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Ärzteschaft

Antigenschnell­tests: KBV warnt, BDL mahnt

Dienstag, 13. Oktober 2020

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung /Lopata

Osnabrück – Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat Hoffnungen auf einen effektiven Masseneinsatz von Antigenschnelltests bei Groß­ver­anstaltungen gedämpft. Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) warnt vor einem ungezielten Einsatz.

Die Antigenschnelltests, die nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums künftig massenhaft eingesetzt werden sollen, seien „kein Allheilmittel“, sagte Gassen der Neuen Osna­brücker Zeitung. „Die Vorstellung, wir machen bei 5.000 Stadionbesuchern mal eben einen Schnelltest, bleibt Science-Fiction.“

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Selbst bei den besten Schnelltests würden zwei bis zehn Infizierte von hundert Geteste­ten nicht erkannt, warnte Gassen. Bei Massenveranstaltungen auf engem Raum wäre damit ein potenzielles Ansteckungsrisiko nicht sicher auszuschließen.

Die Antigenschnelltests sollen laut Bundesgesundheitsministerium ab Mitte Oktober in Pflegeheimen und Krankenhäusern zum Einsatz kommen, um Personal, Besucher und Patienten regelmäßig auf das Coronavirus SARS-CoV-2 zu testen. Die Methode gilt zwar als weniger zuverlässig als viele der bislang üblichen PCR-Tests auf Viren-Erbgut, dafür aber als schneller und günstiger.

Vom BDL hieß es, auf Antigentests soll nur zurückgegriffen werden, wenn das Standard­testverfahren PCR (Polymerase Chain Reaction) im medizinischen Labor voll ausgelastet sei. Es gelte auf allen Ebenen, die Krisenreaktionskräfte des deutschen Gesundheitssys­tems durch präventive Maßnahmen zu schützen, mahnte der BDL. Hintergrund ist die neue nationale Teststrategie der Bundesregierung, die zum 15. Oktober in Kraft treten soll.

Die deutschen Laborärzte sprechen sich darüber hinaus dafür aus, dass weiter ärztliche Expertise darüber entscheiden soll, wer getestet erden soll und wer nicht. Die Kräfte der Mitarbeiter in Praxen, Kliniken und öffentlichem Gesundheitsdienst müssten geschont werden, statt sie mit Massentests zu erschöpfen.

Der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski betonte, in der ersten Welle der Pandemie hätt­en die beauftragenden Ärzte in den Praxen und Krankenhäusern sichergestellt, dass die medizinischen Labore besonders gefährdete Gruppen oder medizinisches Personal jeder­zeit hätten testen können.

„Diese Gruppen dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren. Unser arbeitsteiliges Gesund­heits­system mit zwei starken, gut verzahnten Sektoren hat dafür gesorgt, dass das medi­zinische Fachpersonal optimal eingesetzt wird“, sagte er.

Arztpraxen müssten die erste Anlaufstelle für Verdachtsfälle bleiben, Testzentren könnten bei der Durchführung der Tests entlasten, die Krankenhäuser versorgten die schwer Er­krank­ten. Alle Patienten müssten sich darauf verlassen können, dass man sich um das ge­samte Krankheitsgeschehen und nicht nur um die Pandemie kümmere, so der Lübecker Laborarzt.

Bobrowski fordert, dass Antigentests nur von ausgebildetem Fachpersonal im medizini­schen Labor durchgeführt werden. Die Qualitätsanforderungen an die Coronadiagnostik ließen es nicht zu, dass angelernte Personen bei der anerkannten Überlastungssituation in den Altersheimen Antigentests durchführten. Gleiches gelte für die Schulen. Auch die Sicherheitsanforderungen an die Testumgebung könnten dort nicht erfüllt werden. Ansonsten seien mögliche Fehldiagnosen und weitere Infektionen vor Ort und in der allgemeinen Bevölkerung zu befürchten.

Der BDL erinnert auch daran, dass Antigentests derzeit bei weitem nicht so zuverlässig sind wie die PCR-Tests. Daher könnten Antigentests bestenfalls dort entlasten, wo die PCR-Kapazitäten voll ausgeschöpft werden. Zumindest jeder positive Antigentest müsse durch einen PCR-Test abgesichert werden. Zudem solle das Antigenverfahren nicht für Hochrisikopatienten und medizinisches Personal eingesetzt werden. © afp/may/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #26589
nordman
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 00:07

Conflict of interest...

...scheint hier doch deutlich mitzuspielen. Wir brauchen eine unabhängige Einschätzung....
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