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Medizin

Kasus: Zweite Infektion mit SARS-CoV-2 führte zu schwererer Erkrankung

Dienstag, 13. Oktober 2020

/picture alliance / Hollandse Hoogte

Reno – Dass ein junger Mann aus dem US-Staat Nevada binnen 48 Tagen ein zweites Mal an COVID-19 erkrankt ist, führen US-Mediziner in Lancet Infectious Diseases (2020; DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30764-7­) auf Unterschiede im Genom der beiden Viren zurück. Der vierte dokumentierte Fall einer Reinfektion wirft Fragen zur Immunität nach einer SARS-CoV-2-Infektion und zur Aussicht auf einen wirksamen Impfstoff auf.

Mediziner der Reno School of Medicine hatten bereits am 27. August über den 25-jähri­gen Mann aus dem Washoe County im US-Bundesstaat Nevada berichtet. Der Patient, der keine bekannte Abwehrschwäche hatte, war am 25. März mit den typischen Symptomen einer Virusinfektion (Rachenentzündung, Husten, Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall) erkrankt. Am 18. April war ein Abstrich positiv auf SARS-CoV-2 ausgefallen. Die Viruslast war mit einem Ct-Wert von 35,24 relativ gering.

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Der Patient erholte sich in Quarantäne. Zwei Kontrollabstriche am 9. und 26. Mai waren negativ. Am 28. Mai erkrankte der Mann erneut. Am 5. Juni fiel ein PCR-Abstrich positiv aus. Der Ct-Wert von 35,31 deutete erneut auf eine geringe Viruslast hin. Doch der Pa­tient erkrankte dieses Mal schwerer als beim ersten Mal. Er litt unter Atemnot und wurde zwischenzeitig mit Sauerstoff behandelt. Mittlerweile soll er sich von der Erkrankung er­holt haben.

Vermutlich mit verschiedenen Viren infiziert

Der Genomvergleich, dessen Ergebnisse ein Team um Mark Pandori von der Reno School of Medicine jetzt vorstellt, zeigt, dass der Mann sich vermutlich mit unterschiedlichen Vi­ren infizierte.

Sie gehören zwar beide zum gleichen Stamm (Clade 20A), doch die Abweichungen sind zu groß, als dass das Virus der zweiten Infektion sich durch Spontanmutation aus dem ersten hätte entwickeln können. Gegen die Persistenz einer latenten Infektion sprechen auch die beiden negativen PCR-Tests im Zeitraum zwischen den beiden Erkrankung.

Allerdings wurden nach der ersten Infektion keine Antikörpertests durchgeführt, so dass unklar bleibt, ob es nach der ersten Infektion zu einer Immunität gekommen ist, was aber anzunehmen ist.

Warum die Antikörper dann die zweite Infektion nicht verhindern konnten, ist unklar. Aus der Genomanalyse des Virus lässt sich nicht auf die Art der Immunantwort schließen. Die Antikörper, die nach der ersten Infektion gebildet wurden, könnten gegen einen Teil des Virus (Epitop) gerichtet gewesen sein, der beim zweiten Virus fehlte. Dies ist jedoch eine Spekulation. Nach der zweiten Infektion wurden Antikörper nachgewiesen.

Der Patient aus Reno ist der vierte bekannte Fall, in dem sich Menschen zweimal mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Die anderen Fälle waren in Hongkong, Belgien und Ecuador aufgetreten (ein weiterer Fall aus den Niederlanden ist bisher nicht publiziert). Der Pa­tient aus Hongkong blieb bei der Reinfektion asymptomatisch. Bei der Patientin aus Belgien verlief die Erkrankung milder. Die beiden Patienten aus Ecuador und den USA erkrankten schwerer.

Ursache für die Reinfektionen ist unklar

Die Ursache für die Reinfektionen ist nach Ansicht des Editorialisten Akiko Iwasaki von der Yale Universität in New Haven/Connecticut unklar. Eine Möglichkeit wäre, dass es bei einigen Patienten nach einer Infektion nur zu einer schwachen Immunantwort kommt, schreibt der Forscher in einem Editorial. Keiner der vier Patienten hatte eine Immun­schwäche, die dies erklären könnte.

Bei den Patienten aus Hongkong fiel ein Antikörpertest zwischen den beiden Infektionen negativ aus. Bei dem Patienten aus Ecuador wurden lediglich IgM-, aber keine IgG-Anti­körper gefunden. Die Datenlage ist nach Einschätzung von Iwasaki zu schwach, um zu klären, ob Fehlleistungen des Immunsystems für die Reinfektionen verantwortlich sind.

Die vier Fälle deuten für Iwasaki jedoch darauf hin, dass eine Immunität nicht notwen­digerweise vor einer weiteren Infektion schützt. Dies wirft natürlich Fragen zur Effektivi­tät einer Impfung auf.

Wenn sich das Virus durch Mutationen den Antikörpern entzieht, könnte auch eine Im­pfung nur von kurzzeitiger Wirkung sein. Bisher sieht Iwasaki jedoch keine Hinweise für eine derartige Immunevasion.

Eine weitere interessante Frage ist, ob Personen, die ein zweites Mal erkrankt sind, ande­re Menschen anstecken könnten. Die hohen Ct-Werte (die eine niedrige Virusmenge an­zeigen), sprechen nach Ansicht von Iwasaki eher dagegen.

Wie häufig das Phänomen einer Reinfektion und Zweiterkrankung ist, lässt sich aus ein­zelnen Fallberichten nicht schließen. Zwei in den letzten Tagen in Science Immunology publizierte Studien haben jedoch ergeben, dass die meisten Patienten nach einer Infek­tion über mindestens 3 Monate genügend Antikörper bilden, um eine Reinfektion abzu­wehren. © rme/aerzteblatt.de

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