NewsAuslandNiederlande: Notaufnahmen zeitweise geschlossen, Bettensuche in Deutschland
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Niederlande: Notaufnahmen zeitweise geschlossen, Bettensuche in Deutschland

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Die Zahl der Patienten auf Intensivstationen steigt in den Niederlanden. /picture alliance, ANP, Marco de Swart

Den Haag – Durch die Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 ist die Gesundheitsver­sor­gung in den Niederlanden gefährdet. In Amsterdam, Rotterdam und Den Haag muss­ten die Notaufnahmen von Krankenhäusern bereits zeitweilig geschlossen werden, wie der Leiter des Netzwerkes Akute medizinische Versorgung, Ernst Kuipers, dem Parlament in Den Haag mitteilte.

Weil alle Betten belegt waren und zu wenig Personal zur Verfügung stand, mussten Erste-Hilfe-Abteilungen für mehrere Stunden schließen und Krankenwagen Patienten in andere Krankenhäuser oder Städte bringen.

Anzeige

In Krankenhäusern und auf Intensivstationen in den Niederlanden nimmt die Zahl der COVID-19-Patienten indes schnell zu. Die Regierung verschärfte die Maßnahmen und verhängte einen „Teil-Lockdow“.

Trotz der neuen Maßnahmen rechnen die Krankenhäuser damit, dass bis November im günstigsten Fall 40 Prozent der regulären Versorgung gestrichen werden müsse. Sollten die Maßnahmen nicht greifen, wird im schlimmsten Fall mit einer Reduzierung von 75 Prozent gerechnet.

„Dann bleibt neben der COVID-19-Pflege nur noch die Erste Hilfe übrig“, sagte Kuipers. Die Situation sei im Vergleich zur ersten Welle „düsterer“. Krankenhäuser strichen bereits Hunderte von Operationen und hätten zahlreiche Behandlungen abgesagt.

Patienten aus den Niederlanden in Münster behandelt

Der WDR berichtete bereits in der vergangenen Woche, dass sich die Universitätsklinik in Münster zum zweiten Mal darum kümmert, dass Coronapatienten aus den benachbarten Niederlanden auf Krankenhäuser in ganz NRW verteilt werden. Darum habe die nieder­ländische Regierung gebeten, weil die Zahl der Infizierten im Nachbarland stark steige, so der WDR.

Bis zum 8. Oktober hat die Uniklinik Münster dafür 400 Krankenhäuser in NRW ange­schrie­ben. Rund 60 Intensivbetten stünden bereits für niederländische Patienten bereit. Bislang seien aber noch keine Patienten nach Deutschland verlegt worden, hieß es.

Besorgt über die Entwicklung in Europa zeigte sich heute der CDU-Europaabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten) Peter Liese. Der Arzt warnte eindringlich davor gewarnt, die Gefahr des Coronavirus weiter zu verharmlosen.

„Ich bin wirklich wütend über diejenigen, die immer noch behaupten, Corona sei nicht schlimmer als eine Grippe und die die Gefahr einer zweiten Welle herunterspielen“, sagte Liese heute. „Wer jetzt immer noch meint, feiern sei wichtiger, als sich und andere zu schützen und die Maske sei ein unzumutbarer Eingriff, der hat einfach nicht verstanden, was passiert.“

Liese zeigte sich vor allem „schockiert“ über die dramatische Entwicklung der Zahlen in Deutschland und den Nachbarländern. Die Kapazitäten zur Behandlung von Coronapa­tien­­ten seien in vielen Nachbarländern schon am Limit. Belgien, Spanien, Tschechien und Frankreich hätten echte Engpässe in der medizinischen Versorgung.

Es bestehe die Gefahr, dass sowohl Coronapatienten als auch Pa­tienten, die an anderen Erkrankungen leiden würden, nicht mehr richtig behandelt werden könnten. Die Nieder­lan­de hätten sogar schon angefragt, ob sie erneut Patienten nach Deutschland schicken könnten.

In der vergangenen Woche waren in den Niederlanden fast 44.000 Neuinfektionen regis­triert worden – 60 Prozent mehr als in der Vorwoche und 252 pro 100.000 Einwohner. Seit gestern gilt ein „Teil-Lockdown“ – Bars, Cafés und Restaurants müssen schließen und dürfen Speisen und Getränke nur noch zum Mitnehmen anbieten.

Zwischen 20 Uhr und 7 Uhr dürfen kein Alkohol und Cannabis mehr verkauft oder öffent­lich konsumiert werden. Die Niederländer dürfen nur noch drei Besucher pro Tag bei sich zu Hause empfangen. Zudem gilt künftig in öffentlichen Räumen eine Maskenpflicht.

Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten weisen die Niederlande derzeit die dritthöchste Rate an Neuinfektionen pro 100.000 Menschen in Europa auf. Nur in Tschechien und Belgien sind die Zahlen höher. © afp/dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Oktober 2020
Berlin – Angesichts der Vielzahl von SARS-CoV-2-Infizierten in Berlin setzen die Behörden bei deren Isolation und der Nachverfolgung ihrer Kontakte auf eine neue Strategie. Aufgrund der pandemischen
Berlin steuert im Kampf gegen Coronavirus um
23. Oktober 2020
Berlin – Bei der Bekämpfung der Coronapandemie ist aktuell schnelles Handeln gefordert. Dementsprechend befürwortet die Interessenvertretung der Innungskrankenkassen (IKK) das in der derzeitigen
IKK fordert bei Pandemiebekämpfung mehr Mitspracherecht des Bundestags
23. Oktober 2020
Wiesbaden – Zu wenige Pflegekräfte sind der Engpass bei der Betreuung schwer betroffener COVID-19-Patienten – Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat deswegen nun Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens
Klose: Pflegekräfte „entscheidender Engpass“ auf Intensivstationen
23. Oktober 2020
Berlin – Nach dem jüngsten Anstieg der SARS-CoV-2-Neuinfektionen in Deutschland haben mehrere Landesregierungen die Bürger eindringlich aufgerufen, die Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. „Ich glaube, das
Landeschefs rufen zur Einhaltung der Coronamaßnahmen auf
23. Oktober 2020
Berlin – Fast ein Drittel der Deutschen spricht sich einer Umfrage zufolge für noch härtere Coronamaßnahmen aus. 30 Prozent der Befragten gehen die bestehenden Maßnahmen nicht weit genug, wie aus dem
Umfrage: Fast ein Drittel für härtere Coronamaßnahmen
23. Oktober 2020
Berlin – Bereits jetzt wird die Einführung einer Impfung gegen SARS-CoV-2 planerisch vorbereitet. Wissenschaftler, Ärzte und auch Ethiker verständigen sich derzeit über eine transparente und allgemein
„Bei Priorisierungsentscheidungen müssen ethisch relevante Faktoren abgewogen werden“
23. Oktober 2020
Berlin – Die Erwartungen sind immens: Von einem oder mehreren COVID-19-Impfstoffen erhofft sich die Weltgemeinschaft die Eindämmung der Pandemie, das Individuum die Rückkehr in einen „normalen“
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER