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Medizin

Studie: Zyklusstörungen könnten bei Frauen das Leben verkürzen

Mittwoch, 14. Oktober 2020

/Alliance, stock.adobe.com

Boston – Frauen mit unregelmäßigen oder langen Menstruationszyklen im Jugend- und Erwachsenenalter haben nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2020; DOI: 10.1136/bmj.m3464) ein höheres Risiko auf einen vorzeitigen Tod. Rauchen könnte das Sterberisiko weiter erhöhen.

Eine regelmäßige Menstruation ist eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit von Frauen im gebärfähigen Alter. Unregelmäßige oder lange Zyklen weisen auf hormonelle Störungen hin, die häufig die Hypothalamus-Hypophysen-Eierstock-Achse betreffen. Wegen der vielfältigen Einflüsse der beteiligten Hormone kann es zu Stoffwechsel­störungen kommen.

Das klassische Beispiel ist das polyzystische Ovar-Syndrom, das mit einer gesteigerten Androgenbildung und einer ovariellen Dysfunktion einhergeht. Frauen mit PCOS haben ein höheres Risiko auf einen Typ-2-Diabetes und Dyslipidämien. Sie erkranken häufiger an einer nicht-alkoholischen Fettleber und an Gerinnungsstörungen, und ihr Herz-Kreislauf-Risiko ist erhöht. Ähnliche Assoziationen wurden in epidemiologischen Studien auch generell für Frauen mit Zyklusstörungen gefunden.

Ein Team um Jorge Chavarro von der T.H. Chan School of Public Health in Boston hat jetzt die Auswirkungen der Zyklusstörungen auf einen vorzeitigen Tod untersucht, für den die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) eine Altersgrenze von 70 Jahren definiert hat. Die Epidemiologen haben dazu die Daten der Nurses’ Health Study II ausgewertet.

Zu Beginn der Studie im Jahr 1989 waren die Teilnehmerinnen auch nach Zyklus­störungen befragt worden. Von 79.505 Frauen, die damals im Durchschnitt 37,7 Jahre alt und ohne kardiometabolische Vorerkrankungen waren, sind inzwischen 1.975 vor dem 70. Lebensjahr gestorben, darunter 894 an Krebs und 172 an Herz-Kreislauf-Erkran­kungen.

Die Analyse zeigt, dass verschiedene Zyklusstörungen mit einer vorzeitigen Mortalität assoziiert waren. Am höchsten war das Sterberisiko für Frauen, die dauerhaft einen unregelmäßigen Zyklus hatten oder amenorrhoisch waren. Chavarro ermittelt hier nach Berücksichtigung anderer potenzieller Einflussfaktoren wie Alter, Gewicht, Lebensstil und Familienanamnese in den unterschiedlichen Altersgruppen Hazard Ratios von 1,18 bis 1,39, die sämtlich statistisch signifikant waren.

Ähnlich ausgeprägt war der Einfluss von häufigen Zyklusstörungen ohne Amenorrhoe. Die adjustierten Hazard Ratios lagen hier zwischen 1,10 und 1,35, erreichten aber nicht in allen Altersgruppen das Signifikanzniveau.

Auch die Zykluslänge beeinflusst das vorzeitige Sterberisiko. Die adjustierten Hazard Ratios lagen für Frauen, die nur alle 40 Tage oder noch seltener ihre Periode hatten, zwischen 1,34 und 1,40. Optimal war eine Zykluslänge von 26 bis 31 Tagen.

Die Assoziationen mit einem vorzeitigen Herz-Kreislauf-Tod waren ausgeprägter als mit Todesfällen an Krebs oder anderen Ursachen. Rauchen verstärkte den Einfluss etwas. Bei jüngeren Frauen war auch die Einnahme von oralen Kontrazeptiva mit einem erhöhten vorzeitigen Sterberisiko verbunden.

Chavarro vermutet, dass die Verordnung der Hormone zur Korrektur von Zyklusstörungen eine Rolle spielt. Dann wäre die Zyklusstörung und nicht die „Pille“ für das Sterberisiko verantwortlich.

Wie immer in epidemiologischen Studien ist eine Assoziation nicht gleichbedeutend mit einer Kausalität. Obwohl die Nurses’ Health Study II Daten zu vielen Begleitfaktoren und auch den Lebensstil erfragt hat, besteht die Möglichkeit, dass andere Ursachen über­sehen wurden.

Eine Kausalität wird jedoch durch eine Vielzahl von Studien gestützt, die hormonelle Störungen mit kardiovaskulären Risikofaktoren in Verbindung gebracht haben. Dies gilt insbesondere für Frauen mit einem polyzystischen Ovar-Syndrom. Zyklusstörungen sollten deshalb für Frauenärzte immer ein Anlass sein, nach möglichen Auslösern zu suchen. © rme/aerzteblatt.de

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