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Ärzteschaft

Zu wenig leitliniengerechte Augenarzt­kontrollen bei Diabetes

Montag, 19. Oktober 2020

/max dallocco, stockadobecom

Berlin – Eine diabetische Retinopathie entwickelt sich lange Zeit unbemerkt. Zu Sehstö­rungen kommt es erst, wenn die Netzhaut des Auges bereits behandlungsbedürftige Schäden aufweist. Regelmäßige Augenarzttermine gehören zu einer leitliniengerechten Diabetestherapie dazu, werden jedoch zu selten umgesetzt, kritisierte die Deutsche Dia­betes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld ihrer diesjährigen Herbsttagung.

In Deutschland hat rund jeder Vierte mit Diabetes Typ 1 eine Retinopathie – beim Dia­be­tes Typ 2 ist etwa jeder Sechste betroffen: „In Studien hat sich jedoch gezeigt, dass be­reits rund 30 Prozent aller neudiagnostizierten Typ-2-Patienten Veränderungen an der Retina aufweisen“, erklärte Klaus Dieter Lemmen, Sprecher der DDG-Arbeitsgemeinschaft „Diabetes und Auge“.

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Umso wichtiger sei es, die vorgesehene augenärztliche Untersuchung bei der Neudiagno­se eines Typ-2-Diabetes einzuhalten. Nach Aussagen der DDG findet diese Untersuchung jedoch nur bei einem Drittel aller Patienten statt. Selbst zwei Jahre nach Diagnose der Diabetes sei noch immer erst die Hälfte der Patienten einem Augenarzt vorgestellt wor­den.

In der Regel sehen die Leitlinien ein Vorsorge-Screening-Intervall von einem bis zwei Jahren vor. Diese Termine werden jedoch laut DDG von bis zu 30 Prozent der Diabetes­patienten nicht eingehalten. „Damit wird eine Chance vergeben, Netzhautschäden früh­zeitig zu erkennen und zielgerichtet zu behandeln“, mahnte Lemmen.

Einmal eingetretene Schäden seien kaum reversibel. Durch eine rechtzeitige Therapie mittels Laserbehandlung, Medikamenteninjektionen und mikrochirurgische Eingriffe könne der Sehverlust dagegen in vielen Fällen gebremst oder gar gestoppt werden. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #722321
Hennighausen
am Montag, 19. Oktober 2020, 22:48

Retinopathie in den letzten 20-30 Jahren zurückgegangen

Das Ergebnis der zitierten Studie, dass "be­reits rund 30 Prozent aller neudiagnostizierten Diabetes-Typ-2-Patienten Veränderungen an der Retina aufweisen“, kann ich aus der Erfahrung in meiner Praxis der letzten 20 Jahre, an der Westküste Schleswig-Holsteins, nicht bestätigen. In den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts war die diabetische Retinopathie noch recht häufig, Anfang der 90-er Jahre hat sie eindeutig abgenommen, damals begannen die Patienten damit, selber den Blutzucker zu messen - zu dieser Zeit lebte und arbeitete ich in Oberhessen. Möglicherweise handelt es sich um eine ältere Studie oder es gibt möglicherweise auch regionale Unterschiede (regionale Unterschiede in der Lebensweise sind ja bekannt; so ist Hamburg nach meinem Kenntnisstand die Stadt mit der höchsten Rate an Fitness-Center-Besuchen) vielleicht wird auch regional unterschiedlich oft getestet. In Dithmarschen, an der Westküste Schleswig-Holsteins, wo ich seit 20 Jahren tätig bin, sehe ich nicht wenige Patienten, die zur Funduskopie wegen ihres Diabetes kommen, aber nur wenige haben diabetische Netzhautveränderungen.
(Einem früheren Kreispräsidenten Dithmarschens wurden die Worte zugeschrieben: "Ein Dithmarscher ist entweder zwei Meter groß oder zwei Zentner schwer oder beides".)
LNS

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