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Ärzteschaft

Laborauslastung bei 80 Prozent – noch keine Erleichterung durch Antigentests

Dienstag, 20. Oktober 2020

/zabava_t, stockadobecom

Berlin – Die Zahl der SARS-CoV-2-PCR-Tests lag gemäß der Datenerhebung der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) in der vergangenen Woche bei 1.101.062 Test und damit zwei Prozent höher als in der Vorwoche. Stark gestiegen ist die Zahl der positiven Tests: Sie lag bei 40.276 und damit rund 50 Prozent höher als in der vergangenen Woche. Laut den ALM waren die Labore zu rund 80 Prozent ausgelastet.

Der Verband mahnte erneut, die Teststrategie zu schärfen. Bei Fortsetzung der vermehrten anlasslosen Testung könnten die Laborkapazitäten an ihre Grenzen gelangen, warnte der ALM-Vorsitzende Michael Müller. „Wichtig wäre, dass wir eine regionale Test-Koordination zwischen den Haus- und Fachärzten, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst und den Laboren organisieren. Das würde auch uns Fachärzten im Labor helfen, die Ressourcen gezielter einzusetzen“, sagte er.

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Antigen-Schnelltests nicht überbewerten

Vor „überzogenen Erwartungen“ an Antigen-Schnelltests zur Bekämpfung der Corona-Pandemie warnt unterdessen der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL). Die in den medizinischen Laboren benötigten Antigentests seien noch gar nicht verfügbar, obwohl es schon eine Abrechnungsziffer dafür gebe. „Das ist ein in der Geschichte der Gebührenordnung einmaliger Vorgang“, sagte der BDL-Vorsitzende Andreas Bobrowski.

Auch der ALM relativiert die Hoffnung auf eine schnelle Entlastung durch die neuen Antigentests. Der Verband sieht insbesondere die Schnelltests zur Anwendung im Hausgebrauch zurückhaltend: „Medizinische Tests gehören primär in die Hände von Ärzten und medizinischem Fachpersonal, das für die Durchführung von Tests ausgebildet ist“, sagte der ALM-Experte Evangelos Kotsopoulos. Nötig seien herstellerunabhängige vergleichende Evaluationen der verfügbaren Antigentests, damit Praxen, Krankenhäuser und Alten- wie Pflegeheime sich gut orientieren könnten, erklärte er.

Wesentlich sei hierbei unter anderem die analytische Empfindlichkeit von Antigentests, die bekanntermaßen unterhalb der Empfindlichkeit von PCR-Test liege. „Man sollte berücksichtigen, dass diese Tests einen Teil der asymptomatischen Infizierten nicht erkennen können und zu falsch-negative Befunden führen können“, so Kotsopoulos. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 21. Oktober 2020, 22:10

@BB-DD

Ganz so wild ist es gsd nicht. Bei Symptomfreiheit kann der Test nach 5 Tagen wiederholt werden...
Die falsch-positiv-Rate bewegt ich allerdings beim PCR-Test eher weit unterhalb der Promillegrenze, während falsch negative Testergebnisse bei fehlerhafter Probenentnahme (zB durch den Pat selbst) bis zu 30% ausmachen können! Mein Beispiel war eher als Rechenbeispiel gedacht, um den Unfug mit den Massentests aufzuzeigen.
Avatar #831974
BB-DD
am Mittwoch, 21. Oktober 2020, 10:47

@Practicus

Wir liegen ja auch gar nicht so weit auseinander in der Einschätzung. Für mich ist aber "Ein falsch positiver Test verursacht höchstens ein paar Tage unnötige Quarantäne" ein Problem. Denn die unnötige Quarantäne ist verantwortlich für Schäden höchster Kategorie und ist für meine Begriffe eher für die gegenwärtige Hysterie verantwortlich, als die Gefahr durch die Erkrankung im größten Teil der Bevölkerung selbst. Für mich als Familienvater bedeutet ein positiver Test, dass ich mit meiner ganzen, wahrscheinlich kerngesunden Familie 14 Tage lang in der Wohnung arrestiert werde, meine Frau in ihrem Beruf als Lehrerin ausfällt, mein Söhne nicht in die Schule und den Kindergarten dürfen - und selbst das schlichte Verlassen der Wohnung verboten ist. Das ist für kleine Kinder der absolute Horror! Ebenso sind Arbeitskollegen, ggf. die Eltern, Schwiegereltern und Freunde betroffen - zu denen ich DESHALB den Kontakt meiden soll, um sie vor diesem hirnrissigen Irrsinn zu bewahren und den Kreis der Betroffenen klein zu halten. Mehr noch, wenn von denen irgendjemand anfängt zu niesen oder zu husten -aus welchem Grund auch immer, dann geht der Spaß von vorn los mit der Testerei und betrifft weitere "Kontaktpersonen" - ggf. die Schulklasse. Dann tönt es aus der Tagesschau: Cluster! Und nicht ein Einziger ist krank mit Corona. Das sind doch genau die aktuellen Probleme der "Pandemie". Der große Kreis, der gezogen wird um jemanden, der nicht oder nicht bedeutend krank ist - ohne irgendeinen tiefergehenden Sinn - zumindest keinen in Richtung einer Gesundheiterhaltung der Bevölkerung. Und selbst für einen akut Kranken, der im Krankenhaus beatmet werden muss, ist das unsinnig für die Angehörigen. Das müssten wir ja dann bei jedem solchen Fall, verursacht von welchem Erreger auch immer- so machen - und die anderen Nichtcoronafälle sind deutlich die Mehrzahl! An der Gefährdungsbeurteilung für Corona ist gewaltig etwas schief gelaufen. Das muss dringend geändert werden.

