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Politik

Ärzte-Gruppierung verbreitet irreführende Flugblätter in Berlin

Dienstag, 13. Oktober 2020

Demonstration gegen Corona-Maßnahmen in Berlin/picture alliance, Fabian Sommer

Berlin – Das Bezirksamt von Neukölln warnt vor Irreführung durch Flugblätter der Gruppierung „Ärzte für Aufklärung“. Die Handzettel waren an mehreren Orten in dem Berliner Bezirk aufgetaucht.

Darauf schürten die Autoren Angst vor einer vermeintlichen Zwangsimpfung gegen CO­VID-19 und stellten die aktuelle Situation in einem frei erfundenen Kriterienkatalog als „Fake Pandemie“ dar, heißt es in einer Mitteilung des Bezirksamts.

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Damit werde gezielt mit den bestehenden Ängsten der Empfänger gespielt und Ver­schwö­rungsmythen reproduziert. Zudem ignorierten die Verfasser bewusst, dass die Bun­desregierung eine Impfpflicht im Fall von COVID-19 bereits mehrfach ausgeschlossen habe.

Das Flugblatt aus Neukölln

„Diese Art der Desinformation hat eine neue Qualität“, wird Gesundheitsrat Falko Liecke in der Mitteilung zitiert. „Bisher kursierten solche Irreführungen in den sozialen Medien. Jetzt kommen sie ungebeten in Neuköllner Briefkästen.“ Er appelierte an die Bürger, sich umfassend auf seriösen Websites zu informieren, etwa auf dem Internetauftritt des Robert Koch-Instituts.

Man distanziere sich ganz klar von der Gruppierung „Ärzte für Aufklärung“, sagte der Prä­sident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, dem Deutschen Ärzteblatt. Mehrere Unter­stützer der Gruppe praktizieren nach eigenen Angaben in der Hauptstadt. „Wir werden ge­gen jeden Einzelfall berufsrechtlich vorgehen“, so Jonitz.

Die drei Hauptinitiatoren der Gruppierung stammen aus Hamburg. Auch dort distanzierte sich die zuständige Ärztekammer in den vergangenen Wochen in unterschiedlichen Me­dien mehrfach ausdrücklich von Äußerungen der „Ärzte für Aufklärung“.

„Ich finde es persönlich erschütternd, dass ärztliche Kollegen Thesen fernab jeglicher Sachlichkeit vertreten und Falschinformationen zu einigen Themen, unter anderem zur Impfung verbreiten", sagte Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, auf Anfrage des Deutschen Ärzteblatts.

„Besonders schlimm ist, dass damit das Vertrauen zum ärztlichen Berufsstand miss­braucht wird und damit viele Menschen unnötig und zu Unrecht verunsichert werden“, so Emami weiter.

Berufsrechtlich gegen die Verteilung von Flugblättern vorzugehen, könne jedoch schwie­rig sein, ergänzt eine Sprecherin der Ärztekammer Hamburg. Es handele sich dabei nicht um einen Verstoß im unmittelbaren beruflichen Kontext.

Anders sei dies bei der Ausstellung falscher Atteste, die in den vergangenen Monaten häu­figer im Zusammenhang mit COVID-19 aufgetaucht waren und etwa auch nicht ge­sundheitlich beeinträchtigte Patienten vom Tragen einer Maske befreien sollten. Dabei handele es sich um einen klaren Verstoß gegen Paragraph 25 der Berufsordnung, so die Sprecherin.

Nach Angaben des Bezirksamt Neukölln haben sich die Ärztekammern mehrerer Bundes­länder von der Gruppe „Ärzte für Aufklärung“ distanziert und auf die Einhaltung von be­rufsethischen Standards hingewiesen. Demnach „müsse die persönliche Meinung erkenn­bar von der Ausübung der ärztlichen Tätigkeit abgegrenzt sein“, heißt es in der Mittei­lung. © alir/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Donnerstag, 22. Oktober 2020, 14:03

BÄK-Präsident klärt die Lage bei Lanz

und benützt dazu eine weithin bekannte Aussage eines früheren Aussenministers, der schwer zu überzeugen war ...
https://www.watson.de/deutschland/coronavirus/675484803-maskenpflicht-aussage-von-mediziner-macht-markus-lanz-fassungslos
Avatar #745246
Andre B.
am Mittwoch, 21. Oktober 2020, 00:35

WDR: "Ärzte, die "Corona leugnen" denunzieren!"

