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Umgang mit Corona: Wachsam, aber nicht panisch

Montag, 19. Oktober 2020

Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing. /picture alliance, ZUMAPRESS.com, Sachelle Babbar

Berlin – Mediziner warnen angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens und der Lage in deutschen Krankenhäusern vor Panik. „Wir sollten wachsam sein, aber nicht panisch“, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing, während einer Onlinepressekonferenz von Intensivmedizinern heute.

Grundsätzlich sei die Lage in den deutschen Krankenhäusern bis auf wenige regionale Ausnahmen vergleichsweise ruhig. Trotz neuer Rekordzahlen bei den Neuinfektionen in den vergangenen Tagen könnten die Bundesländer aktuell genügend Intensivbetten vor­halten.

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„Wir sind quasi fünf Wochen hinter dem, was wir zum Teil in unseren Nachbarländern sehen“, führte Wendtner weiter aus. Neben den Bettenkapazitäten müsse es aber auch „die Menschen hinter den Maschinen geben“. Entsprechendes Personal müsse einkal­ku­liert werden, um auch Patienten mit Nicht-Corona-Erkrankungen zu versorgen.

Es dürfe keiner „hinten runterfallen“. Außerdem betonte Wendtner, dass die Gesellschaft weiterhin mitgenommen werden müsse, da er bei vielen schon eine gewisse „Coronamü­digkeit“ feststelle.

Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), betonte, wie wichtig eine Herangehensweise ohne Panik sei. Das Frühjahr habe „uns alle ziemlich gerade gerückt“, sagte Janssens.

Seine Kollegen und er seien aber dennoch zuversichtlich: „Ich kenne keinen Einzigen, der sagt, das wird eine Katastrophe werden.“ Derzeit blicke man zwar mit Anspannung in die Zukunft. „Wir werden das aber mit Sicherheit schaffen“, betonte Janssens. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #831974
BB-DD
am Mittwoch, 21. Oktober 2020, 14:45

Wie versprochen, weitere Literatur

Hier ist der Link zu dem Artikel zur Intensivbettebelegung bei Influenza:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/08/Art_01.html

Leider ist es keine repräsentative Studie, sondern eher eine Zusammenfassung der Intensivbetten-Überwachung in einem Klinikverbund, so etwas wie der Vorläufer des DIVI-Registers, das seit April bundesweit verfügbar ist.
Dort gibt es zwar nur eine sehr begrenzte Datengrundlage, aber zur Orientierung kann es dienen.
Übrigens liefert "Zeit Online" eine gute Aufbereitung der DIVI-Daten (https://www.zeit.de/wissen/2020-04/coronavirus-intensivbetten-deutschland-auslastung-kapazitaeten-tagesaktuelle-karte), leider ohne Differenzierung nach den Intensiv-Stufen.
Beste Grüße.
Avatar #745246
Andre B.
am Dienstag, 20. Oktober 2020, 18:12

@BB-DD - Danke dafür!

Wirklich sehr interesssante und gut zusammengestelle Informationen!

Ich danke Ihnen!
Avatar #831974
BB-DD
am Dienstag, 20. Oktober 2020, 17:58

Hilfe für den Mitdenker

Schauen Sie mal bei der Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI in den Dokumentenpool. Da gibt es Jahrbücher, Jahresberichte, Studien zu bestimmten Saisons und vieles mehr. Es lohnt sich. Es gibt sicher beim RKI auch noch mehr lesenswertes incl. der Statistikdaten Survstat mit allen Krankheiten nach Woche sortiert und, z.B., die Vergleichsstudie zwischen Corona und anderen Atemwegserkrankungen der Grippesaisons 2015-2019 in den Sentinelkrankenhäusern (Epid Bull 2020;41:3–10 | DOI 10.25646/7111), die ich im Folgenden ebenfalls zu Rate ziehe.

