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Medizin

Signalwirkung für SARS-CoV-2? FDA lässt Antikörpercocktail für Ebola zu

Freitag, 16. Oktober 2020

picture alliance / dpa

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Antikörpercocktail der Firma Regeneron zur Behandlung von Ebola-Erkrankungen zugelassen. Der Hersteller hofft auf eine Signalwirkung für ein auf die gleiche Weise hergestelltes Präparat, das in einer Studie die Viruslast von ambulanten Patienten mit COVID-19 gesenkt hat.

Antikörper sind eine effektive Waffe des Immunsystems gegen Krankheitserreger. Sie stehen im Körper allerdings erst mit einer zeitlichen Verzögerung von 1 bis 2 Wochen zur Verfügung. In diesem Zeitraum sind die meisten Patienten, die sich mit dem Ebolavirus infiziert haben, bereits gestorben. Eine frühzeitige therapeutische Gabe von Antikörpern könnte diese Lücke füllen.

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Die Behandlung kann als Serumtherapie mit dem Blut der wenigen Patienten durchge­führt werden, die ein Ebolafieber überlebt haben. Eine Alternative besteht in der Behand­lung mit monoklonalen Antikörpern, die heute rekombinant in Zellkulturen oder Bakteri­en in größerer Menge hergestellt werden können. Sie ermöglichen im Prinzip eine geziel­tere und auch höher dosierte Therapie als bei der Serumtherapie (deren Ergebnisse eher bescheiden ausfielen).

Ein Nachteil der monoklonalen Antikörper besteht darin, dass sie den Erreger nur an einer bestimmten Stelle (Epitop) fassen, während das Immunsystem meist Antikörper gegen verschiedene Epitope bildet. Dadurch wird verhindert, dass sich die Erreger durch Mutationen einem Zugriff entziehen.

Das Präparat Inmazeb (früher REGN-EB3) des Herstellers Regeneron enthält deshalb drei unterschiedliche Antikörper. Atoltivimab, Maftivimab und Odesivimab-ebgn greifen das Oberflächenprotein des Ebola-Virus wie das Immunsystem an verschieden Stellen an.

Dieses Konzept hat sich in der PALM-Studie bewährt, die im vergangenen Jahr während einer Ebolaepidemie im Kongo durchgeführt wurde. Von den drei eingesetzten Antikör­perpräparaten erzielte REGN-EB3 die beste Wirkung. Vor allem bei Patienten mit einer hohen Viruslast konnte die Sterblichkeit gegenüber dem Präparat eines anderen Her­stellers mit einem einzelnen Antikörper gesenkt werden.

Das Präparat ZMapp, das 2014/16 im Ebola-Ausbruch in Westafrika eingesetzt wurde, enttäuschte dagegen. ZMapp enthält zwar ebenfalls 3 Antikörper. Es ist aber möglich, dass das Zaire-Virus, das im letzten Jahr die Epidemie im Kongo ausgelöst hat sich vom Virus der westafrikanischen Epidemie unterschied. Dies könnte dazu geführt haben, dass die Antikörper nicht so gut „zugreifen“ konnten.

Der Hersteller Regeneron hat jetzt aufgrund der Ergebnisse der PALM-Studie in den USA die Zulassung zur Behandlung des Ebola-Fiebers erhalten (wenn es durch den Zaire-Stamm ausgelöst wird). Dies hat für den Hersteller den Vorteil, dass das US-Gesundheits­ministerium für den Notfall einen Vorrat des Medikaments anlegen wird. Benötigt wird das Mittel nicht, da es derzeit keine Ebola-Epidemie gibt.

Dass die Zulassung gerade jetzt mitten in der COVID-19-Pandemie erfolgt, kann ein Zu­fall sein. Von der Entscheidung könnte jedoch eine Signalwirkung ausgehen. Regeneron ist nämlich einer von zwei Herstellern, die ein Antikörper-Präparat gegen SARS-CoV-2 entwickelt haben und gerade klinisch testen. Der andere Hersteller musste seine Studie in dieser Woche wegen möglicher Sicherheitsprobleme unterbrechen.

Das Antikörperpräparat von Regeneron wurde dem Vernehmen nach auch zur Behandlung des US-Präsidenten eingesetzt. Regeneron verhandelt derzeit mit der FDA über eine „emer­gency use authorization“, die den Einsatz in schweren Fällen als Heilversuch er­möglichen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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