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Nicht nur wegen Corona: Händewaschen nicht vergessen

Freitag, 9. Oktober 2020

/Racle Fotodesign, stock.adobe.com

Nürnberg – Hände nass machen, rundherum für mindestens 20 Sekunden einseifen, gründlich abwaschen, sorgfältig abtrocknen. Dieses Ritual steht derzeit besonders im Fokus. Während Händewaschen früher oft etwas beiläu­figes hatte, tun es viele Menschen heute häufiger, wie die Psychologin Stefanie Biehl und ihr Team von der Universität Re­gensburg in einer Untersuchung herausgefunden haben.

Darin sagten die meisten der 280 Befragten ab 18 Jahren auch, dass sie ihre Hände vor allem dann waschen, wenn sie Kontakt zu anderen Menschen oder zu Gegenständen wie Türklinken oder Aufzugknöpfen hatten.

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„70 Prozent gaben außerdem an, dass sie ihre Hände einfach so häufiger gewaschen haben, weil sie das Gefühl hatten, sie müssten es tun“, sagte Biehl. Die Ergebnisse der Befragung sind zwar nicht repräsentativ, zeigen nach Ansicht von Biehl aber, dass es ein stärkeres Bewusstsein für die Übertragung von Krankheitserregern über die Hände gibt.

Aber dieses Bewusstsein lässt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) momentan etwas nach. Im „COVID-19 Snapshot Monitoring“ („Cosmo“) der Universität Erfurt, an dem die BZgA beteiligt ist, gaben zu Anfang der Pandemie 87 Prozent der Be­fragten an, ihre Hände immer oder häufig 20 Sekunden lang zu waschen. Im März stieg der Anteil sogar auf 96 Prozent und sank dann in der darauffolgenden Zeit ab. Anfang Oktober lag er bei 81 Prozent.

„Die Befragungsdaten deuten also darauf hin, dass die Aufmerksamkeit für die Bedeutung des Händewaschens zunächst deutlich gestiegen ist, im Verlauf der Coronaviruspandemie jedoch an Bedeutung verloren hat“, sagte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss. Dennoch sehe sie gute Chancen, dass gründliche Händehygiene auch nach der Coronapandemie in unserem Alltag als selbstverständlich empfunden werde.

Wie wichtig diese ist, darauf weist seit 2008 jedes Jahr am 15. Oktober der Welttag des Händewaschens (Global Handwashing Day) hin. Die Initiative Global Handwashing Partnership verweist darauf, dass gründliches Händewaschen mit Seife Viren und Bakte­rien abtöten könne, die Durchfall oder Atemwegserkrankungen auslösen.

Doch was macht das mit uns, wenn wir in Pandemiezeiten ständig unsere Hände wa­schen? Entwick­eln dadurch mehr Menschen einen Waschzwang? Dass nun viele Men­schen zwanghaft ihre Hände waschen werden, hält Biehl für unwahr­scheinlich.

„Das ist eine sehr komplexe Erkrankung, bei der viele Faktoren eine Rolle spielen, unter anderem auch genetische“, sagt die Expertin. „Wir hatten in der therapeu­tischen Praxis den Eindruck, dass der Leidensdruck bei Zwangserkrankten nicht sehr viel größer gewor­den zu sein scheint.“

Was sich allerdings schnell bemerkbar macht: Die Hände leiden unter dem vielen Hände­waschen besonders wenn man klassische Seife und zu warmes Wasser verwende, sagte der Dermatologie-Professor Erwin Schultz vom Klinikum Nürnberg. „Die Lipide werden aus der Haut herausgelöst.“ Dadurch könne es zu Ekzemen kommen: die Haut jucke, werde schuppig und rissig.

Eine typische Berufskrankheit bei Ärzten, Pflegepersonal und Friseuren, die Folgen haben könne. „Die Haut ist dann geschädigt und ihre Barriere­funktion geschwächt“, erläuterte Schultz. Dadurch steige das Risiko von Kontaktallergien. © dpa/aerzteblatt.de

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