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Medizin

COVID-19: Lopinavir/Ritonavir auch in der RECOVERY-Studie ohne Wirkung

Mittwoch, 7. Oktober 2020

/mehmet, stock.adobhe.com

Oxford – Das aus der HIV-Therapie bekannte Virustatikum Lopinavir (mit dem Booster Ritonavir), das auch die Protease von Coronaviren hemmt, hat sich erneut in einer randomisierten Studie als unwirksam erwiesen.

In der britischen RECOVERY-Studie konnte nach den jetzt im Lancet (2020; DOI:10.1016/S0140-6736(20)32013-4) publizierten Ergebnissen weder die Sterblichkeit von COVID-19-Patienten gesenkt werden, noch war in irgendeinem der sekundären Endpunkte ein Vorteil erkennbar.

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Bereits im März hatten chinesische Mediziner enttäuschende Ergebnisse einer randomisierten Studie vorgestellt. Die Mediziner der Jin Yin Tan-Klinik in Wuhan hatten bis Anfang Februar 199 Patienten auf eine Behandlung mit Lopinavir/Ritonavir oder Placebo randomisiert.

Die im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2001282) publi­zierten Ergebnisse zeigten jedoch keine eindeutige Wirkung. Die 28-Tages-Sterblichkeit, ein sekundärer Endpunkt der Studie, wurde zwar von 25,0 % in der Placebogruppe auf 19,2 % gesenkt. Die Differenz war jedoch statistisch nicht signifikant. Es blieb aber die Hoffnung, dass eine größere Studie die Wirksamkeit beweisen könnte.

Die Behandlung mit Lopinavir/Ritonavir wurde aus dieser Erwartung heraus auch in die RECOVERY-Studie aufgenommen, die insgesamt 8 verschiedene Optionen untersucht (von denen eine, die Behandlung mit Dexamethason, sich als wirksam erwiesen hat, während Hydroxychloroquin gescheitert ist).

Mit den jetzt von einem Team um Martin Landray von der Universität Oxford vorge­stellten Ergebnissen müssen die Hoffnungen für Lopinavir/Ritonavir begraben werden. Zwischen dem 19. März und dem 29. Juni 2020 waren 1.616 Patienten in der RECOVERY-Studie mit Lopinavir/Ritonavir behandelt worden, während 3.424 Patienten allein die übliche Behandlung erhielten. Die Behandlungsdauer betrug 10 Tage (oder bis zur Entlassung). Die Dosis war 2 Mal täglich 400 mg Lopinavir plus 100 mg Ritonavir.

Der primäre Endpunkt war die 28-Tage-Gesamtmortalität. Er trat in der Gruppe, die mit Lopinavir/Ritonavir behandelt wurde, bei 374 von 1.616 Patienten auf (23 %). In der Vergleichsgruppe starben 767 von 3.424 Patienten (22 %). Dies ergibt eine Rate Ratio von 1,03, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,91 bis 1,17 nicht signifikant war. Die zahlreichen Subgruppen-Analysen lieferten keine Hinweise, dass das Mittel in bestimmten Subgruppen vorteilhaft sein könnte. © rme/aerzteblatt.de

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