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Ärzteschaft

Schon jetzt zu wenig Hausärzte in Rheinland-Pfalz

Montag, 19. Oktober 2020

/dpa

Mainz – In Rheinland-Pfalz sind einer Untersuchung zufolge im vergangenen Jahr im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Stellen für Hausärzte unbesetzt geblieben.

Nach Einschätzung des Hausärzteverbandes wird sich die Situation weiter verschärfen. Dagegen kann nach Ansicht von Verbandschefin Barbara Römer nur ein ganzes Bündel von Maßnahmen helfen, allen voran mehr Medizinstudienplätze.

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In Rheinland-Pfalz gebe es einen sehr hohen Altersdurchschnitt bei den Hausärzten, sagte Römer. Etwa 42 Prozent der Kollegen seien 60 Jahre oder älter. „Da werden in den nächsten Jahren viele Hausarzt­sitze wegen Ruhestands wegfallen“.

Hinzu komme, dass Rheinland-Pfalz eher ein Flächenland mit vielen ländlichen Regionen sei. „Und gerade dort ist es eine große Herausforderung, Nachfolger zu finden“, sagte die Hausärztin, die im rheinhessischen Saulheim eine Gemeinschaftspraxis betreibt.

Zur Abhilfe gegen leere Arztpraxen in ländlichen Regionen hat die Landesregierung mit Beginn dieses Wintersemesters erstmals Medizinstudienplätze auch über die Landarzt­quo­te vergeben.

Die Regelung sieht vor, dass von den jährlich rund 430 Medizinstudienplätzen im Land etwa 27 an Personen gehen, die sich später zehn Jahre als Hausarzt in einem Gebiet mit aktueller oder künftig drohender Unterversorgung verpflichten.

Diese Quote sei ein „erster, richtiger Schritt“, findet die Vorsitzende des Hausärztever­ban­des. Aber der reiche bei weitem noch nicht aus. Zudem werde es noch viele Jahre dauern, bis die neuen Kollegen als Fachärzte ins Gesundheitssystem kommen.

„Die Quote ändert zudem nichts an der zu geringen Zahl an Medizinstudienplätzen in Rheinland-Pfalz. Wir benötigen einfach mehr Köpfe im System“, forderte Römer.

Neue Köpfe in der Medizin werden indes schon bald auch in Trier ausgebildet. Dort wird am 20. Oktober ein Medizincampus als Außenstelle der Mainzer Unimedizin eröffnet. Fortan werden dort Studierende das zehnte Fachsemester und anschließend ihr Prakti­sches Jahr absolvieren.

Um einen ausscheidenden Hausarzt zu ersetzen, seien laut Studien im Schnitt 1,7 Nach­folger nötig, erklärte Römer. Das habe auch mit der höheren Nachfrage nach Teilzeitar­beit und Anstellung zu tun.

„Es muss jetzt alles dafür getan werden, dass auch außerhalb der großen städtischen Zentren, beispielsweise in Eifel und Hunsrück, Interessenten gute Angebote gemacht werden“, forderte sie.

Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden wie beispielsweise ein erheblicher Bürokratieabbau und die Abschaffung von Regressrisiken, damit sich junge Kollegen für den Einstieg in der Hausarztmedizin auch in Zukunft begeistern ließen.

Eine Hausarztpraxis brauche auch im digitalen Zeitalter gut qualifizierte Fachärzte, die Verantwortung für ihre Patienten und Mitarbeiter übernehmen und den Qualitätsstandard der ärztlichen Versorgung sicherten, sagte Römer.

Sie sehe die Zukunft in Praxen mit hausärztlich tätigen Fachärzten, die gemeinsam mit ihrem multiprofessionellem Team und digitaler Unterstützung die ambulante Patienten­versorgung vor Ort sicherten.

Lücke besteht bereits

Eine vor rund vier Wochen bekannt gewordene Untersuchung hatte Lücken bei der Haus­arztversorgung in Rheinland-Pfalz offenbart. Demnach konnten im vergangenen Jahr bun­desweit 5,9 Prozent der geplanten Plätze für Niederlassungen nicht vergeben werden, in Rheinland-Pfalz waren es sogar 9,5 Prozent, wie aus einer Antwort der Bundesregie­rung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervorging.

Stadtstaaten wie Hamburg (0 Prozent) und Berlin (0,7 Prozent) waren dagegen deutlich besser mit Allgemeinmedizinern versorgt. Bundesweit blieben insgesamt 3.280 Nieder­lassungsmöglichkeiten für Hausärzte frei, bei Fachärzten waren es 1.933. © dpa/aerzteblatt.de

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