Nehmen Sie sich z. B. die heftige Grippesaison 2017/18. In der 10. Kalenderwoche 2018 gab es in Deutschland fast 60000 nach Infektionsschutzgesetz (etwa 70/100000 Einwohner in 7 Tagen und 8500 pro Tag) gemeldete Influenzafälle - und die Leute waren ALLE krank, weil auf Influenza i.d.R. nur getestet wird, wer auch zum Arzt gehen muss oder ins Krankenhaus kommt. (Quelle: https://influenza.rki.de/Saisonberichte/2017.pdf) Nicht wie aktuell, wo nur bei 1/3 überhaupt bekannt ist, ob bzw. dass eine Krankheit vorliegt!
In dieser Saison 2017/18 gab es insgesamt 334000 nachgewiesene Influenzainfektionen (sprich richtig Kranke mit Nachweis, die Schätzung der AGI sagt 9 Mio influenzabedingte Arztbesuche und 5.3 Mio Arbeitsunfähigkeiten), verbunden mit 60000 (18%) Krankhauseinweisungen. Wenn wir das mal auf die KW 10/18 umrechnen und eben diesen Durchschnittswert zugrunde legen, dann sollten in dieser KW 10800 Menschen mit Influenza hospitalisiert worden sein.
Nehmen wir die o.g. Vergleichstudie Corona-Grippewelleerkrankungen her, um die Intensivstationslage abzuschätzen - was bei der Influenza wahrscheinlich zur Unterschätzung führt, da in die Studie alle akuten Atemwegserkrankungen eingerechnet sind: Korrigiert um die in der Studie außen vor gelassenen 17% Kinder, darf man von 32%(*0.83) = 27% Intensivpatienten, sprich von 3000 (Größenordnung Anfang April Corona) NEUEN Intensivpatienten mit Influenzainfektion in KW 10/18 ausgehen, von denen 1200 (14%*0.83 Beatmungsquote) oder mehr beatmet werden mussten. Wie gesagt, Grundlage der Rechnung sind Durchschnittswerte für ALLE Atemwegserkrankungen incl. Influenza. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Zahlen bei Influenza höher lagen. Aber als Diskussionsgrundlage mit Minimalabschätzung sollte es zunächst mal taugen.
Ich meine, ich hätte ein Dokument beim RKI gesehen, in dem auch die Intensivauslastung insgesamt in einer Grippewelle explizit abgedruckt war (Größenordnung 95%), wenn ich es noch finde, reiche ich die Information nach. Ansonsten, schauen Sie doch bitte selbst einmal nach. Die Kapazitätsgrenzen des Gesundheitssystems waren damals auf jeden Fall bestenfalls ausgeschöpft. Beste Grüße.
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 20. Oktober 2020, 12:49

Augenmass ist gefragt

Die spannende Frage hier ist die nach den Relationen u. der Verhältnismässigkeit. Wenn man eine Suchmaschine anwirft, findet man z.B. unter dem Stichwort INFLUENZA, dass schon früher deutlich höhere Infektionszahlen gegeben waren:
„Gemäß der saisonalen, klinischen Sentinella-Surveillance der Influenza in Österreich wurde für Kalenderwoche (KW) 40/2017, mit Beginn der Meldungen von Grippe/Grippe-ähnlichen Krankheitsfällen (influenza-like illness; ILI) eine Inzidenz von 289 Fälle/100.000 Einwohner geschätzt. In KW 7/2018 erreichte die Inzidenz der Grippe/Grippe-ähnlichen Krankheiten mit 1.793 Fällen/100.000 Einwohner ihren Höhepunkt“, heißt es im Jahresbericht der Nationalen Referenzzentrale für Influenza Epidemiologie der AGES für die Saison 2017/2018.”
Wie man sieht, ging es damals genau so heftig zu. Allerdings mussten damals Kinder beim Schulsport keine Masken tragen…und bei einer Zahl von 1793 Infizierten hätten wir wohl nicht nur einen Lockdown, sondern auch Ausgangssperren der besonders heftigen Art.
Das stammt übrigens nicht aus einem “Verschwörer-Artikel”, sondern aus einem Fachartikel. Es lohnt sich, ihn genauer zu lesen:
https://pflege-professionell.at/at-wenn-die-influenza-auf-der-intensiv-landet

Wer kann helfen? Spannend wäre ein retrospektiver Rückblick auf die Belegung der Intensivbetten und Vergleich mit jetzt.
LNS

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