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Medizin

Fast 60 % der Deutschen leiden unter einer neurologischen Erkrankung

Donnerstag, 29. Oktober 2020

/freshidea, stock.adobe.com

Berlin/Kiel – Neurologische Erkrankungen haben einen großen und zunehmenden Anteil an der Krankheitsbelastung in Europa und auch in Deutschland. Das zeigt eine neue Auswertung im Rahmen der „Global Burden of Diseases“-Studie, die jetzt in der Fachzeit­schrift Lancet Public Health erschienen ist (DOI: 10.1016/S2468-2667(20)30190-0).

In der Arbeit haben die Autoren um Günther Deuschl die neurologische Krankheitslast in der Europäischen Union (EU) mit der von ganz Europa und der Welt verglichen. Die „European Academy of Neurology“ (EAN) hatte die Studie beauftragt.

Laut der Untersuchung litten im Jahr 2017 in der EU 307 Millionen Menschen an mindes­tens einer neurologischen Erkrankung. Dies entspricht 60 % der Bevölkerung von 512,4 Millionen. Die Gesamtzahl der sogenannten DALYs, die auf das Konto neurologischer Leiden gehen, liegt bei 21 Millionen in der EU und bei 41,1 Millionen im gesamten europäischen Gebiet der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO).

„DALYs“ steht für „disability-adjusted life-years“. Diese Maßzahl addiert die durch Mortalität verlorenen Krankheitsjahre und die Jahre mit krankheitsbedingt verminderter Lebensqualität.

Insgesamt starben in der EU im Jahr 2017 1,1 Million Menschen an neurologischen Erkrankungen und 1,97 Millionen im europäischen WHO-Gebiet. Damit stehen in der Statistik neurologische Erkrankungen an dritter Stelle nach kardiovaskulären Erkran­kungen und Krebserkrankungen. Sie machen in der EU 13,3 % aller DALYs und 19,5 % der Gesamttodesfälle aus. In der EU waren die drei häufigsten DALY-Ursachen Schlaganfälle, Demenz und Kopfschmerzen.

„Die Prävalenz neurologischer Erkrankungen ist hoch – die hohe Zahl hat uns selbst überrascht – und sie wird aufgrund des demografischen Wandels weiter ansteigen“, erklärte Deuschl, Seniorprofessor an der Universität Kiel.

Bemerkenswert sei, dass die Krankheitslast für den Einzelpatienten für einige Erkran­kungen aber abnehme, zum Beispiel beim Schlaganfall: In der EU sei es zwischen den Jahren 1990 und 2017 zu einer Reduktion der DALYs für den Einzelpatienten um 54 % gekommen.

Dies dürfte laut den Wissenschaftlern vor allem durch verbesserte Prävention und durch Fortschritte der neurologischen Therapien bedingt sein, zum Beispiel der Versorgung in sogenannten Stroke Units. Die Patientenzahl sei aber wegen der Zunahme älterer Menschen um 25 % gewachsen.

„Die Daten legen nahe, dass neurologische Versorgung und Prävention wirksam sind und stellen ein klares Signal dafür da, für alle neurologischen Erkrankungen bessere Krank­heits­versorgung und Forschung zu etablieren“, so Deuschl.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) fordert aufgrund der Studienergebnisse von der Gesundheitspolitik, die Versorgungsstrukturen entsprechend zu stärken und Präventionsprogramme auf den Weg zu bringen. © hil/aerzteblatt.de

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