. April 40 ältere gesunde Probanden geimpft: 20 Teilnehmer waren zwischen 56 und 70 Jahre alt. Die anderen 20 Probanden hatten ein Alter von 71 Jahren oder mehr erreicht. In beiden Gruppen erhielten jeweils 10 Personen eine niedrigere Dosis von 25 µg. Die anderen 20 wurden mit einer Dosis von 100 µg geimpft. Alle Teilnehmer erhielten nach 4 Wochen eine zweite Dosis.

Nach den von Evan Anderson von der Emory Universität in Atlanta und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen haben beide Altersgruppen die Impfung gut vertragen. Es gab keine schweren Komplikationen, die einen Abbruch der Studie notwendig gemacht hätten. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Müdigkeit, Myalgie, Schüttelfrost und Schmerzen an der Injektionsstelle, die jedoch meist leicht waren.

Bei 2 Patienten kam es zu systemischen Reaktionen vom Schweregrad 3: Ein Patient aus der jüngeren Teil­nehmer­gruppe reagierte auf die zweite 25 µg-Dosis mit Fieber. Im zweiten Fall klagte ein älterer Teilnehmer nach der zweiten 100 µg-Dosis über eine vermehrte Abgeschlagenheit.

Die Tests zur Immunität fielen vielversprechend aus. Bereits nach der 1. Impfung kam es zu einem dosisabhängigen Anstieg der Antikörperkonzentrationen, der sich nach der 2. Impf­dosis weiter verstärkte. Die Antikörper-Titer erreichten laut Anderson Werte, wie sie bei Patienten nach einer überstandenen COVID-19 beobachtet wurden.

Die neutralisierende Wirkung der Antikörper konnte gleich durch mehrere Methoden bestätigt werden. Die Antikörper waren dabei auch in der Lage, die Variante D614G auszuschalten, die sich derzeit weltweit ausbreitet. In einem Assay reagierten T-Zellen mit einer laut Anderson starken Freisetzung von CD4-Zytokinen, was auf eine effektive zelluläre Immunreaktion schließen lässt.

Bei einer Teilnehmerzahl von nur 40 Probanden bleibt die Aussagekraft begrenzt. Der Hersteller sieht sich durch die Ergebnisse in der Entscheidung bekräftigt, in der Phase 3-Studie die höhere Dosis von 100 µg einzusetzen. © rme/aerzteblatt.de

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