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Medizin

Studie: Frühe HPV-Impfung könnte häufiger vor Zervixkarzinom schützen

Montag, 12. Oktober 2020

/dpa

Stockholm – Weibliche Teenager, die sich vor dem 17. Lebensjahr an einer Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) impfen ließen, erkrankten in einer landesweiten Kohorten­studie aus Schweden bis zum 30. Lebensjahr zu fast 90 % seltener an einem Zervix­karzinom. Bei älteren Frauen war die Schutzwirkung laut der Publikation im New England Journal of Medicine (NEJM, 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa1917338) geringer.

Schweden gehörte 2007 zu den ersten Ländern, die eine HPV-Impfung in den Katalog der staatlichen Gesundheitsangebote aufnahmen. Zunächst konnten nur weibliche Teenager (13 bis 17 Jahre) kostenlos den quadrivalenten Impfstoff erhalten, der vor den onkogenen HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 schützt. Später wurde ein Catch-Up-Programm für Frauen im jüngeren Erwachsenenalter eingeführt.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die HPV-Impfung die Zahl der Genitalwarzen und der histologisch bestätigten zervikalen intraepithelialen Neoplasien vom Grad 2 (CIN2+) und Grad 3 (CIN3+) senkt: Beides sind Präkanzerosen des Zervixkarzinoms, wobei sich CIN2+-Läsionen häufig spontan zurückbilden, was bei CIN3+ nur noch selten der Fall ist (weshalb sie in der Regel behandelt werden).

Bislang fehlte der Beweis, dass auch die Zahl der Zervixkarzinome zurückgeht. Wegen der langen Latenz zwischen einer Infektion und der Krebsentwicklung, lässt sich der Nach­weis kaum durch randomisierte Studien erbringen, die über ein Jahrzehnt oder länger an einer größeren Gruppe durchgeführt werden müssten.

Die zweitbeste Wahl einer Beweisführung sind epidemiologische Studien, die die Häufig­keit von geimpften und nicht geimpften Frauen über einen längeren Zeitraum beobachten. Dies ist in Schweden wegen der zentralen Personalnummer, die in allen Registern verwendet wird, leicht möglich.

Jiayao Lei vom Karolinska Institut in Stockholm und Mitarbeitern standen gleich 3 Register zur Verfügung, die HPV-Impfungen erfassen. Neben dem Nationalen Register für Impfungen im Kindesalter und dem Register für verordnete Medikamente (zu denen auch Impfstoffe zählen) gibt es seit 2007 auch ein spezielles HPV-Impfregister, wo die Teil­nahme allerdings freiwillig ist.

Die Chance, dass die Forscher alle Impfungen ermitteln konnten, ist deshalb sehr hoch. Von 1.672.983 Mädchen und Frauen haben sich nach den Recherchen von Lei 527.871 gegen HPV impfen lassen, davon 438.939 vor dem 17. Lebensjahr.

Von den geimpften Frauen sind bisher 19 dem nationalen Krebsregister gemeldet worden (Inzidenzrate 0,73/100.000 Personenjahre). Darunter waren nur 2 Frauen, die als Teen­ager vor dem 17. Lebensjahr geimpft worden waren (Inzidenzrate 0,10/100.000 Personenjahre).

Von den 1.145.112 nicht geimpften Mädchen und Frauen sind dagegen 538 an einem Zervixkarzinom erkrankt (Inzidenzrate 5,27/100.000 Personenjahre).

Diese Rohdaten deuten auf eine deutliche Schutzwirkung hin. Lei ermittelt eine alters-adjustierte relative Inzidenzrate (IRR) für die geimpften Frauen von 0,51, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,32 bis 0,82 signifikant war. Danach würden geimpfte Frauen nur etwa halb so häufig an einem Zervixkarzinom erkranken.

Bei den Frauen, die sich bereits als Teenager vor dem 17. Lebensjahr impfen ließen, betrug die IRR sogar 0,19 (0,05 bis 0,75), was einer Senkung des Krebsrisikos um 81 % entspricht.

Es lässt sich allerdings in epidemiologischen Studien nicht ausschließen, dass sich Teenager, die ein geringeres Infektionsrisiko haben, häufiger impfen ließen. HPV ist eine sexuell übertragbare (und damit durch einen geschützten Geschlechtsverkehr vermeidbare) Infektion. Frauen, die gesundheitsbewusst sind und sich impfen lassen, sind vielleicht auch bei ihren Sexualkontakten vorsichtiger. Sie nehmen vielleicht auch häufiger am Screening teil, bei dem die meisten Krebserkrankungen im jüngeren Lebensalter gefunden wurden.

Lei hat versucht, möglichst viele Verzerrungen auszuschließen, indem sie bei der Analyse andere verfügbare Daten berücksichtigt hat. Dazu gehörten das Geburtsland der Mutter, das Bildungsniveau der Eltern, das jährliche Haushaltseinkommen und die Erkrankungen der Mutter an CIN3+ oder Zervixkarzinom.

Diese erweiterte adjustierte Analyse hat die Assoziationen nicht abgeschwächt, sondern sogar noch verstärkt. Für alle geimpften Frauen ermittelt Lei eine IRR von 0,37 (0,21 bis 0,57). Für die Frauen, die sich vor dem 17. Lebensjahr impfen ließen, betrug die IRR 0,12 (0,00 bis 0,34).

Dass eine frühzeitige Impfung die Schutzwirkung verstärkt, entspricht den Vorhersagen der Experten, nach denen die Impfung vor der Aufnahme von sexuellen Kontakten (und damit einer potenziellen Infektion) am effektivsten ist.

Die Studie zeigt aber auch, dass die Impfung keinen 100 prozentigen Schutz bietet. Dies ist schon allein deshalb nicht möglich, weil die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 zwar die wichtigsten, aber nicht die einzigen der über hundert HPV-Typen sind, die Krebs auslösen können. Allen geimpften Frauen wird deshalb weiterhin zur Teilnahme an der Krebsvor­sorge geraten. © rme/aerzteblatt.de

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