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Medizin

Mukoviszidose: Orale Antibiotika wirken ebenso gut wie intravenöse

Dienstag, 13. Oktober 2020

/Zerbor, stock.adobe.com

Bristol – Eine Eradikation von Pseudomonas aeruginosa, die ein wichtiges Therapieziel in der Behandlung der Zystischen Fibrose (Mukoviszidose) ist, gelang in einer randomi­sierten Studie in Lancet Respiratory Medicine (2020; DOI: 10.1016/S2213-2600(20)30331-3) mit einer oralen Antibiotikagabe genauso häufig wie mit der häufig bevorzugten intravenösen Behandlung.

Die infolge eines Gendefekts zähflüssigen Bronchialsekrete machen Patienten mit Muko­viszidose anfällig für Atemwegsinfektionen. Der wichtigste Problemkeim ist Pseudo­monas aeruginosa. Das Bakterium regt die Bildung von Biofilmen an, in denen es für Antibiotika nur schwer zu erreichen ist. Die Leitlinien raten deshalb zu einer frühzeitigen Antibiotikabehandlung, sobald P. aeruginosa erstmals nachgewiesen wurde.

Die Behandlung erfolgt häufig mit einer Kombination aus einem inhalativen Antibiotikum mit einer systemischen Antibiotikagabe. Die inhalative Therapie ist nicht umstritten, bei der systemischen Antibiose gibt es die Option einer intravenösen und einer oralen Therapie.

Eine intravenöse Therapie wird oft intuitiv als effektiver eingestuft, da die Antibiotika sofort im Blut vorhanden sind. Die Behandlung macht allerdings einen Krankenhaus­aufent­halt erforderlich und die Toxizität kann (vor allem beim Einsatz von Amino­glykosiden) höher sein.

Die Studie „TORPEDO-CF“ hat in den letzten Jahren beide Optionen miteinander verglichen. An der Studie nahmen an 70 Zentren in Großbritannien und 2 Zentren in Italien 286 Patienten mit Mukoviszidose teil, in deren Atemwegen zum ersten Mal (oder nach einem infektionsfreien Intervall von mindestens einem Jahr) P. aeruginosa nachgewiesen worden war.

Alle Patienten erhielten die in Großbritannien übliche inhalative Behandlung mit Colistin. Zusätzlich wurden sie auf eine 14-tägige intravenöse Behandlung mit Ceftazidim und Tobramycin oder auf eine 12-wöchige orale Behandlung mit Ciprofloxacin randomisiert (da die erste Behandlung in der Klinik erfolgt, die zweite ambulant möglich ist, war die Studie nicht verblindet). Primärer Endpunkt war die erfolgreiche Eradikation von P. aeruginosa nach 3 Monaten plus eine Infektionsfreiheit nach 15 Monaten.

Dieses Ziel erreichten nach der intravenösen Behandlung 55 von 125 Teilnehmern (44 %) gegenüber 68 von 130 Teilnehmern (52 %) in der oralen Gruppe. Wider Erwarten, war die intravenöse Therapie nicht besser, sondern sogar tendenziell schlechter in der Lage, P. aeruginosa zu beseitigen.

Das relative Risiko von 0,84 war nach den Berechnungen von Simon Langton Hewer von der Universität Bristol mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,65 bis 1,09 jedoch nicht signifikant. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nachteil der oralen Therapie übersehen wurde, dürfte allerdings gering sein.

Hinsichtlich der Sicherheit gab es zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede: In beiden Gruppen kam es bei etwa der Hälfte der Patienten zu Nebenwirkungen durch die Antibiotika, die bei jeweils 8 % als schwerwiegend eingestuft wurden.

Ein Vorteil der oralen Therapie ist die geringere Belastung für die Patienten (und ihre Betreuer). Die Kostenträger mussten für die intravenöse Behandlung 5.939 Pfund (6.528 Euro) mehr aufwenden, wobei die Mehrkosten vor allem auf den Klinikaufenthalt zurückzuführen waren. © rme/aerzteblatt.de

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