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Ärzteschaft

Ärzteverbände üben Kritik an ungleicher Impfhonorierung

Donnerstag, 1. Oktober 2020

/dpa

Berlin – Kinder- und Jugendärzte und Internisten fordern Gleichheit bei der Honorierung von Grippeimpfungen. Der Hintergrund: Der Apothekerverband Nordrhein und die AOK Rheinland/Hamburg haben ein Modellprojekt vereinbart, welches Apothekern ermöglicht, Patienten gegen Infuenza zu impfen.

Dafür sollen Apotheker 12,61 Euro erhalten, zusätzlich wird ihnen der Impfstoff erstattet. Ärzte bekamen bisher für das Impfen gegen die Grippe je nach Bundesland zwischen 7,47 Euro (Sachsen-Anhalt) und 9,43 Euro (Hessen).

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Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) wollen die unterschiedliche Honorierung nicht hinnehmen und fordern die Politik auf, schnellstmöglich die Honorare für die Grippeimpfung auch für die Ärzte anzuheben.

„Eine Grippeimpfung dauert einschließlich Vor- und Nachbereitung durchschnittlich zwölf Minuten. Legt man einen Euro pro Minute als Honorar fest, ergibt sich ein Honorar für die Grippeimpfung von 12 Euro. Dieses Geld muss die Personalkosten und sonstigen Be­triebs­kosten decken“, betonte heute BVKJ-Präsident Thomas Fischbach.

Die Ärzte bekämen nur rund zwei Drittel dieses Betrags und in vielen Bundesländern so­gar noch weniger – hätten aber weitaus höhere Kosten als die Apotheker. Zudem be­treibe man das ganze Jahr über mit hohem Zeitaufwand Impfaufklärung und werbe für das Impfen.

„Wir sind Experten für das Impfen und keine Schmalspur-Impfer, wir bilden uns und unse­re Mitarbeiterinnen kontinuierlich fort, unsere Praxen sind auf die besonderen Bedürf­nis­se der Impflinge eingerichtet. All dies muss honoriert werden. Stattdessen fließt das Geld nun in die Apotheken“, so die nachdrückliche Kritik.

Die unterschiedliche Honorierung ein- und derselben Leistung sei in keiner Weise ge­rechtfertigt, betonte auch BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck. Zudem gehöre Impfen zur Prävention und damit zur Heilkunde.

„Dafür sind wir Ärzte zuständig. Eine mehrstündige Schulung zu Impfungen, in der im Hauruckverfahren über allergische Reaktionen und andere Impf-Risiken aufgeklärt wird, ersetzt kein mehrjähriges Medizinstudium.“ © EB/aerzteblatt.de

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Avatar #826464
M.Einwag
am Freitag, 2. Oktober 2020, 09:27

Impfen in der Apotheke/In anderen Ländern

Guten Morgen RN82,
Wie ich schon schrieb, Impfen in der ärztlichen Praxis erfolgt über eine bewährte vorhandene Infrastruktur.
Die Apotheke bekommt dafür, daß sie für ein für die Allgemeinheit sinnvolles (!!!) Anliegen massiv in sinnvolle/notwendige (!!!) räumliche und personelle Infrastruktur investiert 2€ mehr!

Selbst wenn ich über die zum Impfen vorgeschriebenen Räumlichkeiten (die weit über das hinausgehen, was ich bisher in meiner Imfgeschichte an Ausstattung in ärztlichen Praxen erlebt habe) verfüge (der ohnehin vorgeschriebene Beratungsraum ist eine andere Sache), muss ich die noch massiv aufrüsten, ohne je erwarten zu können, das sich das irgendwie rechnet.

Dazu kommen neben den personellen
noch rechtliche Voraussetzungen/Anforderungen von denen letztere noch gar nicht alle geklärt sind.
Wenn sich also ein Apotheker "auf den Impfweg macht" dann aus Begeisterung für die Sache!

Will heißen: Abkühlen, Ball flach halten.
Die Zahl der impfenden Apotheken wird sehr überschaubar sein.

Um die dringend nötige schnelle (!!!!) Verbesserung der Impfquote zu erreichen müssen andere Maßnahmen her.
Wie ich schon beispielhaft aus eigenem Erleben beschrieb:
Nach erfolgter Schulung gibt es gar kein fachliches Argument.

MfG
M.Einwag
Avatar #758867
RN82
am Freitag, 2. Oktober 2020, 02:05

in anderen Ländern

Die ungleiche Honorierung finde ich nicht in Ordnung. Wohingegen ich mir auch schon in amerikanischen Apotheken meine Influenzaschutzimpfung geholt habe. Auf Arbeit spritzen sich die Registered Nurses auch gegenseitig gegen Grippe wenn indiziert durch den Arbeitgeber. Ich weiß nicht warum man hier so eine Welle darum macht? Die Leute die sich aufregen sind dann bestimmt auch diejenigen, die immer noch aspirieren beim Impfen.
Avatar #758867
RN82
am Freitag, 2. Oktober 2020, 02:02

in anderen Ländern

Also die ungleiche Honorierung finde ich auch nicht in Ordnung.
Avatar #758867
RN82
am Freitag, 2. Oktober 2020, 02:02

in anderen Ländern

Also die ungleiche Honorierung finde ich auch nicht in Ordnung.
Avatar #758867
RN82
am Freitag, 2. Oktober 2020, 02:02

in anderen Ländern

Also die ungleiche Honorierung finde ich auch nicht in Ordnung.
Avatar #841728
Einwag
am Donnerstag, 1. Oktober 2020, 22:39

Impfen in der Apotheke

Sehr geehrter Herr Dr. Schätzler,
Meine Impfungen der letzten Jahre liefen so:
Man wird in's Praxislabor gebeten und setzt sich auf einen Stuhl. Die Arzthelferin fragt: Haben Sie ihre Impfungen bisher vertragen? Ja? Einmal sprühen auf den Arm, sofort abwischen, Stechen, Pflaster drauf, fertig. Setzen sie sich bitte noch 5 min in's Wartezimmer.
Dauer max 6Min. Keinen Arzt gesehen.

Meinen sie nicht, das ich als Apotheker das mit allen nötigen Impfungen versehen, mit den vorgeschriebenen Schulungen, in einem extra dafür vorgeschriebenen Raum mit Liege und Sitzgelegenheit, umfangreicher Dokumentation etcpp (theoretisch) auch kann? Die Ihnen nächstgelegene Apotheke hat (verpflichtend!! auch jetzt schon) einen geschützen Beratungsereich/ Raum. Fragen Sie nach!

Im übrigen ist Impfen keine Heilkunde dann dürften wir es nicht.

Für Ärzte ist Impfen ein Zusatzgeschäft mit vorhandenem Personal und Räumlichkeiten, für die Apotheke bedeutet die Bereitschaft dazu, massiven zusätzlichen Aufwand, inklussive unklarer versicherungstechnischer Fragen.

Das Ziel einer besseren Impfquote durch ein möglichst niederschelliges Angebot muss man anders versuchen zu erreichen.
Aber mit fehlender Qualifikation hat das gar nichts zu tun.
MfG
Michael Einwag
Apotheker für Offizinpharmazie und Gesundheitsberatung
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 1. Oktober 2020, 20:07

Und...

...für eventuelle Risiken, Komplikationen und Neben-/Nachwirkungen sind dann mal wieder die doofen Hausärztinnen/Hausärzte zuständig. Im Zweifel holt die Apotheke sie auch noch aus ihrer vollen Sprechstunde? Eine verwirrende Schnapsidee zur Impfskeptiker-Förderung!

Gipfel ist jedoch, dass je Impfung teilnehmende Apotheker netto 12,61 Euro erhalten sollen. Hinzu kommt noch ein Aufschlag auf den Einkaufspreis. Der Virchowbund bezeichnete dies als „Schlag ins Gesicht der niedergelassenen Ärzte“. Eine in Vertragsarztpraxen erfolgende Influenza-Impfung sei „gerade einmal 7,71 Euro ‚wert’...

Ein Skandal ersten Ranges! Und falls es die AOK nicht verstanden hat: Gleiche Vergütung für gleiche Leistung!

Im Übrigen: Apotheken haben keine "manpower" zum Impfen! Es fehlt an Heilkundeerlaubnis, Qualifikation, Logistik, Räumlichkeiten (oder wollen Sie bei laufendem Offizin-Betrieb coram publico geimpft werden?), Patientendokumentation, Ausstattung und Hintergrundwissen.

Im Gegensatz zu Apotheken liegt bei unseren Patientinnen und Patienten in haus- und familienärztlichen Vertragsarzt-Praxen eine vollständige, EDV-gestützte medizinische Dokumentation für alle Eventualitäten (Nebenwirkungen, Interaktionen, Risiken, Kontraindikationen) vor. Im Zusammenhang mit Impf-Präventionsleistungen können weitere Gesundheits- und Krankheitsfragen angesprochen und gelöst werden.

Eine Steigerung der Impfraten ist beim politisch perfide geplanten Verdrängungs- und Konkurrenz-Wettbewerb zwischen Arzt und Apotheker auszuschließen: Je mehr Apotheken impfen, desto geringer ist die Anzahl der Grippe-Impfungen in den Arztpraxen.

Wenn der Gesetzgeber plant, auch eine (in Deutschland gar nicht lieferbare) Masernimpfung als abgeschwächte Lebendimpfung in Apotheken zuzulassen, sind haftungsrechtliche Folgen unabsehbar, wenn etwas schief geht.

Der Gesetzgeber muss endlich aufhören, unsere Heilkundeerlaubnis weiter zu relativieren!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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