Auf "wdr.de" ist dieser Aufruf zur Denunziation zu lesen:

»… Der Ärztekammer Nordrhein sind nach Angaben einer Sprecherin 17 Fälle bekannt, in denen Mediziner das Coronavirus verharmlosen oder gar leugnen. Das klingt wenig bei 60.000 Ärzten, die die Ärztekammer Nordrhein vertritt.

Das Positive: Die meisten Mediziner erkennen das Coronavirus als eine ernstzunehmende Gefahr für die Bevölkerung an. Das Negative: Einige wenige "Götter in Weiß" missbrauchen ihren beruflichen Status, um ihre persönliche Anschauungsweise legitim erscheinen zu lassen – zum Nachteil von Patienten…

Mitunter kommt es auch vor, dass Ärzte Gefälligkeits-Atteste ausstellen, um einen Patienten von der Maskenpflicht zu befreien. "Von solchen Fällen hören wir zumeist zufällig", sagt die Sprecherin der Ärztekammer Nordrhein. Zum Beispiel, wenn sich eine Schule meldet und darauf hinweist.

Für den zuständigen Arzt bleiben solche Gefälligkeits-Atteste aber nicht ohne Folge. Laut Berufsordnung sind sie dazu verpflichtet, einen Patienten vor Ausstellung von ärztlichen Gutachten und Zeugnissen sorgfältig zu untersuchen. Wenn sich Mediziner nicht daran halten, drohen – wie bei Herunterspielen oder Leugnen des Virus auch – berufsrechtliche Maßnahmen. Das kann eine Rüge sein oder etwa eine empfindliche Geldstrafe.

Was also als Patient tun, wenn der (Haus-)Arzt die Gefahr durch das Coronavirus herunterspielt oder gar leugnet? "Wachsam und kritisch sein", rät die Sprecherin der Ärztekammer Nordrhein.

Wer eine Arztpraxis betritt, sollte sich umschauen und ein Auge darauf haben, ob die allgemeinen Hygiene-Vorschriften eingehalten werden. Tragen alle Masken? Gibt es eine Plexiglaswand am Empfangstisch? Wird auf genügend Abstand geachtet, auch im Wartezimmer? Bei Abweichungen: Unbedingt das Praxisteam ansprechen. Und dem Arzt widersprechen, falls er alles als harmlos hinstellt. Hinweise über entsprechende Fälle bitte der zuständigen Ärztekammer melden. "Wir gehen dann der Sache nach."«

>>> https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/aerzte-coronavirus-verharmlosen-leugnen-folgen-102.html
Avatar #748250
Julian_Haegele
am Donnerstag, 15. Oktober 2020, 22:32

Kurz

Zitat aus der von mir zitierten Studie (weitere auf Pubmed inkl. Abhandlungen über die Problematik der Bestimmung der IFR bei Influenza, die meist überschätzt wird):
This analysis also confirms that COVID-19 is far more deadly than seasonal flu. For example, during the influenza season of winter 2018–19 the U.S. population had ~63 million infections and 34 thousand fatalities, with a population IFR of 0·05% an order of magnitude lower than COVID-19; see Supplementary Appendix M.

Der von Ihnen zitierte Aufruf (und ja, wenn man nicht mal mehr Einkaufen gehen kann, würde ich das schon als ziemliche Einschränkung meiner Freiheit begreifen, auch mit über 80) hat auch schon seine Antwort erhalten:
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)32153-X/fulltext

Es ist eine komplizierte Situation, die sicher aber nicht dadurch zu lösen ist, das Virus als überwiegend harmlos zu klassifizieren um so weiterzumachen wie bisher oder sich gar in Verschwörungstheorien zu flüchten (letzteres unterstelle ich Ihnen ausdrücklich nicht).
Und nochmals, nicht jeder, der nicht Ihrer Meinung ist, bedarf "Denkanregungen" oder "überspitzte Hinweise". Als wäre es eine Verblendung oder Frage der gedanklichen Trägheit, nicht Ihrer Meinung zu sein...
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 15. Oktober 2020, 12:02

