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Medizin

SARS-CoV-2: Bei über 75-Jährigen endet jede siebte Infektion tödlich

Dienstag, 20. Oktober 2020

/toa555, stock.adobe.com

New York – Neue Berechnungen aus der 8-Millionen-Stadt New York City, die im Frühjahr eine äußerst heftige erste COVID-19-Welle erlebte, deuten darauf hin, dass das Sterbe­risiko bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 höher sein könnte als bisher angenommen.

Laut der Studie in Lancet Infectious Diseases (2020; DOI: 10.1016/S1473-3099(20)30769-6) betrug die „Infection fatality rate“ 1,37 %. Bei den über 75-Jährigen starben sogar 14,2 % der Infizierten.

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Wie hoch das Risiko ist, an einer Infektion zu sterben, lässt sich in größeren Populationen nur schwer ermitteln. Zum einen werden selten alle Infektionen erkannt, was zu einem Überschätzen der „Infection fatality rate“ führt, zum anderen ist es möglich, dass eine Infektion als Todesursache übersehen wird, was zu einer zu geringen Annahme führt.

Die „Infection fatality rate“ ist zudem von der Verbreitung der Risikofaktoren abhängig, zu denen bei COVID-19 neben dem Alter auch einige chronische Erkrankungen gehören. Auch die medizinische Behandlung ist von Bedeutung, wenn sie tödliche Verläufe verhin­dert. Die „Infection fatality rate“ ist deshalb keine Naturkonstante. Sie muss im Prinzip für jede Population immer wieder neu ermittelt werden.

Die jüngsten Schätzungen stammen aus New York, wo bis zum 6. Juni bei 205.639 Ein­woh­nern eine im Labor bestätigte Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde. Im gleichen Zeitraum wurden 21.447 Todesfälle auf COVID-19 zurückgeführt. Dies würde einen Anteil von 10,43 % ergeben, womit das Risiko jedoch weit überschätzt würde, da längst nicht alle Infektionen erkannt wurden.

Ein Team um Wan Yang von der Mailman School of Public Health in New York geht in seinen Berechnungen davon aus, dass in der letzten Woche for dem Ende des Shutdowns Anfang Juni in der Hochrisikogruppe der über 75-Jährigen gerade einmal 36 % der Infektionen erkannt wurden.

Bei den Menschen unter 25 Jahren, die in der Regel nicht erkranken, könnte der Anteil nur bei 11,0 % gelegen haben. Diese Zahlen sind das Ergebnis statistischer Berechnun­gen eines „meta-population network transmission models“. Auf dessen Basis ermittelt Yang eine „Infection fatality rate“ von 1,39 % der mit SARS-CoV-2 infizierten, die an COVID-19 gestorben sind.

Die geringste Gefahr bestand nach den Berechnungen für die Altersgruppe unter 25 Jahren. Dort betrug das Risiko, eine Infektion mit SARS-CoV-2 nicht zu überleben, nur 0,00972 %. Bei den 25- bis 44-Jährigen war die „Infection fatality rate“ mit 0,116 % immer noch sehr niedrig. Auch die 45- bis 64-Jährigen müssten sich bei einem Risiko von 0,939 % wenig Sorgen um ihr Leben machen. Bei den 65- bis 74-Jährigen stieg die „Infection fatality rate“ jedoch auf 4,87 % an und in der Gruppe 75 plus waren es bereits 14,2 %.

Die „Infection fatality rate“ war im Verlauf der Epidemie keine Konstante. Auf dem Höhe­punkt der Epidemie stieg die wöchentliche „Infection fatality rate“ in der Alters­gruppe zwischen 65 und 74 Jahren auf 6,72 % und bei den Personen im Alter ab 75 Jahren sogar auf 19,1 %. Dies bedeutet, dass jeder fünfte die Infektion nicht überlebte.

Die „Infection fatality rate“ mit 1,39 % war damit höher als in früheren Studien aus China und Frankreich, wo sie mit 0,7 % angegeben wurde. Yang führt dies auf die genaue Analyse der Todesbescheinigungen zurück, die in New York City von speziell ausgebil­deten Nosologen vorgenommen wird, die in der Regel innerhalb eines Tages eine Prüfung durchführen. Dieses System habe trotz der steigenden Todesfälle funktioniert.

Die Zahlen aus New York stimmen auch mit den Erfahrungen auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess überein, wo 1,3 % der infizierten Passagiere die Erkrankung nicht überlebt haben. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #565593
abenning
am Dienstag, 20. Oktober 2020, 19:01

Unvereinbar mit den Angaben im jüngst von der WHO publizierten Review

Wie erklärt sich die Unvereinbarkeit der Angaben mit den Daten im jüngst von der WHO publizierten Review?

Zitat: >> >> Across 51 locations, the median COVID-19 infection fatality rate was 0.27% (corrected 0.23%): the rate was 0.09% in locations with COVID-19 population mortality rates less than the global average (< 118 deaths/million), 0.20% in locations with 118–500 COVID-19 deaths/million people and 0.57% in locations with > 500 COVID-19 deaths/million people. In people < 70 years, infection fatality rates ranged from 0.00% to 0.31% with crude and corrected medians of 0.05%. <<

https://www.who.int/bulletin/online_first/BLT.20.265892.pdf
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