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Medizin

Vorhofflimmern: Katheterablation senkt Demenzrisiko

Freitag, 23. Oktober 2020

/LIGHTFIELD STUDIOS, stock.adobe.com

Seoul – Eine Katheterablation, die ein Vorhofflimmern häufig dauerhaft beseitigt, könnte die Patienten möglicherweise eher vor einer Demenz schützen als eine langfristige orale Antikoagulation. Dies geht aus einer Analyse von Versichertendaten aus Südkorea hervor, die jetzt im European Heart Journal (2020; DOI: 10.1093/eurheartj/ehaa726) veröffentlicht wurde.

Vorhofflimmern ist nicht nur die häufigste Ursache von Schlaganfällen. Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass die Patienten auch ein erhöhtes Risiko auf eine Demenz haben. Die Ursache wird in einer erhöhten Zahl von stummen Hirninfarkten vermutet, die einzeln keine Symptome verursachen, bei einer Häufung jedoch auf die Dauer die kognitiven Reserven immer weiter einschränken, bis es dann zu einer Demenz kommt.

Die Behandlung des Vorhofflimmerns sollte deshalb die Patienten vor einer Demenz schützen. Es bestehen jedoch Zweifel, dass eine Katheterablation hier zu gleich guten Ergebnissen führt wie eine orale Antikoagulation. Bei der Katheterintervention kommt es nämlich manchmal zu thromboembolischen Ereignissen, die das Risiko auf eine spätere Demenz erhöhen könnte.

Da sich Demenzen nur langsam im Verlauf von mehreren Jahren entwickeln, lässt sich das Risiko in prospektiven klinischen Studien nur schwer ermitteln. Die Forscher greifen deshalb häufig auf die retrospektive Analyse von Versichertendaten zurück. Eine zuverläs­sige Datenquelle ist die staatliche Kran­ken­ver­siche­rung in Südkorea, die die gesamte Bevölkerung umfasst.

Zwischen 2005 und 2015 wurde bei 834.735 Erwachsenen ein Vorhofflimmern neu diagnostiziert, von denen aber nur 194.928 behandelt wurden. Ein Team um Boyoung Joung von der Yonsei Universität in Seoul hat 9.119 Patienten, bei denen eine Ablation durchgeführt wurde, mit 17.978 Patienten verglichen, die medikamentös behandelt wurden (die anderen Patienten wurden wegen Begleiterkrankungen von der Analyse ausgeschlossen, um Verzerrungen zu vermeiden).

Die Studie hat untersucht, wie viele dieser Patienten während einer medianen Nachbeob­achtungszeit von 52 Monaten an einer Demenz erkrankt sind. Zu seiner Überraschung stellte Joung fest, dass die Zahl nach der Ablation geringer war als nach einer oralen Antikoagulation.

Die 164 Demenzerkrankungen nach einer Ablation entsprechen einer Inzidenz von 5,6 pro 1.000 Personenjahren. Von den Patienten, denen orale Antikoagulanzien verschrieben wurden, erkrankten 308 an einer Demenz, was eine Inzidenz von 8,1 pro 1.000 Personen­jahren ergibt. Nach Berücksichtigung möglicher Begleitfaktoren ermittelt Joung eine Hazard Ratio von 0,73, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,58 bis 0,93 signifikant war.

Dies bedeutet, dass die Patienten nach einer Katheterablation zu 27 % seltener an einer Demenz erkranken als nach einer oralen Antikoagulation. Wurde die Analyse auf die Patienten beschränkt, bei denen die Ablation erfolgreich war, wurde das Risiko sogar um 44 % gesenkt (adjustierte Hazard Ratio 0,56; 0,44 bis 9,71). Das Ergebnis war unabhängig davon, ob die Patienten an einem Schlaganfall erkrankt waren oder nicht. Der Einfluss war sowohl für vaskuläre Demenzen als auch für einen Morbus Alzheimer nachweisbar.

Die epidemiologische Studie kann nicht abschließend beweisen, dass die Ablation die Patienten häufiger vor einer Demenz schützt als eine medikamentöse Behandlung. Es bleibt möglich, dass die Ablation eher bei Patienten mit einem günstigen Ausgangsrisiko durchgeführt wurde, ohne dass dies in den Versichertendaten erkennbar ist. Dass der befürchtete Anstieg der Demenzen nicht bestätigt wurde, ist jedoch ein beruhigendes Zeichen. © rme/aerzteblatt.de

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