Ich unterstelle hier gar nichts - Ich ziehe nur Schlüsse

Sehr geerhter Herr Haegele,

sollten Sie sich tatsächlich durch meine überspitzen Hinweise angesprochen fühlen, so war das schon ein kleiner Erfolg, aber dennoch sollte dies viel eher als provokative Denkanregung verstanden werden und als nicht als Angriff! Das ich NICHT auf Ihre Aussagen bezüglich des politischen Handelns der Bundesregierung eingegangen bin. das war vollkommene Absicht, weil es schlicht keinen Sinn macht über Maßnahmen zu diskutieren, die von Grund auf jegliche Verhältnismässigkeit vermissen lassen und die elementarste Frage, nämlich die nach der Notwendigkeit für ein solches Vorgehen, völlig in den Hintergrund rücken lässt.

Ich möchte hier nicht immer wieder die gleichen Dinge aufzählen müssen und daher verweise ich Sie höflichst auf den folgenden meiner vorherigen Beiträge. Dort finden Sie u.a. auch weiterführende und differenzierte Informationen zum infektologischen Geschehen in den USA. (https://www.aerzteblatt.de/forum/137927#entry137927)

Hätten Sie den von mir angefügten Link etwas genauer gelesen, dann wüssten Sie bereits, das es nicht nötig ist, Personen über 80 Jahren in quasi Isolationshaft zu nehmen, um genau diese Gruppe noch effektiver schützen zu können.

Dazu von:

-"Dr. Martin Kulldorff", Professor für Medizin an der Harvard University, Biostatistiker und Epidemiologe mit Spezialisierung in der Erkennung und Überwachung von Ausbrüchen von Infektionskrankheiten und Bewertungen der Impfstoffsicherheit.
-"Dr. Sunetra Gupta, Professorin" an der Universität Oxford, Epidemiologin mit Spezalisierung in Immunologie, Impfstoffentwicklung und mathematischer Modellierung von Infektionskrankheiten.
-"Dr. Jay Bhattacharya", Professor an der Stanford University Medical School, Arzt, Epidemiologe, Gesundheitsökonom und Experte für öffentliche Gesundheitspolitik mit Schwerpunkt auf Infektionskrankheiten und gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

Zitat:

"Die Verabschiedung von Maßnahmen zum Schutz der gefährdeten Personengruppen sollte das zentrale Ziel der Reaktionen des öffentlichen Gesundheitswesens auf COVID-19 sein. Zum Beispiel sollten Pflegeheime Personal mit erworbener Immunität einsetzen und häufige PCR-Tests bei anderen Mitarbeitern und allen Besuchern durchführen. Der Personalwechsel sollte minimiert werden. Menschen im Ruhestand, die zu Hause wohnen, sollten sich Lebensmittel und andere wichtige Dinge nach Hause liefern lassen. Wenn möglich, sollten sie Familienmitglieder eher draußen als drinnen treffen. Eine umfassende und detaillierte Reihe an Maßnahmen, darunter auch Maßnahmen für Mehrgenerationenhaushalte, kann umgesetzt werden und liegt im Rahmen der Möglichkeiten und Fähigkeiten des öffentlichen Gesundheitswesens."

"Diejenigen, die nicht schutzbedürftig sind, sollten sofort wieder ein normales Leben führen dürfen. Einfache Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und der Aufenthalt zu Hause im Krankheitsfall sollten von allen praktiziert werden, um den Schwellenwert für die Herdenimmunität zu senken. Schulen und Universitäten sollten für den Präsenzunterricht geöffnet sein. Außerschulische Aktivitäten, wie z. B. Sport, sollten wieder aufgenommen werden. Junge Erwachsene mit geringem Risiko sollten normal und nicht von zu Hause aus arbeiten. Restaurants und andere Geschäfte sollten öffnen können. Kunst, Musik, Sport und andere kulturelle Aktivitäten sollten wieder aufgenommen werden. Menschen, die stärker gefährdet sind, können teilnehmen, wenn sie dies wünschen, während die Gesellschaft als Ganzes den Schutz genießt, der den Schwachen durch diejenigen gewährt wird, die Herdenimmunität aufgebaut haben."

