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Ärzteschaft

Labore erwarten Entlastung durch Antigentests

Dienstag, 6. Oktober 2020

/picture alliance, ZUMAPRESS.com, Lorenzo Carnero

Berlin – Angesichts der hohen Auslastung der PCR-Kapazitäten warten die Labore „dringend“ auf die Einführung von Antigentests. Diese müssten aber von medizinischem Personal durchgeführt werden. Bis die Antigentests validiert und verfügbar seien, würden die Kapazitäten allerdings ausreichen, teilte der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) auf einer heutigen Pressekonferenz mit.

Ärztinnen und Ärzte bräuchten „zunächst Klarheit darüber, ob, wie und in welchen Situa­tionen die SARS-CoV-2-Antigentests sinnvoll und im Sinne der Pandemieeindämmung wirksam eingesetzt werden können“, sagte der ALM-Vorstandsvorsitzende, Michael Müller.

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Um das festzustellen würden aktuell vergleichende Untersuchungen von PCR- und Antigentests beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) anhand von Kriterien des Robert Koch-Instituts (RKI) durchgeführt.

Für einen flächendeckenden Einsatz von Antigentests müsse geklärt werden, „welches Maß an geringerer Sensitivität und Spezifität im Vergleich zum Goldstandard PCR-Test akzeptiert werden kann“, erläutert ALM-Vorstandsmitglied Jan Kramer. Die Spezifität beider Test­methoden sei im Labor in etwa ähnlich, so der Labormediziner und Internist.

Die Qualität von selbst durchzuführenden Antigen-Heimtests würde hingegen deutlich hinter der von Antigentests in Laboren zurückfallen, so ALM-Vorstandsmitglied Evangelos Kotsopoulos. Die neuen Tests gehörten daher in die Hände von medizinischem Personal.
In einem Referentenentwurf hatte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Antigentests bereits in seine erweiterte bundesweite Teststrategie aufgenommen.

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Rechtsverordnung nur dann auch gut in der Praxis umgesetzt werden kann, wenn diese klar und gut verständlich an alle Beteiligten und Betroffen kommuniziert wird“, sagte Kotsopoulos. Überschneidungen mit landesspezi­fischen Regelungen würden dies erschweren.

Testkapazitäten weiter gesteigert

Die PCR-Kapazitäten wären seit Februar in etwa um das elffache gesteigert worden und auch weiterhin würden neue Testsysteme in Betrieb genommen. So konnte die bundes­weite Kapazität nun auf mehr als 1,3 Millionen wöchentlichen PCR-Tests gesteigert werden. Mit mehr als einer Million wöchentlich durchgeführten Tests seien die Labore zuletzt im Durchschnitt zu rund 80 Prozent ausgelastet gewesen.

Regional sei die Kapazitätsgrenze zeitweise überschritten worden. Der so entstandene Rückstau an Tests belaufe sich aber auf weniger als ein Prozent (0,8 Prozent) und betreffe vornehmlich Proben, die erst am Wochenende in den Laboren eingegangen waren, erklärte Kotsopoulos.

Auch wenn die Antigentests noch auf sich warten ließen, gebe es „keine Bedenken, dass das Testsystem kollabiert“, meinte er. „Wir hoffen aber, dass wir mit diagnostisch wirklich guten Antigentests die PCR-Testkapazitäten noch weiter entlasten können“, sagte dazu Vorstand Kramer. © jff/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 6. Oktober 2020, 23:01

Bei der Einführung von Antigentesten

ist allerdings auch eine Überarbeitung der nationalen Teststrategie erforderlich. Die bisherige Strategie gilt seit dem 30.06.20.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Teststrategie/Nat-Teststrat.html

Vor der Einführung dieser Antigenteste sollten mehrere Fragen geklärt werden:
1. Wo liegt die Nachweisgrenze im Vergleich zur PCR?
2. Wie störanfällig sind diese Teste gegenüber Fehlern bei der Probennahme?
3. Wie zuverlässig sind diese Teste bei asymptomatischen Personen und wie zuverlässig sind diese Teste bei Personen mit einem frischen respiratorischem Infekt (Symptombeginn innerhalb der letzten 24h) beim Ausschluß einer Sars-Cov-2 Infektion?

Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann entschieden werden, bei welchen Indikationen diese Antigenteste einsetzbar sind und welche Konsequenzen dies für Hygiene- und Quarantänemaßnahmen hat. Diese Überlegungen sind alles andere als trivial, wie der Beitrag zu diesem Thema im Epidemiologischen Bulletin vom 24.09.2020 zeigt:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/39_20.pdf
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