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Ärzteschaft

Mediziner sehen geringes Risiko für Coronainfektion über Augen

Montag, 12. Oktober 2020

/madrolly, stock.adobe.com

Berlin – Eine Coronainfektion über die Augen ist nach Medizinerangaben unwahr­schein­lich, aber nicht unmöglich. Reibe man sich beispielsweise die Augen mit corona-kontami­nierten Händen, wäre eine Übertragung auf die Nasenschleimhaut oder die Atemwege denkbar, sagte Clemens Lange vom Universitätsklinikum Freiburg auf dem Jahreskongress der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).

Es gibt im Kopf Verbindungen zwischen den Augen und der Nase wie etwa Tränenwege. Bei derzeitiger Studienlage „weist jedoch nichts darauf hin, dass wir die Augen als be­deutsame Eintritts- oder Austrittspforte des Virus betrachten müssen“, stellte Lange fest. Einige Studien postulierten Lange zufolge, dass eine Ansteckung über die Bindehaut mög­lich sei. Es sei jedoch noch nicht eindeutig geklärt, ob die Zellen der Augenober­flä­che genügend Eintrittspforten hätten.

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In keiner der Proben von 46 untersuchten Menschen seien relevante Mengen der für Co­ro­na wichtigen Rezeptoren ACE-2 oder TMPRSS2 in der Bindehaut festgestellt worden, sagte Lange, der an dieser Studie beteiligt war. Andere Forscher hatten in der Augenhorn­haut Hinweise auf diese Rezeptoren gefunden, allerdings eine tatsächliche Corona­über­tragung darüber nicht geprüft.

Eine Übertragung über die Tränenflüssigkeit ist Lange zufolge ebenfalls eher unwahr­scheinlich. „Der regelmäßige Lidschlag des Auges sowie die geringe Augenoberfläche dürften verhindern, dass ausreichend Viren ins Auge gelangen können.“ Auch enthalte der Tränenfilm von Coronainfizierten nur sehr selten Virenerbgut.

Lange schließt eine Übertragung des Coronavirus über die Augen aber keinesfalls aus. Selbst bei augenärztlichen Untersuchungen dürfte jedoch von Aerosolen aus den Atem­wegen infizierter Menschen ein deutlich höheres Infektionsrisiko für die Mediziner aus­gehen als von Tränenfilm und Augenoberfläche der Patienten.

„Obwohl wir derzeit eher keine Infektion über das Auge befürchten müssen, sind weitere Untersuchungen notwendig, um Aufschluss über die tatsächliche Infektiosität und mögli­che Orte der Virusvermehrung zu erhalten“, mahnte DOG-Präsident Hans Hoerauf von der Universitätsmedizin Göttingen jedoch.

Klinikpersonal sei trotz des offenbar geringen Risikos dringend zu raten, bei bestimmten intensivmedizinischen Arbeiten mit Coronapatienten die Augen durch eine Brille zu schüt­zen. © dpa/aerzteblatt.de

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