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Schnelle Sepsisdiagnostik in klinischer Prüfung

Dienstag, 20. Oktober 2020

Mit der automatisierten DNA-Isolation lassen sich bis zu 44 klinische Proben gleichzeitig aufbereiten. /Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfah­rens­technik IGB

Stuttgart – Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfah­rens­technik IGB haben ein diagnostisches Verfahren entwickelt, das bei einer Sepsis den Erre­gernachweis innerhalb weniger Stunden liefern soll. Das Verfahren ist laut dem Institut jetzt in der klinischen Prüfung.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 60.000 Menschen an einer Sepsis. Ist die Sepsis bakteriell verursacht, erhöht es die Überlebensrate laut dem Fraunhofer IGB signifikant, wenn der Erreger rasch bekannt ist und Ärzte gezielt antibiotisch therapieren können.

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In vielen Kliniken ist es gängige Praxis, Sepsiserreger mikrobiologisch nachzuweisen. Dabei werden sie aus Blutproben der Patienten im Labor vermehrt und anschließend analysiert.

„Von Nachteil ist hierbei allerdings nicht nur, dass das Ergebnis erst nach zwei bis fünf Tagen vorliegt, sondern dass auch die Nachweisrate dieser Technik gering ist: In der Re­gel liefert sie nur in zehn bis 30 Prozent der Fälle ein positives Ergebnis, das dem be­handelnden Arzt bei der Therapieentscheidung helfen kann“, hieß es aus dem Institut.

Forschende am Fraunhofer IGB haben ein alternatives diagnostisches Verfahren etabliert, das Erreger aller Art wesentlich schneller und zuverlässiger nachweisen soll. Es nutzt die Hochdurchsatzsequenzierung (Next-Generation Sequencing, NGS) des mikro­biellen Erb­guts aus einer Blutprobe der Patienten und hat laut den Wissenschaftlern eine fünf- bis sechsfach verbesserte Nachweisrate gegenüber den kulturbasierten Techniken.

„Dabei können in einem dreistufigen Prozess aus Probenvorbereitung, Sequenzierung und bioinformatischer Auswertung mit eigens entwickelten diagnostischen Algorithmen rele­vante Bakterien, Viren oder Pilze ohne langwieriges Kultivierungsverfahren innerhalb von 24 bis 30 Stunden nach der Blutabnahme eindeutig identifiziert werden“, so die Wissen­schaftler.

Das Verfahren eigne sich zudem nicht nur zur Sepsisdiagnose, sondern potenziell auch für andere Erkrankungen wie Endokarditis oder Liquorinfektionen. Zudem könnten Labor­ärzte in einer einzigen Untersuchung nicht nur die biologische Art des Erregers, sondern auch dessen Resistenzen gegenüber Antibiotika untersuchen.

„Nun testen wir unser Verfahren großflächig in der Klinik“, erläuterte Kai Sohn, Leiter des Innovationsfelds In-vitro-Diagnostik am Fraunhofer IGB. Dabei würden 500 Patienten in 20 Kliniken untersucht, berichtet er. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #591228
shah
am Freitag, 23. Oktober 2020, 15:07

Positivitätsrate von Blutkulturen

Bei klinischem Verdacht auf Sepsis und korrekter Vorgehensweise sind bis zu 63% der Blutkulturen positiv, d.h. es gelingt bei 63% der Patienten einen Erreger nachzuweisen. Werden jedoch Blutkulturen zum Ausschluss einer Sepsis, z.B. Fieber unklarer Genese oder Fieber bei Lyphom, beimpft, wird in den meisten Blutkulturflaschen kein Wachstum nachzuweisen sein. Siehe hierzu: Posititvitätsrate von Blutkulturen bei Sepsis, J Lab Med, 1997:21 (2), 120-121

Bei 500 Patienten dürfte es sich um eine Pilotstudie handeln.
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