Das wie Sie sagen " Die IFR ist übrigens auch international um mind. Faktor 5-10 höher als die der Influenza, das belegen aktuelle Studien ", kann weder durch die von Ihnen benannte Studie und auch durch keine andere mir bekannte wissenschaftliche Arbeit belegt werden. Ich kann nur nochmals auf die Aussagen der WHO hinweisen, die inzwischen global von 760 Millionen Infizierten ausgeht, von denen bisher circa 1.061.539 Menschen in Verbindung mit einem positiven PCR-Test verstorben sind, was einer IFR von etwa 0.14% entspricht! Dies liegt im Bereich der saisonalen Influenza und weit unter dem, was eine pandemische Influenza gewöhnlich anzurichten vermag. (https://www.who.int/news-room/events/detail/2020/10/05/default-calendar/executive-board-special-session-on-the-covid19-response)

Das Ländervergleiche in der Infektologie nur mit größter Vorsicht gezogen werden sollten, kann an dem von Ihnen angesprochen Beispiel Niederlanden verdeutlicht werden. Nicht unerwähnt bleiben darf dabei z.b. , das die Niederlande im Vergleich zu Deutschland nur etwa die Hälfte der Intensivbetten pro 100000 Einwohner vorweisen können. (http://www.gbe-bund.de/gbe10/ergebnisse.prc_pruef_verweise?p_uid=gast&p_aid=88097255&p_fid=26060&p_ftyp=TXT&p_pspkz=D&p_sspkz=&p_wsp=&p_vtrau=4&p_hlp_nr=&sprache=D&p_sprachkz=D&p_lfd_nr=6&p_news=&p_modus=2&p_window=&p_janein=J) Ähnliches gilt auch für die verfügbare Anzahl an Ärzten und Pflegepersonal. (https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Archive:Healthcare_provision_statistics/de&oldid=357319)

Bezüglich den zu erwartenden Hospitalisierungsraten, lassen sich am Beispiel der USA auch schon valide Aussagen treffen.

Erste Schätzungen, die auf chinesischen Daten basierten, gingen von einer sehr hohen Kranken­haus­auf­enthaltsrate von 20% aus, was zu der Strategie führte, die Kurve abzuflachen, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden. (https://www.npr.org/sections/goatsandsoda/2020/03/20/815408287/how-the-novel-coronavirus-and-the-flu-are-alike-and-different?t=1598701946434) Populationsbasierte Antikörperstudien (siehe oben) haben jedoch seitdem gezeigt, dass die tatsächlichen Kranken­haus­auf­enthaltsraten nahe bei 1% liegen, was im Bereich der Kranken­haus­auf­enthaltsraten für Influenza (1 bis 2%) liegt. (https://www.cdc.gov/flu/about/burden/index.html)

Die US-amerikanische CDC stellte fest, dass die Covid-19-Hospitalisierungsraten für Personen ab 65 Jahren „innerhalb der Influenza-Hospitalisierungsraten liegen“, wobei die Raten für Personen zwischen 18 und 64 Jahren etwas höher und für Personen unter 18 Jahren „viel niedriger“ (im Vergleich zur Influenza) sind . (https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/covid-data/covidview/index.html)

In lokalen Hotspots wie New York City liegt die Kranken­haus­auf­enthaltsrate basierend auf Antikörperstudien bei etwa 2,5% (19,9% oder 1,7 Millionen Menschen mit Antikörpern (https://www.governor.ny.gov/news/amid-ongoing-covid-19-pandemic-governor-cuomo-announces-results-completed-antibody-testing) und 43.000 Kranken­haus­auf­enthalte bis zum 2. Mai. (https://www1.nyc.gov/assets/doh/downloads/pdf/imm/covid-19-daily-data-summary-hospitalizations-05022020-1.pdf)

Ich möchte Sie nochmals zitieren: "Es ist allerdings kein Merkmal des eigenständigen Denkens, das Agieren einer Regierung, wissenschaftlichen Institution, Wissenschaftlern oder der Presse per se anzuzweifeln."

