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Medizin

Neurofeed­back-Training könnte das Erinnerungsvermögen langfristig verbessern

Donnerstag, 22. Oktober 2020

/dpa

Saarbrücken – Die Aktivität der sogenannten Theta-Wellen im Gehirn lässt sich mittels eines Neurofeedback-Trainings gezielt steigern. Zudem kann ein mehrtägiges Training von Theta-Wellen das Erinnerungsvermögen von Testpersonen langfristig verbessern. Das berichten Wissenschaftler der Arbeitseinheit Experimentelle Neuropsychologie im Fachmagazin NeuroImage (DOI: 10.1016/j.neuroimage.2020.117219).

Theta-Wellen sind langsame Hirnstromwellen mit einer Frequenz von 4 bis 8 Hertz. Sie werden meist mit einem „entspannten Wachzustand“ in Verbindung gebracht. Die Wissen­schaftler um Axel Mecklinger haben jetzt untersucht, ob sich die Theta-Aktivität im Gehirn auch gezielt steigern lässt – und zwar mittels Neurofeedback-Training – und welche Auswirkungen dies auf das so genannte Quellengedächtnis von studentischen Testpersonen hat.

Für das Neurofeedback erfassten die Wissenschaftler die Theta-Wellen mittels eines Elektroencephalogramms (EEG) und meldeten dies an die Testpersonen. Diese sollten parallel dazu eine sogenannte Achterbahnanimation ausführen: Dazu sollten sie die Grafik einer Achterbahn auf einem Computerbildschirm möglichst schnell fortbewegen.

„Das Neurofeedback-Training bestand darin, dass bei einem Anstieg der Theta-Wellen im Gehirn der Probanden auch die Geschwindigkeit der Achterbahn zunahm, während umgekehrt ein geringer Anteil von Theta-Wellen dazu führte, dass die Achterbahn stehenblieb“, erklärte Mecklinger. Insgesamt fanden 7 Trainingssitzungen von je 30 Minuten über 11 Tage statt.

„Bei der Trainingsgruppe ging die Theta-Aktivität ab der dritten Sitzung deutlich nach oben, während bei der Kontrollgruppe kein Anstieg der Theta-Aktivität feststellbar war“, fasste Mecklinger die Beobachtungen zusammen. Dies sei nicht nur als statistischer Gruppeneffekt nachweisbar, sondern eine Theta-Zunahme von 10 bis 15 % zeige sich auch auf der Ebene des einzelnen Probanden.

„Durch die visuelle Rückmeldung seiner Leistung lernt der Proband, seine Theta-Wellen hochzuregulieren. Dies zeigt, dass sich die eigene Theta-Aktivität durch Neurofeedback-Training individuell trainieren lässt“, lautete die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.

Im zweiten Teil ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler die Auswirkungen der erhöhten Theta-Aktivität auf das langfristige Erinnerungsvermögen der Versuchs­personen. Dazu mussten die Probanden beider Gruppen an 3 verschiedenen Terminen eine Gedächtnisaufgabe lösen. Diese Sitzungen fanden einen Tag vor dem ersten Neuro­feedback-Training, einen Tag nach der letzten Trainingssitzung sowie 13 Tage später statt.

Dabei wurden ihnen jeweils zunächst 200 Wörter präsentiert. Bei jedem Wort wurden sie gefragt, ob die durch die Wörter beschriebenen Objekte lebendig sind oder ob sie ihnen angenehm erscheinen. In einem anschließenden Gedächtnistest wurden die zuvor gelern­ten Wörter zusammen mit einigen neuen Wörtern präsentiert. Schätzten die Pro­banden ein Wort als zuvor gesehen ein, wurden sie gefragt, mit welcher Frage (lebendig oder angenehm) es zuvor präsentiert worden war.

„Die Probanden, die durch das Neurofeedback-Training die Ausprägung ihrer Theta-Wellen erhöht hatten, zeigten eine klare Verbesserung ihrer Quellengedächtnisleistung“, sagte Kathrin Eschmann, Erstautorin der Studie. Als „Quellengedächtnis“ bezeichne man die Erinnerung an den zeitlichen und räumlichen Kontext einer Episode, erläuterte sie.

Die Wissenschaftler hoffen, dass sich die aktuellen Ergebnisse an jungen Probanden auch auf ältere Menschen übertragen lassen: „Da die Leistung des Quellengedächtnisses mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt, könnten die Studienergebnisse auch eine Möglich­keit aufzeigen, spezifische kognitive Einbußen im hohen Alter auszugleichen“, so Eschmann. © hil/aerzteblatt.de

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