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Medizin

Babyflaschen setzen Mikroplastik frei

Mittwoch, 21. Oktober 2020

/WavebreakMediaMicro, stock.adobe.com

Dublin – Von den Innenflächen von Babyflaschen aus Polypropylen lösen sich bei der Benutzung mikroskopisch kleine Kunststoffpartikel. Nach Berechnungen in Nature Food (2020; DOI: 10.1038/s43016-020-00171-y) könnten die Säuglinge bei jeder Fütterung 1 Million Mikropartikeln oder mehr exponiert werden. Ob dies zu gesundheitlichen Schäden führt, ist unklar.

Ein Team um John Boland vom Trinity College in Dublin hat handelsübliche Babyflaschen von verschiedenen Herstellern untersucht, die einen Anteil am weltweiten Verkauf von 68,8 % haben. Die Flaschen wurden gereinigt und sterilisiert und nach dem Trocknen mit gereinigtem und auf 70°C erhitztem Wasser gefüllt. Dies ist die Temperatur, die die Welt­gesundheitsorganisation (WHO) zur Herstellung einer Babyersatznahrung aus Milchpulver empfiehlt.

Die Flaschen wurden dann für eine Minute geschüttelt, um den Mischprozess beim Zube­reiten der Babynahrung zu imitieren. Danach wurde das Wasser gefiltert und unter dem Mikroskop auf Mikropartikel hin untersucht. Die Forscher zählten bis zu 16 Millionen Mikropartikel pro Liter Wasser in den Babyflaschen.

Die Freisetzung war temperaturabhängig. Bei einer Temperatur von 95°C wurden bis zu 55 Millionen Mikropartikel pro Liter Wasser gefunden. Bei einer Temperatur von 25°C waren es „nur“ 600.000 Mikropartikel pro Liter Wasser.

Aufgrund der weiten Verbreitung von Babyflaschen aus Polypropylen dürfte nach Hoch­rechnungen von Boland jeder Säugling im Durchschnitt mit 1,58 Millionen Mikropartikeln pro Tag exponiert werden, in Nordamerika seien es 2,28 Millionen Mikropartikel und in Europa 2,61 Millionen Partikel pro Tag.

Die Exposition könnte laut Boland vermindert werden, wenn die Babynahrung außerhalb der Flasche, etwa in einem Metalltopf zubereitet wird und erst nach dem Abkühlen in die Babyflasche gefüllt wird. Von einem Verzicht auf die Erhitzung der Babynahrung wird aus hygienischen Gründen abgeraten.

Ob die Exposition die Gesundheit der Säuglinge gefährdet, wurde bisher nicht unter­sucht. Hierzu müssten idealerweise Säuglinge, die aus Plastikflaschen gefüttert wurden, mit solchen verglichen werden, die gestillt wurden oder deren Mütter Glasflaschen verwenden.

Für eine Kausalität müssten tierexperimentelle Studien durchgeführt werden. Auch der Nachweis von Mikropartikeln etwa in den Läsionen der Darmschleimhaut wäre ein wichtiger Hinweis auf eine schädliche Wirkung. Die Benutzung von Glasflaschen oder das Stillen der Kinder vermeidet eine Exposition. © rme/aerzteblatt.de

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