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Politik

Spahn erwartet zentrale Coronaimpfungen in Messehallen

Donnerstag, 1. Oktober 2020

/picture alliance, TASS, Vyacheslav Prokofyev

Berlin – Beschäftigte des Gesundheitswesens, Ältere und Kranke könnten in Deutschland als Erste zentral in Messehallen gegen eine Coronainfektion geimpft werden, wenn es eine Impfung gibt. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sagte heute in Berlin, er glaube, dass am Anfang in Impfzentren gestartet werden müsse. „Das sind aus meiner Sicht eher keine Turnhallen, sondern eher Messehallen“, sagte Spahn. „Da sind wir jetzt in der Diskussion auch mit den Ländern.“

Da es wohl anfangs nicht für alle Menschen Impfstoffe gebe, entstehe voraussichtlich die Notwendigkeit einer Priorisierung, sagte Spahn. Zur Frage, wer zuerst geimpft wird, nann­te er als Beispiele die Beschäftigten des Gesundheitswesens oder bestimmte Risiko­grupp­en.

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Zu den Kriterien einer solchen Prioritätensetzung habe er den Deutschen Ethikrat, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die am Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission um Vorschläge bis Ende Oktober gebeten.

Zu Personengruppen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf haben, zählt das RKI unter anderem Ältere ab 50 bis 60 Jahren, Menschen mit Herzkreislauferkrankungen, mit Diabetes oder Erkrankungen des Atmungssystems sowie Patienten mit unterdrücktem Immunsystem – vor allem wenn mehrere dieser Merkmale gemeinsam zutreffen.

Zuletzt hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dafür plädiert, dass Lehrer zu den Ersten gehören, denen eine Impfung angeboten werde. Spahn hatte in einem In­ter­view Mitte September gesagt: „Ich bin optimistisch, dass wir nach einigen Monaten genügend Impfstoff für alle haben.“

Als weiteren Grund dafür, dass wahrscheinlich große Impfzentren eingerichtet werden, nannte Spahn die Beschaffenheit der erwarteten Stoffe. „Die Impfstoffe werden wahr­schein­lich (...) bei Minusgraden – und zwar nicht bei minus 2, sondern eher bei minus 20 bis minus 70 Grad – transportiert werden und gelagert werden müssen. Sie werden wahr­scheinlich in größeren Gebinden kommen.“

Spahn nannte „Dezember, Januar, Februar, März“ als möglichen Zeitraum. Das RKI hatte bereits Ende August die Erwartung mitgeteilt, „dass bis Anfang 2021 ein oder mehrere COVID-19-Impfstoff(e) in der Europäischen Union zugelassen und erste Produktions­char­gen verteilt und vertrieben werden könnten“. Bisher ist kein Impfstoffkandidat abschlie­ßend getestet und zugelassen. Bei den verschiedenen Herstellern ist der Stand sehr unterschiedlich.

Der Minister sprach sich dafür aus, die Impfstoffe aus Steuermitteln zu finanzieren. Denn unnötig aufwendig wäre es, stattdessen zunächst eine unterschiedliche Bezahlung etwa für gesetzlich und privat Krankenversicherte zu organisieren – vor allem wenn die Ausga­ben hinterher ohnehin über einen höheren Bundeszuschuss ausglichen würden. Corona­impfstoffe könnten nach Aussagen des Europäischen Pharmaverbands (EFPIA) pro Einheit zwischen 5 und 15 Euro kosten.

Spahn sprach sich weiter dafür aus, die Kosten für die Infrastruktur der Massenimpfungen zwischen öffentlichem Gesundheitsdienst und Krankenkassen aufzuteilen. Deutsche Alleingänge bei den weltweit herbeigesehnten Impfstoffen lehnte Spahn ab. So wären etwa Verträge mit Herstellern von Deutschland oder auch Frankreich alleine nicht „europäisch gedacht“.

„Wir verhandeln für alle 27“, sagte er mit Blick auf die EU-Mitgliedstaaten. Ferner würden „internationale Anstrengungen“ unterstützt. Laut EFPIA würden knapp acht Milliarden Impfdosen zur Impfung der Hälfte der Weltbevölkerung benötigt. Der Verband geht von zwei nötigen Impfungen pro Person aus. Die globale Kapazität zur Herstellung aller Impfstoffe liegt demnach bei fünf Milliarden Dosen pro Jahr.

Sicherheit hat laut Spahn obere Priorität. „Wir verlangen Phase-3-Studien“, bekräftigte er. Dabei werden Wirkstoffe an vielen Menschen erprobt. „Dieser Impfstoff braucht sehr ho­hes Vertrauen.“ Eine Impfpflicht lehnte Spahn erneut ab: „Nein, es wird ein Impfan­gebot.“ © dpa/bee/aerzteblatt.de

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