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Politik

Kliniken wehren sich gegen Ausweitung der Pflegepersonal­untergrenzen

Freitag, 2. Oktober 2020

/spotmatikphoto, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert die geplante Ausweitung der Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG) auf weitere Fachrichtungen. Das wiederum stößt auf Unverständnis bei den Krankenkassen.

Gestern war bekannt geworden, dass das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ab Januar 2021 PPUG in vier weiteren stationären Bereichen einführen will: der Inneren Medizin, der Allgemeinen Chirurgie, der Pädiatrie und der pädiatrischen Intensivmedizin.

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Der DKG zufolge wird mit der vorgelegten Verordnung die Chance vertan, eine sachge­rech­te und am Patientenwohl orientierte Personalbemessung in Krankenhäusern einzu­führen. Die nun vorgesehene Ausweitung sei in dieser Phase absolut unverständlich.

„Bis vor wenigen Wochen waren die schon bestehenden Untergrenzen noch ausgesetzt, damit sich die Krankenhäuser in der Pandemie mit allen verfügbaren Kräften ohne büro­kratische Vorgaben auf ihren Versorgungsauftrag konzentrieren konnten“, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

Und die Lage werde von Tag zu Tag problematischer. „Jetzt auch noch eine Ausweitung der PPUG, insbesondere auf die Innere Medizin und damit fast das ganze Krankenhaus mit Untergrenzen zu belegen, steht in einem absoluten Widerspruch zur Pandemielage“, so Gaß.

Er verwies auf das Pflegepersonalbemessungsinstrument PPR 2.0. Damit läge dem BMG seit Monaten ein besseres, unbürokratischeres Instrument vor. Leider gebe es im Ministe­rium keinerlei Bewegung, dieses Instrument gesetzlich umzusetzen.

„Wozu haben in der Konzertierten Aktion Pflege eine Vielzahl an Organisationen mit meh­reren Ministerien über Monate zusammengearbeitet, wenn das dort beauftragte Ins­trument zur Personalbemessung anschließend vom Minister schlicht ignoriert wird?“, fragte der DKG-Präsident.

Die Untergrenzen seien ein von Misstrauen geprägtes starres Instrument, das weder den Patienten noch den Pflegekräften helfe. Der tatsächliche am Patienten orientierte Pflege­be­darf werde durch die PPUG nicht berücksichtigt.

„Richtiger wäre, die Untergrenze weiterhin auszusetzen und nicht unter absolut unsiche­ren Pandemiebedingungen neue einzusetzen“, betonte Gaß. Es gebe keinen Grund den Krankenhäusern die eigenverantwortliche Personalbesetzung in Abrede zu stellen.

Der GKV-Spitzenverband hat wenig Verständnis dafür, dass sich die Krankenhäuser sperr­en. „Einer Pflegekraft, die heute Nacht alleine auf Station ist oder einer Patientin, die jetzt zu wenig Pflege bekommt, nützt es nichts, dass die Deutsche Krankenhausgesell­schaft in Zukunft alles besser machen will“, monierte Sprecher Florian Lanz. Es brauche sofort verlässliche Mindeststandards.

Gleichzeitig müsse daran gearbeitet werden, die Bedingungen für die Pflege am Kranken­hausbett zu verbessern. PPUG defi­nierten nicht gute Pflege, sondern lediglich einen Min­deststandard, um Patientenge­fähr­dung zu verhindern, so Lanz. Es sei „unverständlich“, dass sich die DKG mit Händen und Füßen gegen ein verlässliches Mindestmaß an Pflege­k­räften am Krankenbett wehre. © hil/sb/may/aerzteblatt.de

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