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Medizin

Simulator sagt 20.000 Infektionsfälle pro Tag in wenigen Wochen vorher

Freitag, 16. Oktober 2020

Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie der Universität des Saarlandes, erläutert die Grafiken aus den Berechnungen des Covid19-Online-Simulators. /Oliver Dietze

Saarbrücken – In Deutschland könnte es in zwei bis drei Wochen 20.000 neue Infektions­fälle mit SARS-CoV-2 pro Tag geben, wenn die Ansteckungsrate so hoch bleibt wie der­zeit. Zu diesem Ergebnis kommt ein von Saarbrücker Wissenschaftlern entwickelter On­linesimulator, der auf der Basis umfangreicher Daten präzise Ergebnisse für alle Bun­des­länder liefert.

Das dem Onlinesimulator zugrundeliegende mathematische Modell prognostiziert außer­dem, wie viele COVID-19-Patienten bald ins Krankenhaus müssen und wie viele eine in­tensivmedizinische Behandlung benötigen werden. Diese Informationen sollen der Politik und dem Gesundheitswesen als Entscheidungshilfe dienen.

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Die Datenbasis für die Prognosen ist breit: Neben den Erhebungen des Robert Koch-Insti­tuts sowie der Kreis- und Landesgesundheitsämter nutzt der Simulator beispielsweise auch die recherchierten CoronafFallzahlen der Berliner Morgenpost. Zudem werden klini­sche Daten von mehr als 8.000 hospitalisierten COVID-19 Patienten aus mehr als 100 deutschen Kliniken und verschiedene Angaben der Ge­sund­heits­mi­nis­terien ausgewertet.

„Wir analysieren zudem, wie sich die politischen Interventionen während der Pandemie auf das Infektionsgeschehen auswirken“, sagte Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes. „Aktuell verzeichnen wir leider einen star­ken Anstieg des R-Wertes, der für Deutschland aktuell auf 1,56 geschätzt wird.“ Damit sei auch bei der Krankenhausbelegung mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen.

„Wenn die Infektionslage so anhält wie derzeit, erwarten wir in einzelnen Bundesländern wie dem Saarland in zwei bis vier Wochen ähnlich viele COVID-19 Patienten auf den Nor­mal- und Intensivstationen, wie sie in Spitzenzeiten der ersten Welle Mitte April zu ver­zeichnen waren“, warnt Lehr, der zusammen mit seinem Team das mathematische Modell entwickelt hat, auf dem der Online-Simulator aufbaut.

Die Untersuchungen der Saarbrücker Forscher bestätigten, dass die Anzahl der Kranken­hauspatienten stark vom Alter der infizierten Personen abhängt. Derzeit sind vor allem jüngere Menschen infiziert, entsprechend niedrig ist auch die Zahl der hospitalisierten Patienten einschließlich der Intensivpatienten.

Versiebenfachung des Bedarfs an intensivmedizinsicher Betreuung

„Wir erwarten jedoch bereits in zwei bis drei Wochen eine Versiebenfachung der dann nö­tigen intensivmedizinischen Betreuung im Vergleich zum Sommer und gehen bundesweit von 200.000 COVID-19-Erkrankten aus, wenn die Infektionsraten so bleiben wie derzeit“, so Lehr. Dann werde es auch wieder eine stärkere Durchmischung mit älteren Bevölke­rungs­gruppen geben.

Selbst wenn es gelingen sollte, bis Anfang November die Reproduktionszahl wieder unter den Wert 1 zu drücken, sei dennoch bis Ende des Jahres bundesweit mit täglichen Fallzahlen von über 10.000 Infizierten zu rechnen, erklärt der Pharmazieprofessor. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #789658
2haeschen
am Sonntag, 18. Oktober 2020, 13:31

@Hortensie

Ich würde mir wünschen, dass wir davon abkommen, alles kontrollieren zu wollen oder zu müssen.

Ich sehe niemanden beim Einkaufen und im Bus ohne Maske...
Vielleicht wäre es so, wenn ich mich selber mehr um andere kümmern würde, als um mich selbst. Möglich.

Wir dürfen nicht vergessen, dass bis 2020 soetwas nie zur Debatte stand.

Wir haben uns aber auch nicht jeden Tag Gedanken um all die Gefahren gemacht, die es tatsächlich vorher schon gab und die es trotz Maske weiterhin gibt.

Vergessen Sie auch nicht, dass, wenn bei jemandem die Nase rausschaut, Sie selber ja auch noch eine Maske tragen und derjenige, der die Nase draussen hat, sie nicht unbedingt anhustet oder niest, denn Sie halten ja sicher Abstand?

Wenn jemand angeordnet hätte, wir müssten alle einen Overall zum Schutz tragen, hätten Sie jetzt Angst, wenn Ihnen jemand nur mit Mund/Nasenschutz begegnen würde?
Avatar #830245
Hortensie
am Sonntag, 18. Oktober 2020, 10:49

... und dennoch sieht man nirgendwo, dass kontrolliert wird

Man sollte z. B. das Tragen von Masken auch kontrollieren.
Ich sehe häufig Menschen, die die Maske unter der Nase tragen. Andere haben Masken, die so locker sitzen, dass man sich fragt, ob das viel bringt und diejenigen, die keine Masken tragen, haben vermutlich nicht alle ein Attest
Was ich vermisse sind Kontrollen.
Was nutzen die ganzen Maßnahmen, wenn die simpelsten Dinge wie das Tragen einer Maske nicht kontrolliert wird?
LNS

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