Auch wenn ich Ihnen damit explizit keine Naivität unterstellen möchte, so erfüllt Ihre obrige Aussage, dennoch alle notwendigen Kriterien, um eine gewisse Naivität zumindest vermuten lassen zu können. Skepsis muss man sich außerdem verdienen und dieser Anspruch wurde LEIDER vorallem in den letzen Monaten, mehr als nur weit übertroffen.

Ebenfalls empfehle ich Ihnen als Denkanstoss dazu noch folgende Dokumentationen von ARTE:
- https://www.youtube.com/watch?v=ZkyL4NxJJcc
- https://www.youtube.com/watch?v=WwHr4mYkhF4
Avatar #748250
Julian_Haegele
am Donnerstag, 15. Oktober 2020, 09:58

Danke?

Sie fordern von mir, weniger subjektiv zu argumentieren und unterstellen mir gleichzeit qua Überschrift und Zitat Naivität und Gedankenlosigkeit und/oder Denkfaulheit. Ist natürlich auch ein Möglichkeit.
Es ist allerdings kein Merkmal des eigenständigen Denkens, das Agieren einer Regierung, wissenschaftlichen Institution, Wissenschaftlern oder der Presse per se anzuzweifeln. Und was daran ungesunde(!) Naivität ist, dass ich dafür plädiere, diese Pandemie ernst zu nehmen, verstehe ich nicht. Dass die politischen Entscheidungen auch von mir als diskussionswürdig bezeichnet wurden, haben Sie schlicht ignoriert. Passte wahrscheinlich nicht zu meiner Denkfaulheit.

(1) Eine einfache Suche bzw. Durchsicht der z.B. SZ (auch online) wird Ihnen aus den letzten Tagen Artikel liefern, auch kritische zu den politischen Maßnahmen. Die Daten ebenso. Podcast des NDR, Corona update. Alles durch hochrangige wissenschaftliche Studien (siehe Pubmed) unterlegt. Ich habe aber das Gefühl, dass Ihre Definition von "wissenschaftlich-medizinisch" eine andere ist als meine, also die des denkfaulen "Mainstreams".
(2) Ich halte mich da an das System der peer-reviewed Publikationen. Dieser Kontrolle unterliegen Meinungsportale wie Youtube halt nicht. Hier verdient Geld, wer Klicks generiert, dass ist zumindest ein zweifelhafter Ansatz/Anreiz. Dass diese Portale auch von seriösen Menschen benutzt werden ist sicher richtig, die externe Überprüfung findet jedoch nicht statt. (3) Die IFR ist übrigens stark abhängig vom Alter und steigt ab ca. 80 Jahren in den zweistelligen Prozentsatz; was sagen Sie diesen Menschen, sind die egal oder sollen die sich die nächsten Monate in Ihre Heimstätten einschließen? Die IFR ist übrigens auch international um mind. Faktor 5-10 höher als die der Influenza, das belegen aktuelle Studien (s. Pubmed, am aktuellsten, jedoch noch Preprint: https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.07.23.20160895v5.full.pdf).
(3) Ich finde es schon teils katastrophal, wenn man sich die Zahlen der Übersterblichkeit anschaut (z.B. aktuell der USA, die ja eine Coronapolitik betreiben, wie sie hier von vielen gewünscht wird). Momentan schließen ferner z.B. in den Niederlanden die Notaufnahmen wegen Überlastung. Es zählen halt nicht nur die Todesfälle, sondern auch die schweren Verläufe, die dadurch entstehende Belegung der Krankenhäuser und das dadurch bedingte Herunterfallen anderer Patienten, das hat man schon in der ersten Welle gesehen und ist ein weiterer Grund für die gestiegene Übersterblichkeit. Das Szenario unserer Nachbarländer droht uns in den nächsten Wochen auch, da sich auch wieder ältere Menschen infizieren. Natürlich ist "Katastrophe" subjektiv und hoffentlich bald nicht mehr zutreffend, ich sehe es aber im Moment so.