"Was aufhören muss, ist die unsinnige Testerei symptomfreier Menschen ohne gesicherte Risikokontakte: Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von 5:10.000 sind nur unbrauchbare Ergebnisse zu erwarten." Ja, natürlich, Sie haben vollkommen Recht. Allerdings ist mir im Moment unklar, was Sie unter Risikokontakt verstehen? Meinen Sie, wenn jemand z. B. im Krankenhaus oder Pflegeheim arbeitet, soll er regelmäßig getestet werden? Oder meinen Sie persönlichen Kontakt zu einem Kranken mit "Virusnachweis" oder zu einem als "infiziert" erkannten?

Bei ersterem wäre es bedingt sinnvoll, dort könnte und muss man es sich dann aber auch leisten, in aller Regelmäßigkeit mehrere Proben (A-B-C) zu nehmen und in mindestens zwei unabhängigen Laboren untersuchen zu lassen, um falsch positive Ergebnisse auszuschließen - die natürlich nicht nur den Einzelnen betreffen, sondern auch für das Personal und die Bewohner der Einrichtung zu Komplikationen und Absonderungsmaßnahmen führen - und das ist nicht lustig, wenn die Leute im Altenheim plötzlich nicht mehr ihr Zimmer verlassen dürfen, um zusammen zu Mittag zu essen oder miteinander zu reden, keine Gruppenveranstaltungen mehr haben und die Angehörigen ausgesperrt werden - sofern das nicht in der gegenwärtigen Zeit ohnehin alles absurder Standard ist.
Für letzteren Fall ergibt sich ja eben genau das Problem mit der Testerei, das wir aktuell haben und Sie würden sich widersprechen, deshalb tippe ich mal auf ersteres. Aber selbst das sehe ich kritisch, weil Sie dort wieder Gefahr laufen, in die Logik hineinzukommen, dass jeder, der die Oma besuchen möchte zunächst mal nachweisen soll, ob er mit Corona ansteckend ist.
Für mich gibt es insgesamt nur einen brauchbaren Weg: Die Tests gehören zu diagnostischen Zwecken, für die sie auch da und mit ihren Sensitivitäten und Spezifitäten geeignet sind, ins Krankenhaus, ggf. zum Arzt, der im Verdachtsfall, wie auf Influenza auch, einen Test macht. Ein Kranker soll zu Hause gesund werden und - wie man das mit der Grippe oder akuten Erkältungskrankheiten auch macht - möglichst nur den allernötigsten Kontakt haben. Zur Oma ins Altenheim geht man doch mit Fieber und starkem Husten sowieso nicht.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 21. Oktober 2020, 00:39

@BB-DD

Ein falsch positiver Test verursacht höchstens ein paar Tage unnötige Quarantäne, während ein falsch negativer Test viele Menschen einem Infektionsrisiko aussetzen kann.
Was aufhören muss, ist die unsinnige Testerei symptomfreier Menschen ohne gesicherte Risikokontakte: Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von 5:10.000 sind nur unbrauchbare Ergebnisse zu erwarten.
Selbst bei einer Sensitivität UND Spezifität von 99% ergeben sich bei 10.000 Tests 5 richtig und 100 falsch positive sowie 9.895 negative Testergebnisse. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven Test tatsächlich infiziert zu sein, beträgt dann 5:105, also weniger als 5%
Bitte gern nachrechnen und ggfs. korrigieren...
Avatar #831974
BB-DD
am Dienstag, 20. Oktober 2020, 19:17

Schnelltests

Mindestens genauso schlimm wie falsch negative Tests sind die falsch positiven! Der AG Influenza zufolge darf man z.B. den Influenzanachweisen zu Beginn der Saisons auf Basis von Antigentests nur geringes Vertrauen entgegen bringen, weil es oft falsch-positive Tests gibt.

Zitat: "Die IfSG-Daten beinhalten Nachweise durch Antigen-Tests, kulturelle Isolierung und Polymerasekettenreaktion (PCR). Im NRZ erbrachte Virusnachweise gehen in die IfSG-Meldedaten mit ein. Zu Beginn der Saison, wenn eine Viruszirkulation noch nicht mit Kultur oder PCR nachgewiesen wurde, ist bei der Interpretation zu berücksichtigen, dass aufgrund der geringen Spezifität Antigen-Tests häufig falsch positiv sein können." (https://influenza.rki.de/Diagrams.aspx, ganz unten)
Wenn wir demnächst vermehrt solche Tests durchführen, gerade wieder bei symptomlosen Menschen praktisch ohne Vortestwahrscheinlichkeit, dann kann man auch gleich eine Dart-Scheibe aufstellen und sagen: Wer die Scheibe nicht trifft, hat Corona. So etwas darf allenfalls im klinischen Umfeld Verwendung finden. Gebt diese Tests bitte nicht der breiten Masse der Bevölkerung in die Hände - die Panik bricht aus und wir entfachen eine noch größere Coronahysterie mit unabsehbaren Folgeschäden. Dann rennt erst recht jeder zum PCR-Test. Das soll Entlastung für das Testsystem bringen? Ich habe Zweifel...
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