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Ausland

Johnson verteidigt Coronapolitik und kündigt grüne Investitionen an

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Boris Johnson /picture alliance, PA Wire, Leon Neal

London – Trotz steigender Infektionszahlen hat der britische Premierminister Boris John­son seinen Umgang mit der Coronapandemie verteidigt. „Diese Regierung arbeitet Tag und Nacht daran, dieses Virus abzuwehren“, sagte Johnson gestern auf dem Online­par­teitag seiner Tory-Partei.

Die Einschränkungen des Alltags seien alternativlos. Seine Regierung steht in der Kritik, die Kontrolle über die Pandemie verloren zu haben. Weil mehr als 15.000 positive Coro­na­tests in der vergangenen Woche nicht richtig übermittelt wurden, wurden Zehntausen­de Kontakte nicht benachrichtigt. Die Behörden versuchen derzeit, dieses Versäumnis auf­zuholen.

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Johnson ließ diese Panne auf dem online abgehaltenen Parteitag unkommentiert, obwohl die Coronalage sich täglich zuspitzt: Die Fallzahlen steigen massiv an, besonders der Nord­osten Englands hat sich zu einem Hotspot entwickelt. Mit Blick auf die Todesfälle gehört Großbritannien bereits zu den am schlimmsten von der Krise betroffenen Länder in Europa. Gestern meldeten die Behörden mehr als 14.500 Neuinfektionen und damit rund 2.000 mehr als am Tag zuvor.

Johnson konzentrierte sich in seiner Rede jedoch auf die Zukunft statt auf die Gegenwart. „Ereignisse dieses Ausmaßes sind Auslöser für sozialen und ökonomischen Wandel“, sagte er und kündigte weitreichende Investitionen ins Gesundheitssystem und in die Energie­wende an. Bis zum Jahr 2030 sollen demnach alle Haushalte in Großbritannien mit Strom aus Offshore-Windparks versorgt werden.

Die Coronapandemie solle als Katalysator für saubere Energie genutzt werden. Dadurch könnten „Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Stellen“ in den nächsten zehn Jah­ren geschaffen werden. „Was das Öl für Saudi-Arabien ist, ist der Wind für Großbritan­nien.“ In früheren Jahren hatte sich Johnson sehr kritisch über Windparks geäußert: Sie sei­en „nicht in der Lage, die Haut von einem Milchreis abzuziehen“, sagte er 2013 in einem Interview.

Großbritannien war in den vergangenen Monaten auch wegen seiner Klimapolitik in die Kritik geraten, weil die Regierung noch keinen detaillierten Plan vorgelegt hatte, wie sie ihre Klimaziele bis 2050 erreichen will. Gemeinsam mit den Vereinten Nationen hat Groß­britannien zu einem Onlineklimatreffen im Dezember eingeladen. Dieses soll den Weg für die große UN-Klimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow bereiten, die wegen der Coronakrise auf November 2021 verschoben wurde.

Emissionen beschäftigten erst kürzlich auch den britischen Gesundheitsdienst. Das Natio­nal Health System (NHS) erklärte Anfang Oktober, emissionsfrei und damit klimaneutral werden zu wollen. Damit ist das NHS weltweit das erste staatliche Gesundheitswesen mit diesem Ziel.

Bis 2028 sollen seine Emissionen (in CO2-Äquivalenten) bereits um 80 Prozent reduziert werden (endgültig 2040), im Jahr 2045 auch alle Zulieferer einbezogen werden. Vor­gesehen sind auch verschärfte Vorgaben für Klinikneubauten. Die ersten Krankenwagen sollen schon 2022 emissionsfrei sein.

Das Jahr 2020 sei akut völlig von COVID-19 dominiert, erklärte NHS-Chef Sir Simon Ste­vens. „Aber der Klimawandel stellt die größte anhaltende Bedrohung der Gesundheit dar.“

Nick Watts, langjährig federführend beim internationalen Lancet Countdown, einer jährli­chen Bestandsaufnahme der gesundheitlichen Aspekte des Klimawandels, und Leiter des NHS-Net-Zero-Teams, betonte, wie wichtig es sei, dass auch das Gesundheitssystem sei­nen Teil zur Eindämmung des Klimawandels leiste. © dpa/aerzteblatt.de

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