Schlussendlich: Ein wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Diskurs zu diesem Thema ist essentiell. Dafür muss man sich aber auf einer gemeinsamen Basis bewegen und gewisse Standards anerkennen. Das tun, um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren, die Autoren des Flugblatts der Ärzte für Aufklärung und ähnlicher Publikationen eben definitiv nicht und das geht nur in einer Gedankenwelt (es sind ja zumindest beim Flugblatt offensichtlich Ärzte), in der man wesentliche Inhalte seiner medizinischen und wissenschaftlichen Ausbildung ausblendet.
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 15. Oktober 2020, 00:47

Ungesunde Naivität ist leider wahrlich keine Seltenheit unter den Menschen

Sehr geehrter Herr Haegele,

"Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt?" (Whilhelm Busch)

in diesem Sinne vielen Dank für Ihre Hinweise, doch mich erschreckt es ebenfalls immer wieder auf´s Neue, mit welchem Selbstverständnis und Gleichmut, die Entscheidungen und Äußerungen der Bundesregierung oder die der von Ihr finanzierten Sprachrohre einfach uneingeschränkt als seriös oder von Haus aus als vollends glaubwürdig eingestuft werden. Ich möchte Sie auch darauf hinweisen, das ich mit Nichten ein Laie in dem Sinne bin, aber auch keinerlei Veranlassung dafür sehe, meinen Argumenten mit vorgeschobenen akademischen Errungenschaften Nachdruck zu verleihen. Ich versuche jedoch, die von mir angebotenen Informationen für ALLE verständlich aufzubereiten und darzustellen, egal ob nun beim Leser eine naturwissenschaftlich-medizinsche Vorbildung vorhanden ist oder auch nicht.

Zu Ihren Ausführungen:

1. Bitte benennen Sie mir nur EINE wissenschaftlich-medizinisch haltbare und sachlich-fachlich Analyse bzg. der "Corona-Krise", der von Ihnen als "seriös" beschrieben Medien (Quellen).

2. Ob eine Person (Quelle) als glaubwürdig oder nicht bezeichnet werden kann, hat rein gar nichts damit zu tun, ob man nun z.b. etwa Youtube nutzt um sich zu äußern. Auch wissenschaftliche Superschwergewichte wie u.a. ein Prof. Ioanidis (Standford) oder Prof. Martin Kulldorff (Harvard), Prof. Sunetra Gupta (Oxford) und Prof. Jay Bhattacharya (Stanford) nutzen Möglichkeiten wie Youtube, um sich überhaupt Gehör zu verschaffen. Wir befinden uns technologisch gesehen inzwischen bekanntlich bereits im 21 Jahrhundert und vielmehr sollten daher also die gemachten Aussagen dieser Wissenschaftler im Mittelpunkt stehen und nicht die Plattform, über welche Sie versuchen diese zu vermitteln. Für Sie dazu u.a. zum Einstieg >>> https://gbdeclaration.org/die-great-barrington-declaration/

3. Die von Ihnen gewählte Bezeichnung "Katastrophe", wird von KEINER einzigen infektionsepidemiologisch relevanten Kennziffer auch nur ansatzweise gestützt! Auch die WHO hat inzwischen selbst "ungewollt" eingeräumt, das die IFR global gesehen 0,14% entspricht, was im Bereich der saisonalen Influenza und weit unter dem einer pandemischen Influenza liegt. (https://www.aerzteblatt.de/forum/137928#entry137928)

Ich bitte Sie daher in Zukunft darauf hinzuarbeiten, mit weniger rein subjektiven Wahrnehmungen und dafür deutlich mehr an fachlich-sachlichen Informationen zu argumentieren.

Danke!

