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Medizin

Neue Speicheldrüse im Nasopharynx entdeckt

Freitag, 30. Oktober 2020

/matis75, stock.adobe.com

Amsterdam – Onkologen aus den Niederlanden haben bei PET/CT-Untersuchungen mit einem neuen Tracer eine bisher unbekannte Drüse im oberen Rachenraum entdeckt. Aufgrund der Lage über dem Torus tubarius an der Einmündungsstelle der Tuba auditiva schlagen sie in Radiotherapy and Oncology (2020; DOI: 10.1016/j.radonc.2020.09.034) die Bezeichnung Tubarialdrüse vor.

Die Speichelproduktion wurde bisher auf die 3 großen Speicheldrüsen (Parotis-, Subman­dibularis- und Sublingualis-Drüsen) beschränkt. Es gibt zwar im Rachenraum etwa 1.000 weitere kleinere „Drüsennester“. Sie sind allerdings zu klein, um eine ana­tomische Bezeichnung zu verdienen.

Bei der Drüse, die ein Team um den Kieferchirurgen Matthijs Valstar vom Niederlän­di­schen Krebsinstitut in Amsterdam jetzt entdeckt hat, ist dies anders. Die Drüsenzellen erstrecken sich über eine Länge von 3,9 cm (Bandbreite 1,0 bis 5,7 cm) über den Torus tubarius, einer wulstförmigen Erhebung über dem Abfluss der Eustachi-Röhre, die das Mittelohr mit dem Rachen verbindet.

Die Forscher haben die paarig angelegte Drüse, die alle Anatomen bisher offenbar übersehen haben, auf den Aufnahmen einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit einem Tracer entdeckt, der am Prostata-spezifischen Membran-Antigen (PSMA) bindet. Dieser Tracer, der ursprünglich zur Metastasensuche bei Patienten mit Prostatakarzinom entwickelt wurde, stellt im Kopfbereich auch die 3 großen Speicheldrüsen dar.

Auf den Bildern von insgesamt 100 Krebspatienten war jedoch noch eine weitere Stelle im Oropharynx sichtbar, die durch die Überlagerung mit einer Computertomografie (CT) auf den Bereich des Torus tubarius lokalisiert werden konnte. Die Aufnahme des Tracers war laut Valstar ebenso groß wie in den Submandibular-Drüsen.

Die Mediziner untersuchten die Stelle daraufhin an 2 Leichen (männlich und weiblich) und fanden bei beiden Geschlechtern in der Schleimhaut tatsächlich überwiegend muköses Drüsengewebe sowie zahlreiche punktförmige Drüsenöffnungen. Sie befinden sich über dem Torus tubarius, der über der knorpeligen Einmündung der Tuba auditiva eine leichte Vorwölbung bildet. Die Drüse erstreckt sich kausal von der Pharynxwand bis Krania zur Rosenmüller-Grube.

Bei einem gesunden Probanden wurde die Drüse schließlich auch auf der T2-gewichteten Aufnahme einer Magnetresonanztomografie gesichtet. Um ihre klinische Bedeutung zu untersuchen, haben sie die Krankenakten von 723 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren untersucht, die eine Bestrahlung erhalten hatten.

Die Einbeziehung der Drüse in die Strahlenfelder ging mit einer Zunahme der Xerostomie einher, die eine häufige Nebenwirkung der Strahlentherapie ist. Die Tubarialdrüse sollte deshalb nach Ansicht von Valstar bei der Planung einer Radiotherapie ebenso beachtet werden wie die 3 anderen großen Drüsen, um die Patienten vor den quälenden Neben­wirkungen eines Speichelmangels zu schützen, der zu Mundtrockenheit und Schluck­störungen führt. © rme/aerzteblatt.de

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