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Ausland

Frankreich verhängt wieder Ausgangssperren

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Ein TV-Interview mit Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, wird auf mehreren Monitoren übertragen. /picture alliance, AFP, Christophe Archambault

Paris – Wegen der massiv steigenden Zahlen an Infektionen mit SARS-CoV-2 verhängt Frankreich erstmals seit dem Frühjahr wieder Ausgangssperren in großen Städten. Grund­lage für die Verschärfung ist ein landesweiter „Gesundheitsnotstand“, der ab Freitagnacht wieder in Kraft tritt. Er war auch Grundlage für den landesweiten Lockdown zwischen März und Mai.

In Paris und acht weiteren Hotspots dürfen die Bürger ab diesem Wochenende das Haus zwischen 21 Uhr abends und sechs Uhr morgens nur noch in Ausnahmefällen verlassen, wie Präsident Emmanuel Macron gestern Abend im Fernsehen ankündigte.

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Die Lage sei „besorgniserregend“, betonte Macron in dem 45-minütigen Interview mit den beiden größten Fernsehsendern TF1 und France 2. Dennoch sei er überzeugt: „Wir schaff­en das.“ Die Ausgangssperre gilt nach seinen Worten für vorerst vier Wochen im Groß­raum Paris sowie in den Ballungsräumen von Grenoble, Lille, Lyon, Marseille, Rouen, Saint-Etienne und Toulouse.

Bürger dürfen das Haus nach Macrons Worten abends und nachts nur noch aus „triftigen Gründen“ verlassen, etwa für Fahrten zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 135 Euro. „Deutschland greift schon jetzt zu ähnlichen Maßnahmen“, sagte Macron unter Verweis auf die geplanten Sperrstunden für die Gastro­nomie in Berlin und anderen Städten – dabei seien die Infektionszahlen dort noch deutlich niedriger.

Die neue Anordnung trifft viele Branchen hart: unter anderem Restaurants, Theater, Ki­nos, Konzertsäle sowie Supermärkte, die spät geöffnet sind. Bars, Cafés und Fitnessstu­dios mussten in Hotspots bereits zuvor schließen. Dennoch gingen die Ansteckungszah­len nicht wie erhofft zurück.

„Wir müssen die privaten Kontakte beschränken, die am gefährlichsten sind“, betonte Macron. Er riet den Bürgern dazu, nicht mehr als sechs Freunde oder Angehörige zu sich einzuladen. „Man geht nicht mehr zu Freunden, man macht keine Partys mehr“, belehrte er vor allem junge Menschen, bei denen die Ansteckungen dramatisch zunehmen. Darü­ber hinaus rief der Präsident die Bürger zu „zwei bis drei Tagen Homeoffice pro Woche“ auf.

Anders als Deutschland verzichtet Frankreich auf das umstrittene Mittel von Reisebe­schränkungen im eigenen Land. „Wir hindern die Menschen nicht daran, in den Urlaub zu fahren“, versicherte Macron wenige Tage vor Beginn der Herbstferien am kommenden Montag.

Vor allem in Paris hatte sich die Lage zuletzt massiv verschlechtert. Die Zahl der Neuan­steckungen stieg laut den Gesundheitsbehörden auf 422 pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche – mehr als das Achtfache des Warnwerts von 50, der in Berlin und anderen deutschen Städten zuletzt überschritten wurde. Bei jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren liegt die Inzidenz sogar bei 800.

Auch die Krankenhäuser in Paris und anderen Städten schlagen Alarm. In der Hauptstadt sind bereits fast 45 Prozent der Intensivbetten mit Coronakranken belegt, bis Monatsende könnten es 90 Prozent sein. Auch Personalmangel macht den Kliniken zu schaffen. Für heute haben die Gewerkschaften das Pariser Krankenhauspersonal zum Streik aufgerufen.

Am Wochenende war die Zahl der Neuinfektionen auf einen Tageshöchststand von fast 27.000 gestiegen. Frankreich ist mit fast 33.000 Todesfällen im Zusammenhang mit COVID-19 nach absoluten Zahlen eines der am stärksten betroffenen Länder in Europa. © afp/aerzteblatt.de

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