Mit freundlichen Grüßen
André B.
Avatar #748250
Julian_Haegele
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 21:40

Steile Thesen

@Herrn Arndt: Das Flugblatt war verlinkt und ist nun auch abgedruckt
@Asklepion: Es wird klar auf den §25 der Berufsordnung Bezug genommen (hier gilt übrigens dann auch der §278 des StGB, das gilt auch für Gefälligkeitsatteste anderer Art, z.B. Impfpflichtvermeidung) und auch klar gesagt, dass die Falschinformation "berufsethisch" sicher ehrenrührig ist, aber berufsrechtlich schwer zu ahnden ist.
@Andre B.: Es gibt genug auch für Laien gut aufgearbeitete Statistiken und regelmäßig Artikel in seriöser Presse und Institutionen, die zu den Fragen Stellung nehmen (z.B. Sueddeutsche Zeitung, WDR, NDR, Spiegel usw.) und auch Podcasts verschiedener Virologen, die für Laien zu verstehen sind. Dafür muss man sich natürlich darauf einlassen, seriöse Medien und Wissenschaftler auch als solche anzuerkennen und nicht als Lügenpresse oder staatlich gesteuert oder sonst irgendwie zu diffamieren, nur weil Sie nicht die Meinung der "Experten" auf Youtube, Facebook, Telegram oder ähnlichen "Wissenschaft- und Expertenportalen" teilen.

Es erstaunt und erschreckt mich immer wieder, wie gerne die Thesen Halbseidener oder selbst ernannter "Experten" angenommen werden, aber die Beiträge von wirklichen Experten oder wissenschaftlichen Institutionen sofort angezweifelt und einer ungleich kleinlicheren, mit oft abwegigen Argumenten unterlegten Prüfung unterzogen werden. Die Pandemie (ja es ist wirklich eine) läuft jetzt lange genug, dass es genug seriöse (!) Forschung zum Virus, seiner Verbreitung, Übertragung, Diagnose und Behandlung, ja sogar der Prävention gibt, die eine Strategie zur Bekämpfung ermöglichen.

Dass die Regelungen der Politik nicht immer sinnhaft sind, der Föderalismus oft hinderlich erscheint und darüber gestritten werden und teils juristische Klärung zu Wahrung der Grundrechte erfolgen muss, ist völlig klar und sollte so sein. Diese Flugblatt und ähnliche Publikationen ist jedoch voll von (sicher bewussten) Falschaussagen und konterkariert jegliche Versuche, dieser Katastrophe Herr zu werden. Man möchte fast sagen, wenn Ihr hier so unzufrieden mit dem Management der Pandemie seid, schaut und geht in die USA, wo vom POTUS praktisch alle "These", die links unter Fake Pandemie stehen, sicher unterschrieben werden würden.
Avatar #745246
Andre B.
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 11:53

Gewagte Formulierungen

Aufgrund der inzwischen von vielerlei Seiten geäußerter Kritik, bezüglich u.a. der wissenschaftlichen Darstellung der Zahlen und der Gesamtlage in der "Corona-Krise" durch das RKI, empfinde ich folgende Textstellen als gewagt und zumindest weiterhin äußerst fragwürdig.

"„Diese Art der Desinformation hat eine neue Qualität“, wird Gesundheitsrat Falko Liecke in der Mitteilung zitiert. „Bisher kursierten solche Irreführungen in den sozialen Medien. Jetzt kommen sie ungebeten in Neuköllner Briefkästen.“ Er appelierte an die Bürger, sich umfassend auf seriösen Websites zu informieren, etwa auf dem Internetauftritt des Robert Koch-Instituts."

Seriosität vermittelt man nicht über eine Webseite, sondern mit einem ehrlichen und sachlichen Umgang mit der Öffentlichkeit. Mir tut es nur für die sicherlich vielen guten Ärzte und Wissenschaftler leid, die beim RKI wirklich eine gute Arbeit leisten bzw. bisher geleistet haben, aber aktuell zur stummen Teilhabe verdammt sind. Doch die Hand die einen füttert, die beißt man anscheinend auch in der Wissenschaft oft leider zu selten.
Avatar #789658
2haeschen
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 11:30

@wilhem

Den Inhalt werde ich mir ansehen, danke für den Hinweis.

Wissen Sie Wilhem, auch eine Phase-3-Studie wird keine Sicherheit bringen. Man wird (wahrscheinlich) feststellen, dass der Nutzen für die Allgemeinheit höher ist, als das Risiko für den Einzelnen. Das würde genügen und das sollte man auch wissen.

