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Ärzteschaft

Intensivmediziner: Steigende Infektionszahlen nach Altersgruppen betrachten

Freitag, 9. Oktober 2020

/Vadim, stock.adobe.com

Berlin – Vor dem Hintergrund der aktuell steigenden COVID-19-Infektionszahlen hat die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) an­gemahnt, das Infektionsgeschehen differenziert zu betrachten.

Die Zahl der steigenden Infektionen müsse immer im Zusammenhang mit der Verfüg­bar­keit von Intensivbetten betrachtet werden. Denn gerade in den Wintermonaten seien die Intensivkapazitäten oft bereits durch andere intensivpflichtige Patienten angespannt.

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„Damit es nicht zu Überlastungen in der medizinischen Versorgung kommt, ist die Aus­lastung der Intensivbetten in den nächsten Monaten ein entscheidender Faktor“, sagte Christian Karagiannidis, kommender Präsident der DGIIN. Ein weiterer entscheidender Faktor ist nach Ansicht der Experten das Infektionsgeschehen in der Gruppe der über 50 bis 60-jährigen Patienten.

„Unsere epidemiologische Arbeit, in der wir 10.000 COVID-Fälle im Zeitraum der ersten Welle analysiert haben, hat sehr deutlich gezeigt, dass es hinsichtlich der Versorgungs­kapazitäten entscheidend darauf ankommt, wie viele ältere Patienten sich infizieren“, so Karagiannidis.

Ihm zufolge entfällt die Hauptlast der COVID-Erkrankungen auf den Intensivstationen auf die Altersgruppe der über 50- bis 60-Jährigen. Deshalb sei es in der öffentlichen Wahr­neh­­­mung dringend notwendig, die Gesamtzahl an Infektionen den Infektionszahlen der Gruppe der über 50- bis 60-Jährigen gegenüberzustellen und diese Entwicklung genau zu beobachten.

„Insgesamt stehen wir in den deutschen Kliniken deutlich besser da als während der ers­ten Welle“, so Karagiannidis. Dies läge zum einen daran, dass mehr Routine in der Be­hand­lung von COVID-19 eingekehrt sei und die Ärzte inzwischen durch aktuelle For­schungs­ergebnisse besser wüssten, worauf sie etwa mit Blick auf die Gefahr von Throm­bosen achten müssten.

Zudem stünden aktuell und zukünftig mit den Medikamenten Remdesivir, Cortison und der passiven Immunisierung neue Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die es zu Beginn so nicht gegeben habe. „Wichtig ist aber: Wir können auf keinen Fall sagen, ob die Krank­heit milder verläuft“, so der Experte.

Allerdings steht der DGIIN zufolge das deutsche Gesundheitssystem völlig anders da als zu Beginn der Pandemie im März 2020. Hygieneregeln und der Umgang mit Verdachts­patienten oder nachweislich infizierten Patienten sind nach Ansicht der Experten sowohl im ambulanten wie im stationären Bereich bestens eingeübt.

Das DIVI-Intensivregister gebe zudem täglich eine umfassende Auskunft über die verfügbaren Bettenkapazitäten in allen Regionen Deutschlands. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #731782
astridschulze@massai.dk
am Donnerstag, 22. Oktober 2020, 22:55

Man kann von seinen Nachbarn lernen - wenn man denn moechte....

Epidemiologie ist eben nicht einfaches Addieren.
Daenemark hat inzwischen 50% seiner Einwohner getestet und dafuer dobbelt soviele Tests verwendet (4,7 Mill). Und veroeffentlicht taeglich u.a. die Altersverteilung der Testresultate.
https://experience.arcgis.com/experience/aa41b29149f24e20a4007a0c4e13db1d
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