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Medizin

Proteinablagerungen im Gehirn möglicherweise Risikofaktor für vaskuläre Demenz

Mittwoch, 14. Oktober 2020

/Juan Gärtner, stock.adobe.com

Tübingen – Ablagerungen eines Proteins namens „Medin“ verringern die Elastizität von Blutgefäßen und sind daher ein Risikofaktor für vaskuläre Demenz. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) an der Universität Tübingen in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (DOI: 10.1073/pnas.2011133117).

Laut den Forschern weisen nahezu alle Menschen ab dem Alter von 50 Jahren in den Wänden ihrer Blutgefäße winzige Klumpen des Proteins Medin auf. „Diese Ablagerungen sind offenbar eine Begleiterscheinung des Alterungsprozesses. Man findet sie vorwiegend in der Aorta und anderen Blutgefäßen des Oberkörpers, einschließlich des Gehirns“, erläuterte Jonas Neher, Leiter der Studie und Wissenschaftler am DZNE-Standort Tübingen und am HIH.

Medin gilt als problematisch, denn es zählt zu den „Amyloiden“, einer Gruppe von Mole­külen, die häufig mit krankhaften Vorgängen einhergehen, zum Beispiel bei der Alzhei­mer­-Erkrankung. Allerdings gab es laut den Forschern trotz verschiedener Verdachts­momente bislang keine klaren Belege dafür, dass die Eiweißklumpen tatsächlich schädlich sind. Dem Team um Neher gelang nun zunächst der Nachweis, dass auch Mäuse mit dem Alter Medin-Ablagerungen ausbilden.

„Wir haben dann untersucht, wie schnell sich Blutgefäße des Gehirns ausdehnen können. Dazu haben wir normale Mäuse mit solchen verglichen, die genetisch bedingt kein Medin herstellen und daher auch keine Medin-Ablagerungen entwickeln“, so Neher.

Am Menschen seien solche Studien schwer durchführbar, meint er: „Fast alle älteren Erwachsenen haben Medin-Aggregate. Deshalb gibt es kaum Möglichkeiten, annähernd gleichaltrige Personen mit und ohne Aggregate zu vergleichen“, so der Wissenschaftler.
Die Arbeitsgruppe stellte fest, dass sich Gefäße mit Medin-Ablagerungen langsamer ausdehnen als solche ohne Medin, wenn das Gehirn aktiv wird und mehr Blutzufuhr benötigt.

„Hirngefäße mit Medin scheinen weniger elastisch zu sein und reagieren deswegen träger“, hieß es aus der Gruppe. Die Fähigkeit der Gefäße, sich rasch auszuweiten, sei jedoch wichtig, um den Blutfluss zu regulieren und das Gehirn optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Medin-Ablagerungen scheinen also dazu beizutragen, dass im höheren Alter die Blutgefäße schlechter funktionieren.

„Und das ist wahrscheinlich nicht nur im Gehirn so, denn die Ablagerungen treten ja auch in anderen Blutgefäßen des Körpers auf und könnten somit nicht nur zur vaskulären Demenz sondern auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen“, so die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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