Es ist auch nicht allein das Restrisiko, denn das gibt es tatsächlich (mit und ohne Impfg. im Übrigen). Es ist die fehlende Diskussion bei diesem Thema.

Ich habe bereits an anderer Stelle bemängelt, dass es nicht einmal für jeden nachvollziehbar ist, wie genau derartige Studien durchgeführt werden.

Werden (oft junge) Menschen nach ihrem Befinden befragt?

Ich würde mich freuen, wenn Sie mich dahingehend aufklären könnten.

Avatar #760158
wilhem
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 10:39

@2haeschen: Das Flugblatt

ist im Text anklickbar...und die Impflicht hat Spahn gestern abgelehnt:

Sicherheit hat laut Spahn obere Priorität. „Wir verlangen Phase-3-Studien“, bekräftigte er. Dabei werden Wirkstoffe an vielen Menschen erprobt. „Dieser Impfstoff braucht sehr ho­hes Vertrauen.“ Eine Impfpflicht lehnte Spahn erneut ab: „Nein, es wird ein Impfan­gebot.“

Sorgen machen kann man sich natürlich dennoch...nur die Behauptungen im Flugblatt sind auch nicht belegt. Wenn dies Flugblatt behaupten würden, es sei eine Pandemie, hätten Sie auch nicht geschrieben.....das Problem ist eher, dass man nur shcwarz oder weiß sieht, von beiden Seiten....
Avatar #789658
2haeschen
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 10:34

„Wir werden ge­gen jeden Einzelfall berufsrechtlich vorgehen“

Es entwickelt sich zur Normalität, dass jeder mit eigener Meinung unter Beschuss steht, schlimmer noch, unter Beobachtung.

Der Leser hier kennt den Inhalt der Flugblätter natürlich nicht. Für mich persönlich kann ich nur erahnen, was darin stehen könnte. Und ich weiß nun als Leser des Artikels lediglich, dass der Inhalt wohl falsch sein muss.

EIN Zitat aus o. g. Artikel: "Zudem ignorierten die Verfasser bewusst, dass die Bun­desregierung eine Impfpfl. im Fall von COVID-19 bereits mehrfach ausgeschlossen habe."

Darüber nachzudenken / sich Sorgen zu machen, macht in Anbetracht von §20 IfSG Sinn. Vor 2 Tagen erst stand hier im DÄ ein Artikel dazu und ich fragte mich, ob ich etwas verpasst hätte als der Ethikrat sich zur Frage einer möglichen Impffl. äußerte ...

Steht sie im Raum / stand sie im Raum ... warum äußerte sich der Ethikrat ...

Wo wird es hinführen, wenn wir aufhören miteinander zu diskutieren?
Avatar #653267
asklepion
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 10:01

Ich schliesse mich Herrn Arndt an

Der Artikel lässt einen im Unklaren welche Berufsrechtlinien verletzt worden seien. Zudem steigt laut einem Fokus-Artikel die allgemeine Unzufriedenheit in der Bevölkerung über die Art und Weise in der Bundes- und Landesregierungen mit Corona umgehen. Das Land Berlin ist dabei Spitzenreiter der Unzufriedenheit, gefolgt von Bremen. Und die Meinung eines Kollegen Jonitz (meines Wissens nach KEIN ausgewiesener Corona-Experte) dürfte rein politisch motiviert sein.
Avatar #845326
Ernst Moritz Arndt
am Mittwoch, 14. Oktober 2020, 09:18

Artikel ungenügend

Was ist denn das für ein inhaltsleerer Artikel? Warum drucken Sie das Flugblatt nicht ab, damit jeder sich selbst eine Meinung machen möge? Das sollte der Gegenstand der Diskussion sein und nicht irgendwelche Beschuldigungen.

Wo ist das Niveau? Was sind denn das für Methoden? Jeder halbwegs begabte Mensch wird sich nun frage, was es da wohl zu verbergen gibt, wenn noch nicht einmal die Quellen bereitgestellt wird.
LNS

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