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Ärzteschaft

Bei Augenentzündungen auch an exotische Krankheitserreger denken

Donnerstag, 1. Oktober 2020

/domaskina, stock.adobe.com

München/Berlin – In Anbetracht von Klimawandel, Migration und weltweiter Mobilität sollten Augenärzte bei entzündlichen Augenerkrankungen auch hierzulande an infektiöse Ursachen denken, die bisher fast ausschließlich in Afrika oder Asien in Frage kamen.

Darauf hat Carsten Heinz, Leitender Arzt am Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster, im Vorfeld des 118. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) hingewiesen.

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„Zusätzlich zu neu auftretenden viralen Infektionserkrankungen mit okulärer Beteiligung finden sich außerdem wieder zunehmend ehemals in den Hintergrund getretene bakteri­elle Erkrankungen wie eine Tuberkulose“, ergänzte Heinz. Unbehandelt können diese Er­krankungen Sehschäden bis hin zur Erblindung verursachen.

Die wesentliche Schwierigkeit für Augenärzte sieht Heinz im Erkennen solcher Infektio­nen. „Das Auge hat nicht viele Möglichkeiten, auf Probleme hinzuweisen“, so der Münste­raner Ophthalmologe.

Tigermücke trägt virale Infektionserreger bis nach Süddeutschland

Bei einer leichten Entzündung, unspezifischen Symptomen wie einem Druckgefühl oder einer vorübergehenden Rötung des Auges liege die Herausforderung angesichts der Sel­tenheit in hiesigen Breitengraden in der raschen Diagnose.

Neue Erreger, die eine Entzündung der Choroidea mit diesen Symptomen auslösen könn­en, sind zum Beispiel Dengue-, Chikungunga-, West-Nil- und Zika-Viren. Sie alle werden von Tigermücken übertragen, die ursprünglich in Afrika und Asien heimisch waren, auf­grund des klimatischen Wandels in Südeuropa sesshaft wurden und sich derzeit auf dem Sprung nach Süddeutschland befinden.

Betroffen von solchen viralen Augeninfektionen, die bis hin zu einer schweren Netzhaut­infektion mit dauerhaftem Verlust der Sehkraft führen können, sind bislang vor allem Rei­serückkehrer und Menschen mit Migrationshintergrund.

„Neben der Untersuchung ist daher das Gespräch mit dem Patienten, die Anamnese, ent­scheidend“, so Heinz. Betroffene, die unter solchen Beschwerden leiden, sollten den Au­genarzt über ihr Herkunftsland oder Reiseaktivitäten informieren.

Therapeutisch bestehe die Möglichkeit, die Symptome mit Kortisonpräparaten zu behan­deln, um sekundäre Schäden zu verhindern. Eine kausale Therapie oder eine prophylakti­sche Impfung stünden nicht zur Verfügung.

Chlamydien aus Afrika verursachen narbige Bindehautinfektionen

Ursache einer Augenentzündung kann aber auch eine bakterielle Infektion mit einem Chlamydientyp sein, der in Afrika vorkommt und sich in Form einer schwer vernarbenden Bindehautentzündung zeigt.

„Wird ein solches Trachom rasch erkannt, hilft eine antibiotische Therapie“, so Heinz. Doch Augenärzte in Deutschland würden mit diesen Patienten üblicherweise erst im fort­geschrittenen Stadium konfrontiert. Dann kann eine Operation erforderlich sein, um die Narben zu lösen und eine Erblindung zu verhindern.

Im Gegensatz zu den in Europa bekannten Chlamydieninfektionen geht diese Erkrankung nicht auf die Geschlechtsorgane über. Sie wird durch direkten Kontakt mit Tränenflüssig­keit übertragen, in Afrika ebenfalls durch Fliegen, die ins Auge gelangen.

Migration bringt Rückkehr der Augen-Tuberkulose

Die Lungenerkrankung Tuberkulose spielt dank verbesserter Lebens- und Hygienebedin­gun­gen kaum noch eine Rolle in Deutschland. Doch Tuberkulose kann sich in Form einer Entzündung der Uvea auch an den Augen zeigen, als tuberkuloseassoziierte Uveitis.

„Durch die Migration aus Risikogebieten, wozu auch Russland und Osteuropa zählen, se­hen die Ophthalmologen diese Augen-Tuberkulose hierzulande wieder häufiger“, be­rich­te­te Heinz. Die Erkrankung wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und führt unbehan­delt zur Erblindung.

Die Augen-Tuberkulose wird ebenso behandelt wie die Lungentuberkulose. Die zur Verfü­gung stehende antibakterielle Therapie berge allerdings aufgrund der langen Therapie­dauer und der zahlreichen unerwünschten Wirkungen insbesondere bei Patienten mit Migrationshintergrund weitere Herausforderungen.

Das Spektrum der infektiösen Augenerkrankungen hat sich durch Migration und Klima­wandel verändert, und wird sich weiter verändern, prognostizierte Heinz. Auf diese He­rausforderung müssten sich Augenärzte auch künftig einstellen. © nec/aerzteblatt.de

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