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Medizin

SARS-CoV-2: Neonatale Infektionen selten und meist ungefährlich

Dienstag, 13. Oktober 2020

/picture alliance / ZB | Arno Burgi

New York – Obwohl Neugeborene sich bei ihrer Mutter mit SARS-CoV-2 anstecken und an einer Pneumonie erkranken können, scheint das Risiko im klinischen Alltag überschaubar zu sein. In einer Fallserie im JAMA Pediatrics (2020; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2020.4298) haben sich nur 2 von 101 Neugeborenen bei ihrer an COVID-19 erkrankten Mutter infiziert, von denen keines erkrankt ist.

Virusinfektionen von Schwangeren sind für Feten und Neugeborene immer ein Gesund­heitsrisiko. Varizellen, RS-Viren, Herpes-simplex-Viren, Enteroviren und dem Zika-Virus können schwere Fetopathien verursachen. In den ersten Monaten der COVID-19-Epidemie wurden deshalb an vielen Kliniken die Neugeborenen von den Wöchnerinnen getrennt oder wenigstens in einer Isolette auf Distanz gehalten.

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Diese Maßnahmen haben an zwei Kinderkliniken im Norden Manhattans Infektionen weitgehend und Erkrankungen offenbar völlig verhindert. Von den 101 Kindern, die zwischen dem 13. März und dem 24. April von 100 Frauen entbunden wurden, verbrachten 82 die ersten Lebenstage in einer Isolette im gleichen Raum wie die Mutter aber in einer Entfernung von mindestens 180 cm.

Weitere 19 Säuglinge wurden nach einer Frühgeburt oder anderen Komplikationen auf einer Intensivstation behandelt. Einen Zusammenhang mit der Infektion der Mutter schließt das Team um Cynthia Gyamfi-Bannerman vom Irving Medical Center der Columbia Universität aus, da die Neugeborenen negativ auf SARS-CoV-2 getestet wurden.

Zu einer Infektion ist es lediglich bei 2 Neugeborenen gekommen. Ein Kind hatte die ersten Nächte in der Nähe der Mutter verbracht, weil deren Infektion erst später erkannt wurde. Keines der beiden Neugeborenen erkrankte. Gyamfi-Bannerman schließt daraus, dass das Risiko einer perinatalen Übertragung relativ gering ist, wenn die Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. Bei beiden Neugeborenen waren die Testergebnisse nicht eindeutig positiv, was auf eine insgesamt geringe Viruslast hindeutet. Ein Säugling wurde am zweiten Tag nach der Entbindung bereits wieder negativ getestet. Das andere Neugeborene war bei einer ambulanten Untersuchung am 6. Tag unauffällig.

Dass eine Infektion zu einer schweren Erkrankung des Neugeborenen führen kann, zeigt ein Fall, über den Mediziner aus Wuhan bereits im Juli berichteten. Das Kind musste in der 31. Woche aufgrund einer schweren Pneumonie der Mutter und einem fetalen Distress per Kaiserschnitt geholt werden. Es wurde nach der Geburt reanimiert und hatte nach 1, 5 und 10 Minuten bescheidene Apgar-Werte von 3, 4 und 5.

Nach einer vermuteten Sepsis und einer Antibiotikabehandlung erholte sich das Kind wieder vollständig. Bei zwei weiteren Neugeborenen war laut Wenhao Zhou von der Kinderklinik der Fudan Universität ebenfalls eine Pneumonie festgestellt worden, die jedoch ohne Komplikationen verlief (JAMA Pediatrics 2020; 174: 722-725). Ähnliche Einzelfälle wurden auch von anderen Kliniken berichtet. © rme/aerzteblatt.de

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